3sat mit "WissenHoch2" über Auktionen und Wege aus der Schuldenkrise

Do, 07.10.2021, 17:05 Uhr
Blumenversteigerung im niederländischen Aalsmeer © ZDF/Andrea Schäfer

Online ein Fahrrad ersteigern oder ein wertvolles Gemälde bei Sotheby's – solche Auktionen sind bekannt. Auch Werbeplätze, Strom und Mobilfunkfrequenzen gehen mittlerweile an die Höchstbietenden. Wie bedeutsam Auktionen sind, zeigt auch, dass der Wirtschaftsnobelpreis 2020 an Paul R. Milgrom und Robert B. Wilson für ihre Forschung und Entwicklung neuer Auktionsformate ging. Die Dokumentation "Der Fluch des Gewinnens - Auktionen im Wettstreit" gibt am Donnerstag, 14. Oktober 2021, 20.15 Uhr, im Rahmen von "WissenHoch2" in 3sat einen Überblick über verschiedene Auktionsformate und zeigt, wie wenig rational solche scheinbar sachlichen Versteigerungen ablaufen. Im Anschluss, um 21.00 Uhr, folgt "scobel – Wege aus der Schuldenkrise". Beide Sendungen sind fünf Jahre lang in der 3satMediathek verfügbar.

Auktionen bewegen täglich Milliardenbeträge. Die klassische englische Auktion ist nur eine von vielen Formen der Versteigerung. Bei der "Holländischen Auktion" sinkt – anders als bei Kunstauktionen – der Preis so lange, bis der oder die Erste zuschlägt. Die Auktion hat für die Händlerinnen und Händler entscheidende Vorteile: Innerhalb von Sekunden entstehen Preise, die Angebot und Nachfrage entsprechen. Die moderne Wirtschaft ist durchdrungen von Auktionen. Auktionen sorgen für Effizienz und Transparenz und sollen den Wettbewerb ankurbeln. Heute können Unternehmen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in spieltheoretischen Beratungen speziell für Auktionen schulen lassen. Dort sollen sie lernen, wie man einer der größten Gefahren, dem "Fluch des Gewinnens", entgeht. Auch Fehler im Design von Auktionen können den Wettbewerb verzerren und die Beteiligten Millionen kosten. Wirtschaftswissenschaftler Prof. Axel Ockenfels von der Universität zu Köln, der in einer aktuell laufenden Studie ein neues Auktionsformat testet, sagt: "Den Homo oeconomicus – den rein gewinnorientierten und rational handelnden Menschen – gibt es nicht. Wir brauchen Auktionsdesigns, die menschliche Regungen aushalten."

 

Im Anschluss, um 21.00 Uhr, folgt die Sendung "scobel - Wege aus der Schuldenkrise". 

Nach der Finanzkrise 2008 glaubten viele Menschen, dass die Macht der Banken beschränkt werde. Doch mit der Pandemie steigen die Schulden, und der Einfluss der Banken könnte wieder zunehmen. Für die wirtschaftlichen Defizite, die die Corona weltweit verursacht hat, werden Billionen Dollar benötigt. Noch höhere Kosten als durch die Pandemie sind durch die Auswirkungen des Klimawandels zu erwarten, der Subventionsbedarf wird steigen. Doch woher soll das Geld kommen? Zinsen für Sparerinnen und Sparer werden schon seit längerer Zeit nicht mehr vergeben. Internationale Krisen werden zunehmend durch Zentralbanken gesteuert. Staatliche Einrichtungen wie die Europäische Zentralbank oder das amerikanische "Federal Reserve System" stabilisieren die jeweiligen Währungen, gestalten die Zinspolitik und überbrücken Finanzierungslücken. Die Möglichkeiten und Gefahren von unterschiedlichen Finanzierungssystemen und wie sich die Abhängigkeit der Realwirtschaft vom Finanzkapitalismus in Zukunft gestaltet, diskutiert Gert Scobel mit seinen Gästen – Mariana Bozesan, Informatikerin und Investorin in nachhaltige Firmen, Stefan Brunnhuber, Ökonom und Psychiater, sowie Joscha Wullweber ist Heisenberg-Professor für Politics, Transformation and Sustainability an der Universität Witten/Herdecke.