3sat sendet "nano: Krise? – Endlich! Zeit für ein anderes Leben"

Di, 10.11.2020, 09:28 Uhr
Lisa Herzog, Soziologin und Ökonomin, meint, mit der immer weiter auseinanderklaffenden Einkommensschere sei die Demokratie in Gefahr © ZDF/Philip Flämig

Das Einkommensgefälle droht, die Gesellschaft zu zerreißen, die globalen Ungleichheiten werden immer größer, Naturverbrauch und Umweltzerstörung muten dem Planeten Erde mehr zu, als dieser auf Dauer aushält. In seinem Film "nano: Krise? – Endlich! Zeit für ein anderes Leben", am Dienstag, 17. November 2020, 18.30 Uhr, zeigt "nano"-Autor und -Moderator Ingolf Baur Möglichkeiten auf, wie man die Krise nutzen kann, um das Wirtschaftssystem zu transformieren und das Leben zu verbessern. Die Dokumentation ist ab Sendedatum fünf Jahre lang in der 3sat-Mediathek verfügbar.

Auf der Suche nach Wegen für eine Transformation des Wirtschaftssystems besucht Ingolf Baur eine Ökogemeinde, die vollständig CO2-neutral lebt, und trifft Unternehmerinnen und Unternehmer, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Vordenkerinnen und Vordenker. Premium Cola ist beispielsweise ein Unternehmen, das seit mehr als 19 Jahren zeigt, dass sich ein Unternehmen ganz anders gestalten lässt und Wirtschaft anders funktionieren kann als bisher: Statt Spitzengehälter für das Management gibt es ein Einheitslohn von 20 Euro pro Stunde, statt Gewinn- und Profitmaximierung Respekt und Menschenwürde, statt Anweisungen und Kontrolle Konsensentscheidungen. Einen Umsatzeinbruch von 95 Prozent in der COVID-19-Krise verkraftet das Unternehmen, das über Jahre geschaffene Vertrauensverhältnis zu den Geschäftspartnern zahlt sich jetzt aus.

In Bezug auf die gesamte Wirtschaft und die Gesellschaft ist die Frage, was tatsächlich Fortschritt bedeutet, wie viel Wachstum es braucht, um Wohlstand und Lebenschancen zu sichern. Wenn das Bruttoinlandsprodukt als Indikator für Wohlstand ausgedient hat: Was tritt an seine Stelle? Wie müssten Unternehmen bilanzieren, wenn ökologische Aspekte bei der Preisgestaltung berücksichtigt werden sollen? Und: Wie viel Konsum braucht ein gutes Leben wirklich? "Unser Wirtschaftssystem drängt mit unglaublich viel Energie in die falsche Richtung", sagt Lisa Herzog, Professorin am Centre for Philosophy, Politics and Economics der Universität Groningen. Es mache nicht einmal die glücklich, die am meisten davon profitierten.

ZDF
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3sat Presseteam

Marion Leibrecht
leibrecht.mwhatever@3sat.de
Mainz, 10. November 2020