3sat zeigt Dokumentarfilm "Der Sog des Krieges – Eine Familiengeschichte"

Mo, 02.05.2022, 11:28 Uhr
In seinem Familienarchiv findet der Autor Bündel von Briefen, die sich seine Eltern in der Kriegszeit geschickt haben / Foto: ZDF/Axel Brandt

"Ich wollte mehr über die Destruktionskraft des Krieges erfahren", sagt Filmemacher Christoph Boekel über seinen neuen Dokumentarfilm. Anhand von Tagebüchern seines Vaters und Briefen seiner Eltern vermittelt Boekel erschütternde Innenansichten des Kriegss. Sein Vater war überzeugter Wehrmachtsoffizier. Mit "Der Sog des Krieges – Eine Familiengeschichte" (Deutschland 2020) schuf Boekel einen Film über die zerstörerische Kraft des Krieges und die traumatisierende Wirkung auf einen Offizier und seine Familie. 3sat zeigt den Dokumentarfilm am Montag, 9. Mai 2022, um 22.25 Uhr, in Erstausstrahlung. Der Film ist ab Sonntag, 8. Mai 2022, bis Mittwoch, 8. Juni 2022, in der 3sat-Mediathek zu sehen.

Im November 1942 wurde Christoph Boekels Vater als fronterfahrener und ideologisch zuverlässiger Offizier zu der neu aufgestellten Strafdivision 999 versetzt, eine Einheit, in der Sträflinge und politisch Verfolgte zu Soldaten für Deutschland ausgebildet und in den Kampf geschickt wurden. Er nahm damals bereits Pervitin, die Droge der Wehrmacht, mit der die Kampfkraft der Soldaten durch ein rauschhaftes Hochgefühl gesteigert werden sollte. Bei Kämpfen in Tunesien wurde er verwundet und wieder nach Deutschland ausgeflogen. Die Division 999 wurde dort später vollständig aufgerieben. Nach deren Neuaufstellung Anfang 1944 wurde Boekels Vater mit seinem Bataillon an die dalmatinische Küste verlegt, wo er im Februar 1945 erneut verwundet wurde. Kroatische Zivilisten schleppten ihn durch feindliche Linien zum Hauptverbandsplatz und er überlebte.

Kurz vor Kriegsbeginn hatte Christoph Boekels Vater sein Studium der Publizistik und Philosophie abgeschlossen und war in Tagebüchern und Briefen um einen eigenen, ausdrucksstarken Stil bemüht. Seine Aufzeichnungen sind eindringliche und schockierende Zeugnisse des Krieges, Dokumente aus der Unmittelbarkeit, die sein Denken, Handeln und Fühlen als Soldat offenlegen. Die Tagebücher und Briefe, die Boekels Eltern einander schrieben, führen den Filmemacher nach Belgien, Frankreich, Tunesien, Deutschland, Kroatien und Bosnien und Herzegowina. Eingefügt in die Chronologie der Kriegserlebnisse sind Gespräche des Autors mit Zeitzeugen und mit seinen beiden Brüdern, in denen sie sich über die Auswirkungen, die der Krieg auf die Familie und sie selbst hatte, austauschen.

Hauptabteilung Kommunikation
Dokumentation und Reportage

Claudia Hustedt
hustedt.cwhatever@zdf.de
Mainz, 02. Mai 2022