"Männlich, Weiblich, Trans*": 3sat-Dokumentation fragt "Was heißt schon Geschlecht?"

Di, 13.04.2021, 15:05 Uhr
Mika, Schüler mit Freundin © ZDF/ORF/Constanze Grießler/Franziska Mayr-Keber

Unter Jugendlichen ist die Zahl der Mädchen, die sich als Junge fühlen, weit höher als umgekehrt. Viele wünschen sich eine Hormonbehandlung vor der Pubertät. Wie schwierig der Weg der Geschlechtsangleichung ist und wie bürokratische Hürden überwunden werden können, darüber berichten junge Transmenschen auf Social-Media-Plattformen. 3sat zeigt "Männlich, Weiblich, Trans* - Was heißt schon Geschlecht?" am Mittwoch, 21. April, um 20.15 Uhr. Die Dokumentation steht vom 21. April 2021, 6.00 Uhr, bis zum 21. Mai 2021, 6.00 Uhr, in der 3sat-Mediathek. 3sat zeigt im Anschluss, um 21.05 Uhr, den Film "Gabrielle – kopfüber in ein neues Leben".

Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO sind Transmenschen nach wie vor eine besonders verletzliche Gruppe. "Es waren früher nicht weniger Patientinnen und Patienten, sondern wir haben es nur nicht gesehen. Jetzt wird es deutlicher. Und natürlich auch durch die mediale Aufmerksamkeit, die das Ganze derzeit bekommt", meint Mick van Trotsenburg. Der Gynäkologe gilt als Pionier der Transgender-Medizin und leitete das "Transgender Kompetenzzentrum" in Amsterdam. Heute kann die Pubertät mit einer Hormonbehandlung unterbrochen werden, was eine spätere Geschlechtsangleichung erleichtert. Für manche ist das eine große psychische Entlastung, aber es gibt auch Menschen, die diesen irreversiblen Schritt später bereuen. Und dann gibt es Menschen, die sich dafür einsetzen, Geschlechtergrenzen als "Spektrum" mit individuellen Schattierungen zu verstehen.

Der "Regenbogen" hat mit Kerstin Ott einen prominenten Platz in der Schlagerwelt gefunden. Diese sei eben nicht so konservativ, wie manche annehmen, sagt Ott stolz über ihre Fangemeinde. Die Sängerin ist offen lesbisch und verheiratet. Bei der Fernsehshow "Let's Dance" war ihre Tanzpartnerin eine Frau, sie selbst ist im Anzug aufgetreten.

Ist "Diversity" als Vielfalt damit im Mainstream angekommen? Oder handelt es sich bloß um ein Etikett, mit dem Firmen ihr Image aufpolieren? "Firmen wissen, dass sie eine bestimmte Klientel hinter sich haben, wenn sie sich jetzt als queerfreundlich geben. Das ist einfach Opportunismus", konstatiert Kabarettistin Lisa Eckhart. Die junge Grazerin tritt radikal sexy vor ihr Publikum und verrät, dass sie sich als Kind eine Zeit lang eher als Junge gefühlt hat. Ihr Vorbild: der faule Willy aus "Biene Maja". Danny hingegen hat sich schon immer als Mann gefühlt. Mit Einsetzen der Menstruation und seinem Brustwachstum konnte er nicht sofort handeln. Erst nach seiner Schulzeit hat er mit Testosteron begonnen. Offen und mit Humor berichtet er auf Social-Media-Plattformen über seinen Weg zum "richtigen" Mann. Doch was ist schon ein richtiger Mann? Die Frage beantwortet Journalist Malcolm Ohanwe, der sich mit Identität und Rassismus sowie toxischer Männlichkeit beschäftigt.

Im Anschluss, um 21.05 Uhr, folgt "Gabrielle – kopfüber in ein neues Leben". Mit Respekt und ohne Spur von Voyeurismus zeigt der Film, wie Gabrielle – früher Bruno, verheiratet und zwei Kinder – mit Alltagssituationen umgeht, wie sie sich an ihre veränderten Lebensumstände anpasst und wie die Gesellschaft mit ihr heute umgeht. Mit klaren Worten macht Gabrielle anderen verständlich, warum dieser Schritt für sie notwendig war. Der Film zeigt die folgenschwere Entscheidung einer Geschlechtsumwandlung – und das Leben danach.