"WissenHoch2" in 3sat über die Sicherheit unserer Stromnetze/Mit einer Wissenschaftsdoku und einer Ausgabe von "scobel"

Do, 24.03.2022, 11:28 Uhr
Das Umspannwerk Brauweiler / Copyright:	ZDF/Erik Sick

In diesem Jahr gehen die letzten Atomkraftwerke in Deutschland vom Netz, der Kohleausstieg bis 2038 ist beschlossene Sache. Wann die erste große Stromtrasse grünen Windstrom von der Küste im ganzen Land verteilen wird, ist noch unklar. Und der Krieg in der Ukraine verschärft die Situation. Die Dokumentation "Unter Hochspannung – Wie sicher sind unsere Stromnetze?" von Dietmar Klumpp fragt am Donnerstag, 31. März 2022, um 20.15 Uhr, ob die Energiewende für die neue Infrastruktur rechtzeitig kommt. Im Anschluss, um 21.00 Uhr, beschäftigt sich die Sendung "scobel" mit den "Grenzen der Nachhaltigkeit".

Unterbrechungsfreie Stromversorgung und Netzstabilität sind technisch sehr aufwendig. Atom- und Kohlestrom sorgen bisher für die Grundlast des Netzes, die immer verfügbar sein muss. Sie liegt derzeit in Deutschland zwischen 40 und 80 Gigawatt. In Zukunft sollen zu einem Großteil Windkraftanlagen in Küstennähe diese Grundlast übernehmen. Die Produktion ist die eine Sache, der Transport eine andere. Die Alternative zu überregionalen Stromtrassen ist es, regenerative Energie regional zu produzieren und zu verbrauchen. Doch im Süden stehen bisher keine großen Windparks zur Verfügung. Bei vielen Stadtwerken liegen zudem die Informationen über die vielfältigen neuen, auch privaten Stromquellen aus Wind-, Sonne-, Wasserkraft, Biomasse oder Erdwärme noch nicht in digitaler Form vor. Energiebedarf und -angebot lassen sich ohne sogenannte intelligente Aktoren von den Leitstellen nicht steuern. Sollte der Strom für die Grundlast, aber auch die Leistungsspitzen dauerhaft fehlen, droht ein Blackout. Und zwar nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Ohne umfassende Erneuerung der Stromnetze kann die Energiewende nicht gelingen. Autor Dietmar Klumpp besucht unter anderem den Stromfrequenzwächter in Braunweiler für das kontinentaleuropäische Verbundnetz mit seinen fast 500 Millionen Menschen und erklärt die technischen Grundlagen, die notwendig sind, damit überall jederzeit Strom verfügbar ist.

Im Anschluss, um 21.00 Uhr, folgt im Rahmen von "WissenHoch2" die Sendung "scobel – Die Grenzen der Nachhaltigkeit". Nachhaltigkeit ist ein globales Mammutprojekt, das in vielen Bereichen der Gesellschaft unverzichtbar geworden ist. Bei genauerem Hinsehen erweist sich Nachhaltigkeit häufig als ein Mittel des Marketings. Beispielsweise wird in verschiedenen Ökosystemen wie Forstwirtschaft oder Fischfang seit Jahrzehnten bereits das Prinzip der Nachhaltigkeit angestrebt. In begrenzten, kleinen Regionen gelingt die Umsetzung zuweilen auch. Doch je umfangreicher und globaler die Gebiete werden, desto größer werden auch die Probleme. Fanggebiete und Fangquoten sind ein ewiges Streitthema und gegen die Abholzung des Regenwaldes gibt es bislang keine erfolgreiche Strategie. Ein weiteres Beispiel sind die Transformationsprozesse der Digitalisierung und die massenhafte Verbreitung der Elektromobilität, die gigantische Stromkapazitäten erfordern. Welche Wege sind nötig, um in Zukunft ökologische und soziale Schäden zu begrenzen? Und wie kann es gelingen, dass in Demokratien Nachhaltigkeit auch nachhaltig gestaltet wird? Darüber diskutiert Gert Scobel mit seinen Gästen: Flurina Schneider, wissenschaftliche Geschäftsführerin des Instituts für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main, Klaus-Dieter Hupke, Professor für Geografie an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg mit den Schwerpunkten Naturschutz, Nachhaltigkeit und Bildung, sowie Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln.

"WissenHoch2" – ein Thema, zwei Formate: Um 20.15 Uhr beleuchtet eine Dokumentation relevante wissenschaftliche Fragen; um 21.00 Uhr diskutiert Gert Scobel das Thema mit seinen Gästen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen.

 

Hauptabteilung Kommunikation
Dokumentation und Reportage

Marion Leibrecht
leibrecht.mwhatever@zdf.de
Mainz, 24. März 2022