"WissenHoch2" in 3sat: Zwischen Sexismus und Emanzipation

Do, 25.02.2021, 10:28 Uhr
Aktivistin Sandra Norak weiß, wovon sie spricht: Sie arbeitete sechs Jahre lang als Prostituierte (aus "Prostitution – Kein Job wie jeder andere") © ZDF/Nathalie Suthor

Frauen und Männer sind gleichberechtigt – laut Grundgesetz. Doch die Realität sieht anders aus: Frauen erleben sexistische Gewalt, werden schlechter bezahlt und haben weniger Einfluss in Gesellschaft und Politik. Im Umfeld des Internationalen Frauentags am 8. März beschäftigt sich 3sat in "WissenHoch2" am Donnerstag, 4. März 2021, mit der Lebenswirklichkeit von Frauen. Den Auftakt macht um 20.15 Uhr die Dokumentation "Prostitution – Kein Job wie jeder andere" von Nathalie Suthor. Im Anschluss, um 21.00 Uhr, diskutiert Gert Scobel mit seinen Gästen in "scobel – Frauen ohne Macht" über Emanzipation, Antifeminismus und Wege aus der Ungleichbehandlung. Beide Sendungen sind ab Sendedatum fünf Jahre lang in der 3sat-Mediathek abrufbar.

In der Dokumentation "Prostitution – Kein Job wie jeder andere" beleuchtet Filmautorin Nathalie Suthor Prostitution: Weltweit bieten schätzungsweise 40 Millionen Menschen, meist Frauen, ihren Körper gegen Geld als Ware an. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass Prostituierte durch ihre Tätigkeit in hohem Maß Gefährdungen und Schädigungen an Leib und Seele ausgesetzt sind. Sehr liberale Gesetze haben Deutschland zum Puff Europas gemacht, hierzulande hält sich das Bild der selbstbestimmten, emanzipierten Prostituierten, die sexuelle Handlungen verkauft wie eine beliebige Dienstleistung. Man spricht von "Sexarbeiterin" und ignoriert die Auswirkungen auf einzelne Personen, aber auch auf die ganze Gesellschaft. In Schweden hingegen gilt Prostitution als ein Angriff auf die Menschenwürde. Mit dem Verbot des Sexkaufs im Jahr 1999 hat das skandinavische Land gute Erfahrungen gemacht und sieht die Rechte der Frauen gestärkt. Immer mehr Länder, wie etwa Frankreich, folgen Schweden in dieser Auffassung. Ist das Nordische Modell das richtige und der deutsche Weg gescheitert? Zu Wort kommen unter anderen die Traumatherapeutin Ingeborg Kraus, der Psychotherapeut Lutz Besser und die ehemalige Prostituierte und Aktivistin Sandra Norak.

Im Anschluss, um 21.00 Uhr, folgt die Livesendung "scobel – Frauen ohne Macht". Mit dem Aufkommen der #MeToo-Debatte 2017 machten Frauen überall auf der Welt Sexismus, sexualisierte Gewalt und Frauenfeindlichkeit öffentlich. Die Debatte betraf die Machtverhältnisse in den Medien, in Kultureinrichtungen und in der Politik. Parallel ließ sich ein neuer Antifeminismus beobachten: Der Kampf gegen den "Genderwahn" wird heute von ganz unterschiedlichen Kräften geführt. Vor allem Konservative und Rechte setzen der angestrebten Gleichberechtigung von Mann und Frau biologistische Theorien und die Rückkehr zu alten Rollenmustern entgegen. Und der Corona-Lockdown hat einmal mehr gezeigt, dass Frauen schneller in alte Rollenmuster zurückgedrängt werden, als ihnen lieb ist. Fakt ist: Frauen müssen für Gleichberechtigung noch immer kämpfen. Über Feminismus und Antifeminismus, über alte und neue Frauenbilder, über den Anstieg von Gewalt gegen Frauen und darüber, wie doch noch Gleichberechtigung erreicht werden kann diskutiert Gert Scobel mit der Soziologin und Haushaltsökonomin Uta Meier-Gräwe, der Vorsitzenden von UN Women Deutschland, Karin Nordmeyer, sowie der Unternehmerin und CEO von Global Digital Women, Tijen Onaran.

"WissenHoch2" – ein Thema, zwei Formate: Um 20.15 Uhr beleuchtet eine Dokumentation relevante wissenschaftliche Fragen, um 21.00 Uhr diskutiert Gert Scobel zum gleichen Thema mit einem interdisziplinären Team von Expertinnen und Experten.

ZDF
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3sat Presseteam

Marion Leibrecht
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Mainz, 25. Februar 2021