Wurden beide aus Deutschland nach Belgrad abgeschoben: Emrah und sein Zimmergenosse Rocki  (aus "Ab 18! - Emrah und das Glück" (14. November, 22.25 Uhr)(c) ZDF/Julia Schlingmann

10 Jahre "Ab 18!" - 10 Jahre Geschichten vom Erwachsenwerden

Redakteurin Katya Mader (Dokumentarfilm ZDF/3sat) über die Entstehungsgeschichte und den Reiz der Dokumentarfilmreihe

Dokumentarfilm
Artikel

2012 begann die damalige Filmredaktion 3sat aus den positiven Erfahrungen mit zwei unformatierten Dokumentarfilmreihen, die sich den Lebenswelten von Kindern bzw. Mädchenan der Schwelle zum Erwachsenwerden widmeten, eine neue Reihen-Idee zu entwickeln. Diese sollte zum einen Protagonist* innen in den Mittelpunkt stellen, die zu einer medial wenig repräsentierten Altersgruppe gehörten – nämlich
junge Erwachsene im ersten Jahrzehnt ihrer Volljährigkeit.

Zum anderen sollte sie einen Rahmen für „echte“ Autorendokumentarfilme mit größtmöglicher gestalterischer Freiheit schaffen, in der sich sowohl Nachwuchsregisseur*innen als auch arrivierte Autor*innen in der kurzen dokumentarischen Form ausprobieren können. 2013 gingen die ersten Produktionen auf Sendung, zunächst im ehemaligen Digitalkanal ZDFkultur, später dann im 3sat-Programm. Nach kontinuierlichen
zehn Jahren Produktionsarbeit blicken wir auf fast 60 kurze und mittellange Filme, deren Stablisten sich wie das Who-is-Who des deutschsprachigen Dokumentarfilms lesen.

Die Lebenswelten junger Erwachsener sind inzwischen im medialen Mainstream angekommen. Was die Reihe „Ab 18!“ aber bis heute besonders macht, ist die Art und Weise der filmischen Annäherung, die trotz der Flut an Abbildungen von Wirklichkeit, nicht zuletzt durch die sozialen Medien, nichts an ihrer Wirkkraft verloren zu haben scheint. Einen erheblichen Anteil daran mag die Zusammenarbeit und der Austausch mit den Jugend-Sektionen einiger Filmfestivals haben, die seit den ersten Staffeln ausgewählte Filme der Reihe mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen diskutieren und diesen Input an die Redaktion spiegeln – allen voran „doxs!“ der Duisburger Filmwoche und deren „Doku-Klasse“: In diesem Workshop-Programm, das die jährliche Ausschreibung der Reihe inzwischen im 9. Jahrgang begleitet, haben Filmemacher*innen noch vor Drehbeginn Gelegenheit, mit Jugendlichen in Dialog über ihr Filmprojekt zu treten.

Nach Präsentation der fertigen Filme kam in den letzten Jahren immer wieder die Frage auf, wie es wohl im Leben einiger Protagonist*innen weitergegangen ist. Das hat 3sat für die Jubiläumsstaffel zum Anlass genommen, neben den regulären sechs neuen Produktionen, zwei weitere Filme zu beauftragen, die Geschichten weitererzählen: „Hey Joe“ ist die Fortsetzung des Films „Joe Boots“ (2017), der den kriegsversehrten US-Soldaten Joe in seiner neuen Heimat Detroit besucht. „Emrah und das Glück“ ist ein Wiedersehen mit dem jungen Roma Emrah aus „Bella Palanka“ (2018), der sich seit seiner Abschiebung nach Serbien als Tagelöhner durchschlägt. Die vier Filme sind zusammen mit den anderen sechs neuen „Ab 18!“-Produktionen ab dem 13. November 2022 online first in der 3satMediathek zu sehen.

Hauptabteilung Kommunikation
Dokumentation und Reportage

Marion Leibrecht
leibrecht.mwhatever@zdf.de
Mainz, 18. Oktober 2022
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