Graffitis und Bilder werden zur Sprache der ägyptischen Revolution 2011. Die meisten wurden  mittlerweile übermalt. © ZDF/Torben Müller

3satKulturdoku: "Früchte des Zorns - Das kulturelle Erbe der Arabellion"

Das Filmteam spricht mit Künstlern und Kreativen in Ägypten, Tunesien und im Libanon

Seit zehn Jahren geht in Nordafrika und im Nahen Osten die Jugend für ihre Freiheit auf die Straße. Doch nicht mit Waffen und Gewalt, sondern mit Texten, Beats und Mikrofonen. Wer waren diese Rebellen, und wer sind sie heute? Was bleibt von ihrem kreativen Aufbegehren? Das fragt die 3satKulturdoku "Früchte des Zorns - Das kulturelle Erbe der Arabellion" von Nadja Frenz am Samstag, 14. November 2020, um 19.20 Uhr. Das Filmteam reist dafür nach Ägypten, Tunesien und in den Libanon und trifft Künstler und Kreative, die damals treibende Kräfte und Sprachrohre waren - und es bis heute sind. Erstausstrahlung.

Dokumentation
Sa 14. Nov
19:20 Uhr
Erstausstrahlung

Am 17. Dezember 2010 verbrannte sich der tunesische Straßenhändler Mohamed Bouazizi aus Verzweiflung über seine aussichtslosen Lebensbedingungen. Die darauffolgenden Proteste Hunderttausender Tunesier gegen das Regime führten zur Absetzung des Diktators Ben Ali. Eine wichtige Rolle zur Mobilisierung spielten die sozialen Medien. Lina Ben Mhenni (1983-2020) war eine der Ikonen der tunesischen Revolution. Ihr Blog "A Tunisian Girl" wurde unter Ben Ali verboten und zensiert. Das Filmteam traf die Bloggerin, um herauszufinden, wie es ihr in den zehn Jahren ergangen ist. Lina Ben Mhenni starb 2020 an den Folgen einer chronischen Nierenerkrankung.

Das Filmteam ist außerdem mit der Band Mashrou' Leila unterwegs. Die vier jungen Männer aus dem Libanon machten den Soundtrack der Revolution. In ihren Texten kritisieren sie Nationalismus, Korruption, Gewalt gegen Frauen und das Gesetz gegen "widernatürliche sexuelle Beziehungen". Sänger Hamed Sinno ist bekennend homosexuell – nach wie vor eine Seltenheit in arabischen Ländern. Auch für diese Haltung genießt Mashrou' Leila Kultstatus – und ist mittlerweile international erfolgreich. Dass die Musik in der Region heute wilder, ungeschönter, weniger kommerziell und mutiger ist, sind die Früchte der Revolution. Doch leben zwei der vier Bandmitglieder nicht mehr in ihrer Heimat. Zu viel ist passiert.

Dreh und Angelpunkt der Revolution in Ägypten war der Tahrir-Platz – der "Platz der Befreiung". Heute ist er eine Betonwüste. Nichts erinnert mehr an den Aufbruchsgeist von vor zehn Jahren. Noch immer lebt die Karikaturistin Doaa El-Adl in Kairo. Die 41-Jährige befasst sich in ihren Zeichnungen mit Themen, über die in der ägyptischen Gesellschaft wenig gesprochen wird: die Heirat Minderjähriger, Weltpolitik, Islamismus, die Rolle des Militärs. Ein gefährlicher Job in Ägypten, wo unabhängiger Journalismus, ob in Schrift oder Bild, kaum möglich ist. Die Autorin trifft die Künstlerin bei ihrer täglichen Arbeit und spricht mit ihr über ihren Umgang mit Zensur und Gefahr.

 

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Jessica Zobel
zobel.jwhatever@zdf.de
Mainz, 15. Oktober 2020
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