Mittlerweile ein altes Ehepaar: Performance-Künstlerin Annie Sprinkle und Kunst-Professorin Beth Stephens © ZDF/Elfi Mikesch

Neue Filme im DOKFILMHERBST

Mit "Anmaßung" von Stefan Kolbe und Chris Wright sowie "Genderation" von Monika Treut und mehr

Neue Filme im DOKFILMHERBST: Im Anschluss an die Dokumentarfilmtage LETsDOK (12. – 18. 9.) startet 3sat ab Montag, 19. September, in seinen Dokfilmherbst und präsentiert u.a. "Anmaßung" von Stefan Kolbe und Chris Wright sowie "Genderation" von Monika Treut in der 3satDokumentarfilmzeit, immer montags um 22.25 Uhr. Außerdem zeigt 3sat im Rahmen eines 3satThemas zur Pflege am Mittwoch, 28. September, um 20.15 Uhr den dänisch-deutschen Film "Mitgefühl – Pflege neu denken". Alle Filme und mehr sind im Umfeld der linearen Sendung für 7, 30 oder auch 90 Tage in der 3satMediathek zu sehen.

Dokumentarfilm
Mo 19. Sep
Erstausstrahlungen

3satDokumentarfilmzeit

Montag, 19. September 2022, 22.25 Uhr

Anmaßung

Dokumentarfilm (111 Min) · Deutschland 2019 · ZDF/3sat

Regie: Stefan Kolbe und Chris Wright

Erstausstrahlung

Der erste Eindruck hatte getrogen: Der höfliche, schüchterne Mann, den die beiden Filmemacher Stefan Kolbe und Chris Wright in der Justizvollzugsanstalt Brandenburg kennenlernten, war ein eiskalter Frauenmörder, so die Einschätzung des Justizbeamten. Doch Kolbe und Wright wollten mehr erfahren und begleiteten Stefan S. in den letzten vier Jahren seiner Haftzeit von 2015 bis 2019. Sie luden ihn zum Besuch nach Berlin während seiner ersten Freigänge ein und gingen beim Vietnamesen um die Ecke mit ihm essen. Sie versuchten Licht in seine Vergangenheit und in sein Dasein als Häftling zu bringen, der sämtliche Module der sozialtherapeutischen Abteilung der JVA Brandenburg absolvieren durfte, die zu den europaweit fortschrittlichsten Programmen in der Behandlung von Gewalt- und Sexualstraftätern zählen. Da sie aus Gründen des Personenschutzes sein Gesicht nicht zeigen dürfen, stellen sie eine Puppe auf die Bühne. Zwei Puppenspielerinnen erforschen nun mit ihnen das rätselhafte Wesen des Stefan S. Kennenlernen will keine von ihnen den Mann, der als Facharbeiter einst eine Arbeitskollegin zu Tode gewürgt hatte. Als Team setzen sie sich mit den Gerichtsakten auseinander, als Team erfahren sie die "Banalität des Bösen". "Alles, was wir hier tun, ist anmaßend", sind sie sich einig. Und dennoch gelingt ihnen ein ungewöhnlicher Einblick in die Seelenlandschaft eines Täters. 

Stefan Kolbe (Dokumentarfilmer und Kameramann) und Chris Wright (freier Dokumentarfilmer sowie Editor und Schnittberater für Dokumentar- und Spielfilme) studierten gemeinsam an der Hochschule für Film- und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam. Für 3sat realisierten sie zuletzt den Film „Mutterglück“ in der dokumentarischen Reihe „Ab18!“.

Der Film ist 24 Stunden vor und 90 Tage nach Ausstrahlung in der 3satMeditahek zu sehen.

 

3satDokumentarfilmzeit

Montag, 26. September 2022, 22.25 Uhr

Aware - Reise in das Bewusstsein

Dokumentarfilm (101 Min) · Deutschland 2020 · ZDF/3sat

Regie: Frauke Sandig und Eric Black

Erstausstrahlung

Mittlerweile verfolgen Hirnforscher*innen dieselben Spuren wie Mystiker*innen, Buddhist*innen und Psychedelika-Expert*innen. In "Aware - Reise in das Bewusstsein" von Frauke Sandig und Eric Black treten sechs Menschen in einen fiktiven Austausch: der Hirnforscher Christof Koch, der Mönch Matthieu Ricard, der Drogenforscher Roland Griffiths, die Biologin Monica Gagliano, der Philosoph Richard Boothby und die Maya-Heilerin Josefa Krivin Kulix. Alle sechs eint die leidenschaftliche Suche nach dem Kern des menschlichen Bewusstseins und seinen verschiedenen Formen und Ebenen in der Innen- und Außenwelt. Die einen sprechen von der totalen Reinheit, die anderen von der absoluten Vernetzung und so entwickelt sich der Film stufenweise von einem Wissenschaftsfilm zu einer visuellen Meditation. Die Zuschauer*innen werden eingeladen, in einen nahezu grenzenlosen Bewusstseinsozean einzutauchen, lang gehegte Überzeugungen zu überprüfen oder sich zumindest überraschen zu lassen.

Frauke Sandig und Eric Black arbeiten seit 20 Jahren als Autorenpaar zusammen. Mit ihrem mehrfach ausgezeichneten Film "Frozen Angels" (ZDF/Das kleine Fernsehspiel) von 2005 über Reagenzglas-Babys hatten sie es in die Vorauswahl des Oscar-Wettbewerbs geschafft. Mit ihrem letzten großen Dokumentarfilm, den sie 2011 für ZDF/3sat realisierten, "Herz des Himmels, Herz der Erde", waren sie auf Festivals von Leipzig bis Thessaloniki vertreten.

Der Film ist 24 Stunden vor und 30 Tage nach Ausstrahlung in der 3satMeditahek zu sehen.

 

3satThema

Mittwoch, 28. September 2022, 20.15 Uhr

Mitgefühl – Pflege neu denken

Dokumentarfilm (94 Min) · Dänemark/Deutschland 2021 · ZDF/3sat

Regie: Louise Detlefsen

Erstausstrahlung

Sekt und Kuchen statt Medikamente: In dem kleinen dänischen Pflegeheim „Dagmarsminde“ findet sich stets ein Grund zum Anstoßen. Das Konzept ist so einfach wie spektakulär. Die Krankenschwester und Gründerin May Bjerre Eiby nennt es "Umsorgung". „Dagmarsminde“ ist eher eine Wohngemeinschaft als ein Seniorenheim. Auch wenn die Bewohnerinnen und Bewohner am Frühstückstisch vergessen haben, wo sie sind und ob ihr Ehepartner noch bei ihnen ist, holt sie der liebevolle Umgang des Pflegeteams immer wieder ins Hier-und-Jetzt. In ihrem einfühlsamen Dokumentarfilm zeigt Regisseurin Louise Detlefsen ein revolutionäres, Mut machendes Langzeitpflegekonzept. Dabei stellt sie mit Humor und Zärtlichkeit aktuelle Fragen nach der Art, wie wir leben, altern und sterben wollen. Ein Plädoyer für ein würdevolles und glückliches Lebensende.

Louise Detlefsen arbeitet seit 2000 als Dokumentarfilmregisseurin. Ihr Debütfilm "From Barbie to Babe" über eine erste Liebe, die sich über SMS-Nachrichten manifestiert, wurde auf dem International Documentary Film Festival Amsterdam uraufgeführt, und auch ihr Dokumentarfilm "Fat Front" feierte 2019 dort seine internationale Premiere. Er begleitet vier junge Frauen, die als Body-Positivity-Aktivistinnen für mehr Akzeptanz und Diversität kämpfen.

Der Film ist 7 Tage vor und 83 Tage nach Ausstrahlung in der 3satMeditahek zu sehen.

3sat zeigt den Dokumentarfilm "Mitgefühl - Pflege neu denken", der mit dem Prädikat "Besonders wertvoll" ausgezeichnet wurde, im Rahmen eines 3satThemas am Mittwoch, 28. September, ab 20.15 Uhr. Im Anschluss um 21.50 Uhr folgt eine Dokumentation zur Pflegesituation in den 3sat-Ländern.

 

3satDokumentarfilmzeit

Montag, 10. Oktober 2022, 22.25 Uhr

Genderation

Dokumentarfilm (87 Min) · Deutschland 2020 · ZDF/3sat

Regie: Monika Treut  

Erstausstrahlung

Ein persönlicher Rückblick der Grande Dame des deutschen Queer-Cinema: Filmemacherin Monika Treut reist zu den Protagonist*innen ihres Films "Gendernauts" von 1999 nach Kalifornien, das heute noch für Queerness und Non-Konformismus steht, aber inzwischen vom Silicon-Valley-Reichtum der Bay Area dominiert wird. Von den Gender-Aktivist*innen und Transpersonen können sich heute nur noch die Performance-Künstlerin Annie Sprinkle und ihre Frau, Kunstprofessorin Beth Stephens, sowie die Autorin, Historikerin und Transfrau Susan Stryker ein Leben in San Francisco überhaupt leisten. Transmann Stafford hat sein Szene-Leben hinter sich gelassen und ist als Transportunternehmer gut im Geschäft. Dennoch plant er einen Umzug in die Wüste, wo die Quadratmeterpreise noch erschwinglich sind. Auch Poet Max Wolf Valerio musste die Stadt verlassen und lebt bei seinen Eltern in den Suburbs. Er ist stolz darauf, dass sein erstes Buch über Geschlechteridentität immer noch in einer kleinen Buchhandlung in San Francisco verkauft wird. Und Sandy Stone, einst Ton-Ingenieur für Jimi Hendrix und heute eine renommierte Medien- und Gendertheoretikerin, stellt Monika Treut ihre "Nuclear Family" vor, die mit mehreren Samenspender-Daddys mehr ist als nur einfaches Patchwork, eine echte kalifornische "Genderation".

Monika Treut ist Filmregisseurin, Filmproduzentin sowie Autorin und gilt als Pionierin des New Queer Cinema. 2017 wurde sie mit dem Teddy Award für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Zuletzt realisierte sie "Zona Norte" (2016), "Von Mädchen und Pferden" (2014), "Das Rohe und das Gekochte" (2012) und "Ghosted" (2009).

Der Film ist 24 Stunden vor und 30 Tage nach Ausstrahlung in der 3satMeditahek zu sehen.

 

3satDokumentarfilmzeit

Montag, 17. Oktober 2022, 22.25 Uhr

Endlich Tacheles

Dokumentarfilm (105 Min) · Deutschland 2019 · ZDF/3sat

Regie: Jana Matthes und Andrea Schramm

Erstausstrahlung

Was hat der Holocaust heute noch mit mir zu tun? Der Dokumentarfilm "Endlich Tacheles" stellt diese Frage aus der Sicht eines 21-Jährigen und zeigt, wie sich das Trauma der Überlebenden fortschreibt. Yaar ist ein junger jüdischer Berliner, der davon träumt, Game Designer zu werden und der sich selbst für "den unjüdischsten Juden der Welt" hält. Seinem Vater Ilei wirft er vor, am Holocaust zu leiden, den er nicht einmal selbst erlebt hat. Yaars Vater war immer sein großes Vorbild. Doch je älter Yaar wurde, umso so mehr wurde ihm bewusst, dass sein Vater leidet. Warum, das verstand er nicht, nur dass es mit der Familiengeschichte zu tun hat. Yaar will sich abgrenzen und lehnt alles Jüdische ab: "Was ich mit dem Judentum verbinde? Eigentlich nur Leid und Tod, das ist es, was ich damit verbinde. Ich bin ein neues Kind in dieser Welt. Warum soll ich unter Sachen leiden, die meine Großeltern oder meine Eltern durchgemacht haben? Das ist unfair." Aus Rebellion will Yaar ein Computerspiel entwickeln: „Shoah. Als Gott schlief.“ In dem von ihm kreierten Deutschland um 1940 sollen sich Juden wehren und Nazis menschlich handeln können. Yaars Vater ist schockiert. "Endlich Tacheles" lief erfolgreich auf zahlreichen Filmfestivals und in den Kinos.

Die Filmemacherinnen Jana Matthes und Andrea Schramm haben Fernsehjournalistik in Leipzig und Dokumentarfilmregie in Potsdam-Babelsberg studiert. Ihre Dokumentarfilme wurden auf internationalen Festivals gezeigt und gewannen diverse Preise, u.a. den Deutschen Fernsehpreis, den Deutschen Sozialpreis und den Discovery Channel Award.

Der Film ist 24 Stunden vor und 90 Tage nach Ausstrahlung in der 3satMeditahek zu sehen.

 

3satDokumentarfilmzeit

Montag, 24. Oktober 2022, 22.25 Uhr

American Wall

Dokumentarfilm (88 Min) · Österreich 2022 · ORF/3sat

Regie: Thomas Zeller und Christine Lechner

Erstausstrahlung

Die filmische Reise von Thomas Zeller und Christine Lechner führt entlang der Grenze zwischen den USA und ihrem südlichen Nachbarn Mexiko. Auf US-amerikanischer Seite der Grenzlinie folgend, begegnet sie Menschen, die von Abschiebung bedroht sind oder für humanitäre Organisationen Flüchtlingshilfe anbieten und den Bau weiterer Grenzbefestigungen ablehnen. Gleichzeitig sind Bürgerwehren unterwegs, die sich dem Kampf gegen den Drogenhandel verschrieben haben und sich nach einer völlig undurchlässigen Grenze sehnen. Aber auch Unternehmer und Rancher sind im täglichen Alltag mit den Vorgängen an der Grenze konfrontiert. In diesem Spannungsfeld führt der Film von wenig geschützten Gebieten in Hochsicherheitszonen, von unwirtlichen Wüstenstreifen in (sub-)urbane Zentren.

Thomas Zeller ist Regisseur, Kameramann, Cutter und Produzent von Kurzfilmen, TV- und Kinodokumentarfilmen. 2000 gründete er die Produktionsfirma Filmgut Thomas Zeller. Zeller lebt und arbeitet in Wien und Niederösterreich. Filmemacherin Christine Lechner realisierte zusammen mit Thomas Zeller neben "American Wall" den Dokumentarfilm "American Dream Stories".

 

Fotos zum Dokfilmherbst 2022 in 3sat finden Sie hier.

Hauptabteilung Kommunikation
Dokumentation und Reportage

Claudia Hustedt
hustedt.cwhatever@zdf.de
Mainz, 14. Juni 2022
Der Dokfilmherbst in 3sat