Das russische Plus-Size-Model Ksenia Usolkina (c) ZDF/SRF

Grenzerfahrung Russland – Drei Frauen in Putins Reich

Film von Beat Häner

Was bedeutet Putins Krieg in der Ukraine für die russische Bevölkerung? Was bedeutet er für die russischen Frauen, die in der patriarchalen Gesellschaft die meisten Lasten tragen? Die Mehrheit, auch der Frauen, scheint hinter dem Präsidenten und seinem Krieg in der Ukraine zu stehen. Aber ist das wirklich so? In der Dokumentation "Grenzerfahrung Russland - Frauen in Putins Reich", zu sehen am Mittwoch, 21. September 2022, 21.05 Uhr in 3sat, porträtiert der ehemalige Russland-Korrespondent des SRF, Christof Franzen, eine Bloggerin, eine Juristin und eine Leiterin einer Modelschule und einer Modelagentur. Drei mutige Frauen, die sich für eine offene, freie Gesellschaft einsetzen, jede auf ihre Art. Erstausstrahlung.

Dokumentation
Mi 21. Sep
21:05 Uhr
Erstausstrahlung

Im Januar 2022 begegnete das Filmteam um Christof Franzen den drei Frauen zum ersten Mal. Es wollte Frauen porträtieren, die versuchen, das Land zu demokratisieren und zu öffnen, die den Austausch mit Europa pflegen. Es sollte ein hoffnungsvoller Film werden. Doch niemand hatte mit Putins Invasion in die gesamte Ukraine gerechnet. Alle waren zuerst einmal nur konsterniert. Seither begleitet das Filmteam die drei Frauen durch das Jahr und dokumentiert, wie der Krieg in der Ukraine und die laufenden Ereignisse in Russland auch ihr Leben stark beeinflussen. 

Die fundamentalen Elemente einer zivilisierten Gesellschaft sind in Russland seit Putins Amtsantritt im Jahr 2000 immer weiter beschnitten worden - mit dem 24. Februar ist aus der "gelenkten Demokratie" eine Diktatur geworden. Alle drei Frauen sind Patriotinnen. Alle drei haben Angst. Und alle drei handeln jetzt ganz unterschiedlich: Die eine traut sich nichts Politisches mehr zu sagen. Die andere stand vor der Wahl: künftig den Mund halten oder weitermachen und auswandern – sie hat sich für letzteres entschieden. Die dritte hält die Stellung in der Hauptstadt und macht unter eingeschränkten Möglichkeiten weiter, solange es geht.

Wie sehen die drei ihre eigene Zukunft und die ihres Landes? Was macht ihnen noch Hoffnung? Sie sehen harte Zeiten auf die russische Bevölkerung zukommen. Stellvertretend sagt die Anwältin Mari Davtyan: "Wir wollen auf das Beste hoffen, haben aber keine objektiven Gründe dafür. Es droht ab Herbst eine ernste wirtschaftliche Krise, eine Verarmung der Bevölkerung, erhöhte Kriminalität und eine Krise härter als in den 1990er Jahren."

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Hauptabteilung Kommunikation
Dokumentation und Reportage

Marion Leibrecht
leibrecht.mwhatever@zdf.de
Mainz, 03. August 2022
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