Künstlerin Katharina Grosse mit Kurator Klaus Biesenbach vor ihrer Installation "Rockaway!" im Jahr 2016. (c) ZDF und Claudia Müller

Katharina Grosse: "Ein Bild darf nichts Ruhiges, Kontemplatives für sich (...) sein."

Zitate aus dem Film "Think Big! Die Künstlerin Katharina Grosse"

Hier finden Sie Zitate aus dem Film "Think Big! – Die Künstlerin Katharina Grosse" (Erstausstrahlung am Samstag, 19. Dezember 2020, 22.15 Uhr) von Claudia Müller. Sie hat die Künstlerin, die - bewaffnet mit Spraypistole und kräftigen Farben - Innen- und Außenräume in begehbare Farblandschaften verwandelt und die Betrachterinnen und Betrachter auffordert, ihre Seh- und Denkgewohnheiten zu revidieren, sechs Jahre bei der Erschaffung ihrer Bildwelten begleitet.

Kunst
Interview

 … über ihre Definition von Bildern:

"Ich würde sagen, alles sind Bilder. Wir sind umgeben von Tausenden von Bildern, und das Gemalte ist eine Form davon. Das kann überall sein. Ich finde gerade, dass Malerei unheimlich unabhängig vom Ort ist."

 

… über ihre Herangehensweise:

"Ich war immer am Überlegen: Wie kann es (das Bild, Anm. d. Red.) diese Vehemenz oder diese Rohheit bekommen, von der ich immer träumte. Ich dachte, ein Bild muss einem entgegenstehen. Das muss wirklich wie ins Gesicht ragen. Das darf nicht irgendetwas Ruhiges, Kontemplatives für sich in einem speziellen Raum sein. Es muss einem auch irgendwie auf den Wecker gehen. Es muss auch eine Waffe sein, wie auch eine gewisse Form von Nervigkeit davon ausgehen. Aber ich wollte diese Nervigkeit nicht durch Ironie erzeugen oder durch comichaftes Besserwissen oder durch lustige Geschichten erzählen. Durch eine physische Präsenz wollte ich diese Nervigkeit erzeugen."

 

… über Räume für ihre Kunst:

"Für mich ist das Bild latent überall, das gemalte Bild – das braucht dann nur sowas wie ein Ereignis oder einen Platz, auf dem es sich niederschlägt. Und das ist nicht so, dass das aus der Leinwand heraus, als einziges Bild, als einzige Bildautorität herauswächst, sondern es ist genau umgekehrt: Das gemalte Bild ist überall. Und kann dann mal da landen, oder da, oder da, auf dem Gummistiefel oder in der Ecke oder auf einem Stück Holz."

 

… über ihr Werkzeug, die Spraypistole:

"Durch das Sprayen konnte ich ganz, ganz viele Dinge tun. Ich konnte Stellen erreichen, zu denen ich körperlich nicht gut gelangen konnte. Ich konnte meinen Körper ausdehnen wie durch eine Leiter, durch eine Hebebühne. Außerdem ist das Sprayen auch etwas fast Industrielles, ist wie ein Druckvorgang. Es gibt plötzlich eine andere Form, in die Bildfläche einzuwirken. Und es ist natürlich auch eine Waffe. Es ist ein Schießen, ein Zielen auf etwas, ein etwas in den Fokus nehmen bei der Pistole."

 

… über ihre Anfänge:

"Aufgrund eines kleinen Aquarells, was meine Mutter bei mir auf dem Schreibtisch sah, hat sie gesagt: 'Mach doch mal, komm doch mal mit zum Malen nach draußen. Das ist vielleicht etwas für dich.' Als ich dann dieses Draußenmalen in der Landschaft machte, war das für mich ein großes Erlebnis. Das hat vielleicht auch sehr stark mein Raumempfinden geprägt: Diese Sicht in alle Richtungen, in die 360 Grad, das weit gucken. Das ganz hinten etwas entdecken, was hier vorne im Bild zum Beispiel eine Rolle spielen kann."

 

… über das Faszinierende an der Malerei:

"Was ich auf jeden Fall total besonders finde beim Malen ist die Tatsache, dass eben alles auf der Fläche übereinandergestapelt ist und nachher alles gleichzeitig zu sehen ist, sodass du später so eine Art Zeit-Cluster siehst. Du siehst die ersten Dinge, die du auf der Fläche gemacht hast und die, die du zum Schluss gemacht hast, gleichzeitig. Es gibt kein Nacheinander, und das ist so besonders. Während wenn du sprichst, liest oder Musik hörst, gibt es das nacheinander."

 

Hauptabteilung Kommunikation
Dokumentation und Reportage

Marion Leibrecht
leibrecht.mwhatever@zdf.de
Mainz, 13. Oktober 2020
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