Raus aus der Schule und rein in große ‎Bauprojekte wie die Albertbrücke in Dresden. Für ‎Robby und Max bietet die Ausbildung zum ‎Spezialgerüstbauer internationale Karrieremöglichkeiten / Copyright: ZDF/Anja Marx

MAKRO: Handwerker – verzweifelt gesucht

Film von Oliver Koytek und Christine Grünefeld

Rund 250.000 Handwerker fehlen aktuell laut Zentralverband des Deutschen Handwerks. Ein akutes Problem für viele Privathaushalte und auch für die großen Zukunftsprojekte in unserem Land. Und damit für die ganze Gesellschaft. Ob Energiewende, Wohnungsbau oder nur die Reparatur der kaputten Waschmaschine - nichts klappt ohne gut ausgebildete Fachkräfte. Die Handwerksbetriebe finden aber kaum noch Nachwuchs. "MAKRO" zeigt am Dienstag, 27. September 2022, 22.25 Uhr, warum das so ist und was man degegen tun kann. Erstausstrahlung. 

Wissen
Di 27. Sep
22:25 Uhr
Erstausstrahlung

Lena und Daniel P. erfüllen sich den Wunsch ihres Traumhauses an der Ostseeküste. Doch das Bauprojekt läuft alles andere als traumhaft. Der Fensterbauer lässt Monate auf sich warten, die regenerative Heizung wird erst in einem Jahr eingebaut, und selbst an einen Beratungstermin für den Einbau einer Photovoltaikanlage ist gar nicht zu denken. Die meisten Betriebe winken ab: zu viel zu tun, keine Leute, frühestens nächstes Jahr.

Mit Personalmangel hatten auch Walter Stubert und Dirk Eckardt zu kämpfen. Dann kam den Geschäftsführern eines sächsischen Spezialgerüstbau-Unternehmens die Idee: Dort hingehen, wo sich die Nachwuchs-Fachkräfte aufhalten – auf Social-Media-Plattformen. Um die Gerüstbauer von morgen für das Handwerk zu begeistern, sind Stubert und Eckardt heute auf mehr Social-Media-Kanälen unterwegs, als die meisten Erwachsenen überhaupt aufzählen können. Etwa sechs Prozent ihres Jahresumsatzes investieren sie in Werbung und Content auf Instagram, TikTok, YouTube & Co. Und das zeigt Wirkung: Von rund 50 Mitarbeitenden sind elf Auszubildende.

Zu schlecht bezahlt, schmutzig, doofe Arbeitszeiten – das ist die Meinung junger Menschen zu handwerklichen Berufen. Und gerade in puncto Arbeitszeiten und Bezahlung haben sie nicht ganz Unrecht: Bürojobs beziehungsweise akademische Ausbildungen haben anscheinend deutlich bessere Konditionen zu bieten. Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit belegen, dass 2020 nur halb so viele Menschen eine Gesellenprüfung in Handwerksberufen abgeschlossen haben wie noch vor 20 Jahren. So hat sich innerhalb einer Generation ein Mangel entwickelt, der aktuell viele Bauherren und Unternehmer schier verzweifeln lässt.

Auch der 19-jährige Elias hatte eigentlich nicht vor, Handwerker zu werden. Bis er bei TikTok zufällig über ein witziges Video stolperte, das für eine Ausbildung als Anlagenmechaniker warb. "Azubi-Click" heißt die Initiative, die mit Zielgruppen-gerechten Videos über Ausbildungen im Handwerk informiert. Heute steht Elias kurz vor seiner Gesellenprüfung und ist selbst Teil des Video-Teams von "Azubi-Click". "Handwerk an sich ist schon cool", so die einhellige Meinung der TikToker. "Aber auch wir wünschen uns Anerkennung in Form von vernünftiger Bezahlung und flexiblen Arbeitszeitmodellen. Dann läufts."

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Hauptabteilung Kommunikation
Dokumentation und Reportage

Marion Leibrecht
leibrecht.mwhatever@zdf.de
Mainz, 15. August 2022
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