James Baldwin © ZDF und SRF/Dan Budnik

3satDokumentarfilmzeit im Juli mit "James Baldwin: I Am Not Your Negro"

Montag, 4. Juli 2022, 22.25 Uhr

"James Baldwin: I Am Not Your Negro"

Dokumentarfilm, Frankreich /USA 2015

Regie: Raoul Peck

Als der US-Schriftsteller James Baldwin im Dezember 1987 starb, hinterließ er ein 30-seitiges Manuskript mit dem Titel "Remember This House". Es sollte eine persönliche Auseinandersetzung mit den Biografien dreier enger Freunde werden, die alle ermordet wurden: Martin Luther King, Malcolm X und Medgar Evers. Die persönlichen Erinnerungen an die drei großen Bürgerrechtler verknüpft Baldwin mit einer Reflektion der eigenen, schmerzhaften Lebenserfahrung als Afroamerikaner in den USA. Regisseur Raoul Peck schreibt in seinem mit dem französischen Filmpreis César prämierten Film "James Baldwin: I Am Not Your Negro" Baldwins furioses Fragment im Geiste des Autors filmisch fort und erzählt die jüngere US-Geschichte einer bis heute unterdrückten Perspektive neu. In einer Collage von Baldwins Texten – gelesen von Samuel L. Jackson – mit Archivfotos und Filmausschnitten, die noch von Rassentrennung und einer beinah vollkommenen Unsichtbarkeit der Schwarzen in Hollywood geprägt sind, erzählt er von der Formierung der schwarzen Bürgerrechtsbewegungen und Baldwins kompliziertem Verhältnis zum Black-Power-Movement. In einer kühnen Erweiterung des literarischen Texts spannt der Film den Bogen bis in die Jetztzeit: zur immer noch gegenwärtigen weißen Polizeigewalt gegen Schwarze, zu den Krawallen in Ferguson und Dallas und zur "Black Lives Matter"-Bewegung.

Der Film steht 30 Tage nach Ausstrahlung in der 3sat-Mediathek zur Verfügung.

3satDokumentarfilmzeit
ab
Mo 04. Jul
22:25 Uhr

Montag, 11. Juli 2022, 22.25 Uhr

"But Beautiful"

Dokumentarfilm, Österreich/Deutschland 2019

Regie: Erwin Wagenhofer

Wie könnte ein gutes, ein gelungenes Leben aussehen? Ist ein "anderes" Leben überhaupt möglich? Entstanden ist ein Film über Perspektiven ohne Angst, über Verbundenheit in Musik, Natur und Gesellschaft, über Menschen mit unterschiedlichen Ideen aber einem großen gemeinsamen Ziel: eine zukunftsfähige Welt. Frauen ohne Schulbildung, die Solaranlagen für Dörfer auf der ganzen Welt bauen. Permakultur-Visionäre auf La Palma, die Ödland in neues Grün verwandeln. Ein Förster, der die gesündesten Häuser der Welt entwickelt. Ein geistliches Oberhaupt mit Schalk und essentiellen Botschaften und seine tibetische Schwester mit großem Herz für die Jugend. Ein junges Jazztrio, ein etablierter Pianist, eine beseelte kolumbianische Sängerin, die uns den Klang der Schönheit vermitteln. "But Beautiful" verbindet sie alle.

 

Montag, 18. Juli 2022, 22.25 Uhr

"Die Geheimnisse des schönen Leo"

Dokumentarfilm, Deutschland 2018

Regie: Benedikt Schwarzer

Der schöne Schein von Leos Bilderbuchkarriere und Vorzeigefamilie trog. Seine Ehe war zerrüttet, er hatte sich in dubiose Geschäfte verwickelt und war Informant der Stasi. Zahlreiche Indizien deuten - inzwischen - darauf hin, dass Leo Wagner jener entscheidende Verräter war, der 1972 das Misstrauensvotum der CDU/CSU gegen Bundeskanzler Willy Brandt scheitern ließ - für Geld, das sein Lebenswandel verschlang. Bis heute wirft sein Leben einen Schatten über die Familie. Es dauerte lange, bis seine Tochter über die Vergangenheit sprechen konnte. Ihrem Sohn, der seinen Großvater nie wirklich kennenlernen konnte, gibt sie einen schonungslos ehrlichen Einblick. Benedikt Schwarzers Recherchen über Leo Wagner eröffnen einen ungeschönten Blick auf die Widersprüche seiner Generation und die Abgründe der Bonner Republik.

 

Montag, 25. Juli 2022, 22.25 Uhr

"Unrecht und Widerstand - Romani Rose und die Bürgerrechtsbewegung"

Dokumentarfilm von Peter Nestler, Deutschland 2021

Erstausstrahlung

Über acht Jahrzehnte haben deutsche Sinti und Roma Unrecht erfahren. Der Dokumentarfilm "Unrecht und Widerstand - Romani Rose und die Bürgerrechtsbewegung" erzählt von Romani Roses Familie, ihrem Widerstand und ihrem Beharren auf Gerechtigkeit. Es ist die leidvolle Geschichte einer Minderheit zwischen Trauma und Selbstbehauptung, die die gesamte Nachkriegszeit hindurch bis in die Gegenwart hinein Gewalt und behördliche Schikanen erlitt und nur dank der Bürgerrechtsbewegung Anerkennung erfuhr. 13 nahe Verwandte der Roses wurden in den Lagern der Nazis umgebracht. Romani Roses Vater Oskar war damals untergetaucht und wurde von der Gestapo gesucht. Von seinem mutigen Handeln berichtet der Film ebenso wie von seinem vergeblichen Versuch, im April 1943 beim Münchner Kardinal Michael von Faulhaber um Schutz für die Verfolgten zu bitten, sowie von der riskanten Befreiung seines Bruders aus dem KZ Neckarelz. Für Roma und Sinti, die den Völkermord überlebt hatten, waren Ausgrenzung, Armut und behördliche Schikanen Alltag. Der Porajmos, der Genozid an der Minderheit, wurde erst 1982 offiziell anerkannt. Peter Nestler beschreibt in seinem neuen Dokumentarfilm den langen Weg aus der Rechtlosigkeit und Diskriminierung in die Bürgerrechtsbewegung. Deren unermüdliches Engagement zeugt von Zivilcourage und Bürgersinn, vom entschiedenen Eintreten für das Miteinander diverser Kulturen und von zukunftsweisendem Demokratieverständnis. Der Film arbeitet mit vielfältigem Archivmaterial sowie Kommentaren und wird zusammengehalten von dem Gespräch mit Romani Rose über seine Familiengeschichte und seine Erfahrungen als Bürgerrechtler.

 

3sat zeigt "Unrecht und Widerstand - Romani Rose und die Bürgerrechtsbewegung" anlässlich des "Europäischen Holocaust-Gedenktags für Sinti und Roma" am 2. August 2022. Im Anschluss um 0.25 Uhr folgt "Der offene Blick - Künstlerinnen und Künstler der Sinti und Roma". Mehr zum Programm finden Sie im 3sat-Pressetreff hier.

 

Montag, 25. Juli 2022, 0.25 Uhr

"Der offene Blick - Künstlerinnen und Künstler der Sinti und Roma"

Dokumentarfilm von Peter Nestler, Deutschland 2021

Erstausstrahlung

"Der offene Blick - Künstlerinnen und Künstler der Sinti und Roma" stellt Künstler*innen der Sinti und Roma vor, die in ihren Werken das Trauma der Verfolgung und ganz persönliche Erfahrungen gestalten. Sie bedienen sich verschiedenster Ausdrucksformen und Mittel, doch allen gemeinsam ist der offene Blick. Diesen erfahrbar zu machen, gelingt Peter Nestler, indem er ihnen ohne kulturelle Festschreibungen und auf Augenhöhe begegnet. Gitta Martl und ihre Tochter Nicole Sevik lesen kurze Texte. Sie gedenken darin der Sinti und Roma im oberösterreichischen "Zigeuneranhaltelager" Weyer. Ceija Stojka (1933-2013) war eine österreichische Schriftstellerin, Malerin, Sängerin, Aktivistin und Überlebende der nationalsozialistischen Konzentrationslager Auschwitz, Ravensbrück und Bergen-Belsen. Ihre Bilder werden weltweit in Museen und Galerien ausgestellt. Ceija Stojka schuf eigene Ausdrucksformen, formte Erinnerung und Traumata zu einem malerischen Oratorium gegen das Vergessen. Filmemacherin Karin Berger begleitete das Schaffen Stojkas als Freundin und Mentorin während zweieinhalb Jahrzehnten. Sie erinnert an die außergewöhnliche Frau. Schriftsteller und Roma-Aktivist Samuel Mágó, der sich in seinen Texten mit Identität und Vorurteilen auseinandersetzt, sagt: "Für meine Generation ist Ceija Stojka ein wahnsinnig großes Vorbild." In diesem Kontext steht ein Exkurs der Filmwissenschaftlerin Radmila Mladenova zu antiziganistischen Klischees in der Filmgeschichte seit D. W. Griffith, denen Fotografien entgegengestellt werden, die durch einen "egalitären Blick" in der Darstellung von Sinti und Roma gekennzeichnet sind. Die Künstlerin Lita Cabellut verbrachte ihre Kindheit in prekären Verhältnissen im spanischen Aragon. Als Zwölfjährige wurde sie von einer katalanischen Adelsfamilie adoptiert, übersiedelte 1980 in die Niederlande, studierte an der Gerrit Rietveld Academy in Amsterdam und lebt seither in Den Haag. Als Malerin bedient sie sich einer neuzeitlichen Fresko-Technik, kreiert Opern-‎Ausstattungen und Kostüme.‎ In den letzten Jahren hat sich für Künstler*innen einiges zum Positiven gewendet. So bietet beispielsweise die Galerie und Stiftung Kai Dikhas unter Leitung von Moritz Pankok mit mehr als hundert Ausstellungen ein kontinuierliches Forum. Teile der Sammlung sind auf der diesjährigen "documenta fifteen" zu sehen. Jovan Nicolić erzählt in poetischen Kurzgeschichten von seiner Kindheit in einer jugoslawischen Musikerfamilie. "Die Träne" ist eine tragikomische Miniatur über die Trauerfeier für seinen toten Vater, dem man ein letztes Mal das Saxofon an die Lippen legt. Eingerahmt wird der Film durch Ausschnitte eines Konzerts der "Roma und Sinti Philharmoniker". Unter der Leitung von Riccardo M Sahiti konzertierte das Orchester mit der Performerin Iva Bittová, dem Cymbalisten László Rácz und dem Violinen-Virtuosen Roby Lakatos im November 2021 beim "Morgenland Festival Osnabrück".

 

Fotos zu Filmen der 3satDokumentarfilmzeit finden Sie hier.

Hauptabteilung Kommunikation
Dokumentation und Reportage

Claudia Hustedt
hustedt.cwhatever@zdf.de
Mainz, 13. Mai 2022
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