Protest in Budapest © ZDF/Karsten Gravert

3satKulturdoku: "Gegenwind für Viktor Orbán"

Kulturkampf in Ungarn

Am 3. April finden in Ungarn Parlamentswahlen statt. Medien und Kultureinrichtungen hat Viktor Orbán scheinbar längst auf Linie gebracht. Doch jetzt regt sich Widerstand. Die 3satKulturdoku "Gegenwind für Viktor Orbán" von Karsten Gravert am Samstag, 26. Februar 2022, 19.20 Uhr, zeigt die Lage in Ungarn kurz vor den Wahlen. Erstausstrahlung.

Dokumentation
Sa 26. Feb
19:20 Uhr
Erstausstrahlung

20 Prozent der Presse in Ungarn ist es gelungen, unabhängig zu bleiben. Auch die Kunst- und Kulturszene macht ohne staatliche Förderung auf eigene Faust weiter. Und die Opposition im Parlament hat sich erstmals auf einen gemeinsamen Gegenkandidaten geeinigt.

Seit zwölf Jahren regiert Viktor Orbán bisher nahezu unangefochten. Sein Demokratie-Abbau ist weit vorangeschritten: Im Pressefreiheit-Ranking ist Ungarn unter seiner Führung um fast 70 Plätze auf Platz 92 der Welt abgestürzt. Die renommierte Central European University hat er gezielt aus dem Land geekelt. Theater-Intendanzen wurden mit Getreuen besetzt und die Theater- und Filmuniversität SZFE ebenfalls auf Regierungslinie gebracht - weshalb alle bedeutenden Künstlerinnen und Künstler dort ihren Hut nahmen. "Beim EU-Beitritt Ungarns 2004 hätte ich nicht gedacht, dass ich jemals wieder in einer Autokratie leben müsste", sagt der renommierte Theaterregisseur László Bagossy, Lehrer an dem alternativen Theaterinstitut FreeSZFE.

Doch jetzt bekommt Viktor Orbán ernsthafte Konkurrenz: Die notorisch zerstrittene Opposition, von den Ex-Kommunisten bis zu den ehemaligen Rechtsextremisten der Jobbik-Partei, haben einen gemeinsamen Kandidaten gewählt: Péter Márki-Zay, konservativer Vater von sieben Kindern, Bürgermeister der Provinzstadt Hódmezővásárhely. Er soll Ungarn wieder auf den demokratischen Pfad führen und mit der EU versöhnen.

Nicht ohne Grund setzt Orbán zeitgleich zu den Parlamentswahlen nun unter anderem ein Referendum an zu einem Gesetz, das längst verabschiedet war, jedoch populistisches Potenzial hat und einen weiteren Eingriff ins Kulturleben bedeutet: Das neue LGBTQ-Gesetz verbietet die Darstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften in Büchern und Filmen und nennt sie in einem Atemzug mit Kindesmissbrauch. Die EU ist empört.

Hauptabteilung Kommunikation
Dokumentation und Reportage

Marion Leibrecht
leibrecht.mwhatever@zdf.de
Mainz, 28. Dezember 2021
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