Selma Selman gehört zu einer neuen Generation bosnischer Kulturschaffender, die andere Themen als den Krieg haben. © ZDF/Torben Müller

3satKulturdoku "Jugo Kultura - 30 Jahre nach dem Zerfall Jugoslawiens"

Als das sozialistische Jugoslawien 1991 zerbrach, wurden Freunde und Nachbarn über Nacht zu Feinden. Nach Kriegsende haben die neu entstandenen Länder mit Problemen wie Nationalismus, maroder Wirtschaft und Korruption zu kämpfen. Ex-Jugoslawiens Kunstschaffende leisteten seit Kriegsbeginn kulturellen Widerstand und setzen sich noch heute dafür ein, Hass und Klischees zu überwinden. Was verbindet die Gesellschaften des einstigen Jugoslawiens und welche Rolle spielen dabei Kunst und Kultur? In der 3satKulturdoku "Jugo Kultura - 30 Jahre nach dem Zerfall Jugoslawiens" (Erstausstrahlung) am Samstag, 6. November 2021, 19.20 Uhr, von Nadja Frenz kommen Kulturschaffende zu Wort. Die Sendung ist ab Ausstrahlung ein Jahr in der 3satMediathek verfügbar.

Dokumentation
Sa 06. Nov
19:20 Uhr
Erstausstrahlung

Die bosnische Regisseurin Jasmila Žbanić ist eine der bekanntesten Künstlerinnen aus dem ehemaligen Jugoslawien. Bereits während der Belagerung von Sarajevo dreht sie mit 17 Jahren ihre ersten Filme. Heute pendelt sie zwischen Bosnien und Berlin, wo ihr Spielfilmdebüt "Esmas Geheimnis – Grabavica" 2006 mit dem Goldenen Bären auf der Berlinale ausgezeichnet wurde. Ihr aktueller Film "Quo Vadis, Aida?" wurde 2021 für den Oscar nominiert und erzählt vom Massaker von Srebrenica.

Der kroatische Schriftsteller Miljenko Jergović ist in Sarajevo geboren, der heutigen Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina. Doch der Krieg hat ihn von dort nach Zagreb vertrieben. Seine Biografie zeigt den Identitätskonflikt, unter dem viele Ex-Jugoslawinnen und -Jugoslawen leiden. Jergovićs Bücher sind in zahlreiche Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet worden. Sein kritischer Geist ist den Nationalisten ein Dorn im Auge.

Und auch die serbische Radio-Moderatorin Ana Vučković legt den Finger in die Wunden der Vergangenheit. Bei ihrer eigenen Sendung dreht sich alles um die aktuelle Kultur. Trotz aller Konflikte sieht sie auch Gemeinsamkeiten: eine gemeinsame Muttersprache, Kultur und Vergangenheit. Ana Vučković schreibt auch Bücher. Anhand der Biografie ihres verstorbenen Vaters begibt sie sich in das Spannungsfeld zwischen nostalgischer Glorifizierung und grausamer Realität Jugoslawiens.

Zur neuen Generation Kulturschaffender, die auch andere Themen als den Krieg bearbeiten, gehört die Performancekünstlerin und Aktivistin Selma Selman. Die 30-Jährige lebt und arbeitet in Bihać und New York. "Wir leben in einer patriarchalen Welt. Wenn wir über Bosnien und generell den Balkan sprechen (…). Alles dreht sich um den Mann. Als ich Kind war, wusste ich nicht, dass Frauen mächtig sein können", sagt die Bosnierin. In ihrer Kunst geht es meist um feministische Themen und ihre doppelte Identität als Frau und Roma.

Weitere Protagonisten des Films sind der traditionelle Sevdah-Musiker Damir Imamović sowie Ivan Novak, Mitglied der slowenischen Band Laibach.

 

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