Permafrostforscherin Annett Bartsch © ZDF/ORF/Peppo Wagner Filmproduktion

Daten, die das Klima retten? Unterwegs im Dienst der Wissenschaft

Ein Film von Peppo Wagner

Gletschereis, Permafrostböden und tropische Regenwälder zählen zu den Zeugen der Erdgeschichte. Sie sind unverzichtbare Bestandteile, wenn es um das Gleichgewicht des Klimasystems unseres Planeten geht. Eine Forscherin und zwei Forscher arbeiten auf den Alpengletschern, in der Arktis und in den feuchtheißen Tropen unter Extrembedingungen und geben Einblicke, wie und wo Klimadaten gesammelt werden. 3sat zeigt "Daten, die das Klima retten? Unterwegs im Dienst der Wissenschaft" am Mittwoch, 3. November, um 20.15 Uhr in Erstausstrahlung.

Dokumentation
Mi 03. Nov
20:15 Uhr
Erstausstrahlung

Noch ist wenig über Permafrostböden bekannt, außer dass sie langsam auftauen. Zudem werden gigantische Mengen an Kohlenstoff im gefrorenen Erdreich vermutet, die seit der letzten Eiszeit konserviert wurden. Durch Auftauprozesse könnten diese als Kohlendioxid oder Methan in die Atmosphäre gelangen und die globale Erwärmung beschleunigen. Annett Bartsch hat sich auf die Beobachtung und Vermessung von Permafrostgebieten spezialisiert: "Seit Beginn der Messungen um die Jahrtausendwende sehen wir einen kontinuierlichen Anstieg der Bodentemperaturen. Wenn der Trend so weitergeht, wird es in 20 Jahren, zumindest in Zentralspitzbergen, keinen Permafrost mehr geben." Der arktische Archipel gilt als weltweit größtes "Labor" der Arktisforschung, auch für Annett Bartsch - allerdings nur in Begleitung bewaffneter Guides, wenn es in das freie Gelände gehen soll. Denn neben 2000 Menschen zählen auch mehr als 3000 Eisbären zu den "ständigen Bewohnern" der norwegischen Inselgruppe. Permafrost ist ein schwer zugängliches Phänomen des Untergrunds, Gletscher hingegen sind für jedermann sichtbar. Doch bald könnten sie der Bezeichnung "ewiges Eis" nicht mehr gerecht werden. Einfache Messungen von Gletscherausdehnungen wurden bereits vor 100 Jahren durchgeführt. Seit damals ziehen sich die eisigen Riesen zurück, mit steigender Geschwindigkeit. Dadurch befeuern sie praktisch den Klimawandel. Weniger Eis bedeute mehr Wasser, und Wasser könne wieder mehr Strahlung aufnehmen, meint der Glaziologe Anton Neureiter von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik. "Wenn es wärmer wird, schmilzt aber auch wieder mehr Eis! Seit geraumer Zeit greift der Mensch massiv in das Klima ein, und die Gletscher zeigen uns das sehr deutlich." Für Neureiter ist dies mehr als ein Grund, bei jeder Wetterlage schwer bepackt zwischen tückischen Gletscherspalten unterschiedlichste Messungen durchzuführen. Von Kälte dagegen keine Spur, wenn Anton Weissenhofer im feuchtheißen Süden Costa Ricas in Primärregenwäldern nach geeigneten Samen und Jungpflanzen sucht. In seinen Projekten geht es um die Renaturierung von entwaldeten, aber geschützten Flächen. Man will durch gezielte Auswahl der Bäume die reiche Artenvielfalt der Region erhalten und möglichst ökologisch CO2 binden. Durch sein Biologiestudium ist er das erste Mal in die Gegend des heutigen Nationalparks "Piedras Blancas" gekommen. Mit seinem Kollegen Werner Huber erforscht er seit damals das Ökosystem "Regenwald". Die gewonnenen Erkenntnisse bilden die wichtigste Grundlage für seine jüngsten Bemühungen, biologische Korridore zu schaffen. "Ohne die Menschen von hier mit einzubinden, wären alle Anstrengungen wertlos, aber das braucht viel Geduld und Überzeugungskraft." Trotz vieler widriger Umstände spürt man bei Anton Weissenhofer die Faszination für seine Arbeit jedoch deutlich: "Der Weg ist eigentlich das Ziel. Man kann nie genug tun. Wir kämpfen weiter, damit die Wälder hier erhalten bleiben, und jeder Baum, den wir setzen, ist eine weitere Hilfe."

 

Filmemacher Peppo Wagner begleitet die drei bei ihrer Arbeit am Sonnblick, in Spitzbergen und in Costa Rica. Alle drei sind sich einig, dass mit Daten allein die Klimakrise nicht gelöst werden kann. Den Daten müssen Taten folgen. Wissenschaftliche Fakten sind die Basis für ein besseres Verständnis von Zusammenhängen und für eine lösungsorientierte Diskussion – gerade, wenn es um das äußerst sensible und komplexe System "Klima" geht.

 

Fotos zur Dokumentation finden Sie hier.

ZDF
HA Kommunikation/
3sat Presseteam

Claudia Hustedt
hustedt.cwhatever@3sat.de
Mainz, 08. Oktober 2021
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