Innenarchitektin Stephanie Thatenhorst im Gespräch mit Moderator Eric Mayer in der "Theresa Bar" in München ©ZDF und Nadine Rupp

Design – Reine Herzenssache?

Ein Artikel von 3sat-Redakteur Wolfgang Horn zur neuen 3sat-Reihe "Raumwelten"

Räume sind Gesamtkunstwerke. In ihnen verbinden sich Kunst, Handwerk und Leben. Sie prägen die Welt, die uns tagtäglich umgibt. Die dreiteilige Dokumentationsreihe "Raumwelten" (ab Samstag, 23. März, 19.20 Uhr, Erstausstrahlungen) stellt Menschen vor, die unseren Räumen Gestalt geben: Produktdesigner, Bühnenbildner, Innenarchitekten.

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"Die sollen einfach mich engagieren!", sagt sie, halb im Spaß, und später: "Folge deinem Herzen!" Ein simpler Rat und leicht gesagt, wenn man ein angeborenes Talent, Gespür und Geschmack hat, um Räume schöner zu machen oder einfach so zu gestalten, dass sich jeder auf Anhieb darin wohlfühlt – ohne wirklich zu wissen, warum. Reporter Eric Mayer trifft die Münchner Innenarchitektin Stephanie Thatenhorst in ihrer Privatwohnung. Sie sitzen gemeinsam am Küchentisch, der aus einer massiven grobsteinigen, aber strahlend glatten Terrazzo-Oberfläche besteht. Er stellt die alles entscheidende Frage im Gespräch mit einer Innenarchitektin: "Was soll ich tun, um mein Zuhause schöner zu gestalten, wenn ich vielleicht nicht so ein gutes Händchen dafür habe?" "Folge deinem Herzen!", ist ihre Antwort. Stephanie Thatenhorst sitzt in einem Vintage-Kleid aus rosa Seide in ihrer Küche, hinter ihr ein Rattan-Sofa, dessen Polster mit einem tropischen Motiv überzogen sind, daneben eine Stehlampe so rosa wie ihr Kleid. Der Kontrast zur blaugrünen Wand könnte schöner nicht sein.

 

3sat präsentiert in seiner dreiteiligen Reihe "Raumwelten" Menschen, die Räume gestalten. Räume in denen wir leben, arbeiten, faulenzen. Räume, die maßgeblich Einfluss auf unser Wohlbefinden, unser Gemüt, ja letztendlich auf unser Leben haben. Eine dieser Lebensraumgestalterinnen ist Stephanie Thatenhorst. Sie wuchs auf einem Bauernhof im Chiemgau auf, sehr idyllisch, eine glückliche, aber auch beengte Kindheit. Immer mit dem Gedanken im Hinterkopf: Da muss es doch noch mehr geben? Nach der Schule kam der Aufbruch in die weite Welt: Australien, Neuseeland, Fidschi, Hawaii. Und vor allem ein Gastvater, der Architekt war und Stephanie mit auf die Baustellen rund um Sydney nahm. Nach etwa drei Jahren kehrte sie nach Deutschland zurück und fasste den Entschluss, Innenarchitektur zu studieren. "Architektur war mir dann doch eine Nummer zu groß", dachte sie. In Rosenheim wurde ihre Bewerbung jedoch abgelehnt, und so landete sie doch beim Architekturstudium.

 

Als ein Freund ihr die Gestaltung seines Brillenladens auf der Maximilianstraße in München anvertraute, wurde dies zum Startschuss für eine internationale Karriere. Stephanies Ehemann ist Gastronom. Es lag nahe, auch die Innenausstattung seiner Restaurants und Bars zu übernehmen. "Mein Mann wünschte sich eine James-Bond-Bar." Und zwar nicht irgendeine, sondern eine, die den Flair der alten Filme aus den 60er- und 70er-Jahren versprüht. Stephanie Thatenhorst gelang ein Glanzstück: Ein hochfloriger brauner Teppich, absolut ungewöhnlich in einer Bar, führt in den Räumen in einem Hinterhof der Münchner Theresienstraße zum sofortigen Wohnzimmer-Gefühl. Strahlend grüne und rote Samtsessel tun ihr Übriges, alles ist eingefasst von dunklem Holz. "Schmuckkästchen" nennt Stephanie die Bar. Der Raum ist eine gelungene Mischung aus Art déco, Mid-Century- und Hollywood-Regency-Style, von den 20er- bis in die 70er-Jahre ist jede Assoziation erlaubt. Stephanie Thatenhorst ist eine Meisterin des eklektischen Stils. Aus der Verbindung unterschiedlichster, vielleicht sogar disparater Elemente erschafft sie etwas Neues, Eigenes. Sie hat ihre eigene Handschrift, das zeigt sich an ihrer Kleidung, ihrem Zuhause und natürlich vor allem an ihrer Arbeit. Schon lange gestaltet sie nicht mehr nur Restaurants und Bars, sondern auch Ferienhäuser am Lake Michigan und in der Toskana, Privathäuser, Hotels, Arztpraxen, Geschäfte. Sie und ihr rein weibliches, achtköpfiges Team übernehmen die unterschiedlichsten Projekte weltweit. Ob es für eine solche Karriere wirklich reicht, einfach seinem Herzen zu folgen? Auch wenn es auf den ersten Blick etwas simpel, vielleicht sogar naiv klingt, steckt vielleicht doch mehr Wahrheit drin, als es scheint. Denn eigentlich bedeutet es doch nur, auf sich und seine Intuition zu vertrauen.

 

 

 

ZDF
HA Kommunikation/
3sat Presseteam

Marion Leibrecht
leibrecht.mwhatever@3sat.de
Mainz, 31. Januar 2019
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