Nach einem Einsatz muss Polizeikommissarin Laura den Bericht schreiben © ZDF/Michael Weihrauch

Eva Wolf: "Ich finde, die Stärke dieses Formats ist die Authentizität"

Interview mit der Filmemacherin zu "Die Wache"

Was war, angesichts der Fülle an Formaten zur Polizeiarbeit im deutschen Fernsehen – fiktional oder semi-dokumentarisch – das Motiv, selber einen Film über dieses Thema zu machen?

Fast alle diese Formate konzentrieren sich auf die Einsätze und nicht die Menschen hinter den Uniformen. Mich hat aber interessiert, wie der wirkliche Polizeialltag aussieht und wie dieser Alltag die Menschen, die damit umgehen müssen, prägt. Ich glaube, im Dialog über das was Polizei in unserer Gesellschaft sein sollte, ist es sehr wichtig genau hinzusehen, was eigentlich diesen Berufsalltag ausmacht, erst dann kann man darüber sprechen, wo die Gefahren liegen und was für Menschen und welche Art der Ausbildung und Supervision wir für diesen Alltag brauchen. Und ich glaube, dass es so einen dokumentarischen Film über die Arbeit auf einer Polizeiwache bisher in all der Formatfülle noch nicht gibt.

 

Auf welche Hürden bist Du gestoßen, den Plan umzusetzen?

Es war sehr schwierig, Polizist*innen zu finden, die bereit waren, sich filmen zu lassen. Zu groß ist die Angst, von den Medien falsch dargestellt zu werden, aber auch sein Gesicht zu zeigen und dafür auch im Privatleben angefeindet zu werden. Das Vertrauen zu schaffen, war mit Abstand die schwierigste Hürde.

Dokumentarfilm
Interview

Welche Aspekte der Polizeiarbeit waren Dir besonders wichtig und hast Du an allen Einsätzen und Besprechungen teilnehmen können, um sie darzustellen?

Ich konnte an allen Einsätzen und Besprechungen teilnehmen, an denen auch meine Protagonist*innen teilgenommen haben. Wir sind im ganz normalen Betrieb mit einem Einsatzwagen mitgefahren. Natürlich kam es vor, dass ein anderer Wagen zu einem für mich interessanteren Einsatz fuhr, während wir gerade bei einem leichten Autounfall waren, aber das gehört eben zum dokumentarischen Arbeiten: Wir bekamen das zu sehen, was unsere Protagonist*innen erlebt haben. Da es mir vor allem um das Alltagserleben der Polizist*innen geht, war diese Mischung aus banalen, skurrilen und gefährlichen Einsätzen genau das, was ich wollte.

 

Der Film bleibt ganz bei den Protagonisten und versucht nicht, erklärend oder investigativ Themen zu beleuchten, die nicht durch Beobachtung dargestellt werden konnten. Hat sich diese konzeptionelle Entscheidung im Rückblick bewährt oder hast Du dadurch auf etwas verzichten müssen, was Dir wichtig gewesen wäre?

Es gibt Filme, die sich ganz auf das Investigative konzentrieren, mein Film ist ein beobachtender Dokumentarfilm. Ich finde, die Stärke dieses Formats ist die Authentizität. Ich glaube, für die Diskussion: „Wie sollte gute Polizeiarbeit aussehen?“ ist es hilfreich, erst einmal genau hinzusehen: Wie sieht der Alltag aus und was macht dieser Alltag mit den Menschen. Darauf aufbauend könnte ich mir einen zweiten Film vorstellen, der sich ganz auf die Problemsituationen konzentriert. Aber vergessen wir nicht: Ein Hauptteil des Polizeialltags der Streifenbeamten besteht aus genau den Einsätzen, die in meinem Film gezeigt werden: Häusliche Gewalt. Einbrüche, Raubüberfälle, Autounfälle, kleinere Drogendelikte.

 

Wie haben die Beamten, die den Film gesehen haben, auf ihn reagiert?

Er hat ihnen gut gefallen und sie hatten den Eindruck, dass er ihren Alltag authentisch wiedergibt.

 

Und welche Resonanz hast Du bei der (online) Kinoauswertung vom Publikum erhalten?

Die Resonanz war sehr gut. Es gibt anscheinend ein großes Bedürfnis, diesen Alltag zu verstehen und mitzuerleben, auch wenn man eigentlich der Institution Polizei kritisch gegenübersteht. Ich hoffe sehr, dass der Film auch bei der Fernsehausstrahlung Brücken bauen kann, die zu kritischen und konstruktiven Diskussionen führen.

 

Das Interview führte Redakteur Udo Bremer.

ZDF
HA Kommunikation/
3sat Presseteam

Claudia Hustedt
hustedt.cwhatever@3sat.de
Mainz, 13. September 2021
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