Rosa Haldner bekommt die Stunden für die Betreuung des blinden Eugen Strässle auf einem Zeitkonto gutgeschrieben © ZDF/Sabine Jainski

"Leistung zum Nulltarif? - Vom Wert der Sorge für andere"

Film von Ilona Kalmbach und Sabine Jainski

Spätestens seit Corona wird heiß diskutiert, wessen Arbeit systemrelevant ist  und wer den Laden am Laufen hält. Ist es zeitgemäß, nur bezahlte Tätigkeiten als Leistung zu definieren? Gerade die Sorge für andere Menschen und die Hausarbeit bleiben meistens außen vor. 3sat zeigt die Dokumentation "Leistung zum Nulltarif? - Vom Wert der Sorge für andere" am Donnerstag, 2. Dezember, um 22.55 Uhr, in Erstausstrahlung. Ilona Kalmbach und Sabine Jainski stellen Arbeitsmodelle zur besseren Vereinbarung von Familie und Beruf und Konzepte, die ehrenamtliche Care-Arbeit auf Zeitkonten gutschreiben, vor.

Dokumentation
Do 02. Dez
22:55 Uhr
Erstausstrahlung

Beispiel Ludwigshafen: Bei der BASF werden viele Führungspositionen inzwischen auch als Jobsharing-fähig ausgeschrieben. Vorreiter waren Saskia Sporys und Daniel Zirnig, die sich gemeinsam um die Teamleitung von weltweit verstreut arbeitenden Produktmanagern bewarben. Sie bekamen den Job und arbeiten nun jeweils 60 Prozent, um auch genügend Zeit für die betreuende Aufgaben innerhalb ihrer jungen Familien zu haben. Für dieses Ziel steht auch der "Equal Care Day". Er will eine gerechtere Verteilung der Sorge-Arbeit ins öffentliche Bewusstsein rücken. Initiatorin Almut Schnerring und Initiator Sascha Verlan leben und arbeiten gemeinsam, sie haben drei Kinder. In ihren Büchern legen sie dar, wie Kinder noch heute Geschlechterklischees erlernen, die später die Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit bestimmen. Dass es gerade für die Anerkennung von Sorgearbeit auch andere Modelle gibt als die Bezahlung, zeigt das Sozialunternehmen "Zeitpolster" aus Vorarlberg in Österreich. Die Rentnerin Heidi Ludescher kümmert sich in ihrer Freizeit um zwei Jungs mit Beeinträchtigungen, wenn deren alleinerziehende Mutter arbeiten muss. Die Stunden, die sie mit den beiden verbringt, bekommt sie gutgeschrieben - für später, wenn sie selbst auf Hilfe angewiesen ist. Ein Generationenvertrag, der Schule macht. Das Konzept hat inzwischen landesweite Ableger und zudem Nachahmer in der Schweiz gefunden: In St. Gallen hat die Stadt die "Stiftung Zeitvorsorge" gegründet. Die Freiwilligen können 750 Stunden ansparen. Dieses Zeitvermögen garantiert die Stadt Sankt Gallen. Es sind Modelle zwischen Ehrenamt und bezahlter Tätigkeit. Die Freiwilligen werden honoriert, aber nicht mit Geld bezahlt. Trotzdem können sie eine Ergänzung zur eigenen Altersvorsorge aufbauen, sie schaffen gemeinsam ein Netzwerk, das sie auch im Alter tragen wird.

 

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Hauptabteilung Kommunikation
Dokumentation und Reportage

Claudia Hustedt
hustedt.cwhatever@zdf.de
Mainz, 25. November 2021
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