PETER BRAATZ © Maja Weiss

Peter Braatz im Interview

Fünf Fragen zum Dokumentarfilm "Die 3 Satelliten"

3satDokumentarfilmzeit
Mo 23. Sep
22:25 Uhr
Interview

Dein Film "Die 3 Satelliten" versteht sich als eine Hommage an den deutschen Sprach- und Kulturraum. Wie hast Du Dich diesem weiten Thema genähert?

Zunächst gab es die Idee eines "Road-Movies" durch die drei Länder Deutschland, Österreich, Schweiz, die sich dann zu einer Entdeckungsreise durch das deutsche Sprachgebiet mit all seinen Unterschiedlichkeiten entwickelte. Dazu kam dann der Gedanke, dass diese drei Länder analog zur Wirklichkeit via Satelliten permanent in Verbindung stehen, dass sozusagen ein Jeder ständig darüber informiert ist, was jemand anderes gerade denkt und sagt. Die "3 Satelliten" also als Schnittstelle von Information und Meinungen zur Jetzt-Zeit.

 

Nach welchen Kriterien hast Du die Mitwirkenden ausgewählt?

Bei der Grundidee zum Filmprojekt hätte im Prinzip jeder passen und im Film vorkommen können. Da mir aber das Motiv der gemeinsamen Sprache besonders wichtig war, wollte ich mich auf Personen konzentrieren, die "Sprache" generell als Plattform ihrer Artikulation benutzen und mit Worten arbeiten, also Lyriker, Poeten, Musiker, Schauspieler, Kabarettisten. Außerdem gab mir der Film die Chance Persönlichkeiten zu treffen, welche mich schon länger sehr beeindruckt haben. Und ich konnte persönliche "Helden" integrieren, die bisher von der Öffentlichkeit nicht oder kaum wahrgenommen wurden.

 

Hast Du vor den Drehs bestimmte Verabredungen mit den Mitwirkenden getroffen?

Nein, das habe ich bewusst nicht. Es war zunächst nicht einfach, mit den vielen Wunsch-Mitwirkenden in Kontakt zu kommen, sie für das Projekt zu gewinnen und dann die Drehs zu ermöglichen. Jeder hat ja sein Leben, seine Arbeit, Termine und eine dementsprechende Planung, da kann man nicht so einfach "reinschneien" - und sagen "jetzt musst Du Zeit für mich haben". Fast die Hälfte der Protagonisten kannte ich zuvor nicht persönlich, da wurde einfach nur ein Treffpunkt ausgemacht. Und zu den meisten habe ich dann gesagt "dies ist kein Interview, ich bin kein Journalist, dies ist eine Plauderei, würden Sie sich darauf einlassen?"

 

Was waren die größten Herausforderungen bei dieser ungewöhnlichen Produktion - während der Dreharbeiten und im Schnitt?

Während der Dreharbeiten waren vor allem die aufwändigen An- und Abreisen für mich und mein Team ein Thema: Wenn du 14 Stunden Auto fährst, um rechtzeitig am zugesagten Ort zu sein, dann musst Du viele unkalkulierbare Umstände in Kauf nehmen, oder auch Banalitäten wie unvorhersehbarer Auto-Pannen und -Reparaturen, abenteuerliche Taxi-Mieten ... Bei allen Herausforderungen waren die Dreharbeiten aber geradezu ein Spaziergang gegenüber der Montage und Fertigstellung des Filmes. Der Schnitt war wirklich nicht einfach und zog sich über mehrere Phasen und Monate hin. Während des Drehs war der Film eine eher physische Anstrengung, belohnt mit tollen Begegnungen, Erfahrungen und - einfach wundervoll! Beim Schnitt war es eine große psychologische Anstrengung und zugleich eine im Kopf befreiende Erkenntnis, dass alles irgendwie zusammenhängt.

 

Du bezeichnest „Die 3 Satelliten“ selbst als ein „filmisches Mobile“. Wie ist das zu verstehen?

Für mich war der Begriff des "Mobile" bereits im Ideenstadium des Projekts wichtig, denn für mich ist dies der beste Begriff um zu veranschaulichen, wie dieser Film aufgebaut ist. Die Grundidee eines "Mobile" sollte ja sein, leicht, schwingend, überraschend zart und doch ausgeglichen, in der Waage zu sein: Pendelnd, fast fliegend, leicht, und doch kann es selbst Schweres aufwiegen, wenn es denn das entsprechende Gegenüber gibt, oder eine Mehrzahl kleinerer Gewichte. Also war die Idee, die gut 40 Beteiligten mit ihren individuellen Beiträgen in ein Gleichgewicht zu bringen, thematisch und örtlich. So gibt es Tag und Nacht, Bewegung und Ruhe, Eindrücke, Gemälde, Skulpturen, Banales und Großartiges, direkt nebeneinander. Die Suche nach der Balance war für mich Herausforderung und Antrieb.

 

Das Interview führte Katya Mader, Filmredaktion 3sat

ZDF
HA Kommunikation/
3sat Presseteam

Claudia Hustedt
hustedt.cwhatever@3sat.de
Mainz, 28. August 2019
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