Ein eingeschworenes Team: (v.l.n.r.) 
Markus Brock (Moderation), Martina Klug (Buch/Regie), Christoph Feller (Kamera), Lars Gelhausen (Ton), Michael Geißer (Assistenz),
Diana Rouger-Werner (Maskenbild), Christian Zecha (Kamera) (c) ZDF und SWR, Futurium Berlin

Von der Freiheit der Kunst

Resümee von Redaktionsleiterin Dunja Saal anlässlich des 10-jährigen Jubiläums von "Museums-Check mit Markus Brock"

Schwellenangst abzubauen und möglichst breite Bevölkerungsschichten auf ein sinnliches und erkenntnisreiches Museums-Abenteuer in Deutschland, Österreich und der Schweiz mitzunehmen – das war vor 10 Jahren die Idee von "Museums-Check mit Markus Brock".

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Seither sind mehr als 60 Museumsfilme entstanden, mit einem ganz eigenen Zugang und einer neuen, außergewöhnliche Bildsprache, von A wie Albertina bis Z wie ZKM, mit illustren Gästen wie Adele Neuhauser, Erika Stucky, Konstantin Wecker, Christiane Paul oder Peter Stamm. Wenn Markus Brock mit seinen Gästen vor Gemälden steht wie etwa Claude Monets Seerosen, Franz Marcs Blauen Pferden oder Raffaels Sixtinischer Madonna, ist das immer eine genussvolle Erfahrung und eine Schule des Sehens.

In der 3sat-Reihe "Museums-Check mit Markus Brock" ging es stets auch um die Freiheit der Kunst, gesellschaftliche Diskussionen und utopische Weltentwürfe. Ob mit Ulrich Matthes in historischen Museen, mit Eva Menasse im Museumsquartier Wien, mit Dunja Hayali im Futurium in Berlin oder mit Wolfgang Niedecken auf den letzten beiden documenta-Schauen in Kassel: 10 Jahre "Museums-Check" haben gezeigt, dass Museen als Archive, Ausstellungshäuser, Bildungseinrichtungen und öffentliche Orte der Auseinandersetzung wichtiger sind denn je.

Schon der Start der neuen Sendereihe am 30. Mai 2010 war aufsehenerregend: ein Besuch des Jüdischen Museums in Berlin, in einem Haus also, das exemplarisch ist für das Konzept, Museen als wichtige Bildungs- und Debattenorte in der Mitte der Gesellschaft zu begreifen. Auf Anhieb gelang es Markus Brock mit seinem Gast, dem Schauspieler Ulrich Matthes, die einzigartige Architektur, die Sammlung und Vermittlung dieses neuen Museumstyps für die Zuschauer erfahrbar zu machen. Eindrückliche Beispiele, wie Besucher interaktiv in die Ausstellung einbezogen werden, fanden Markus Brock und Roger Willemsen im Auswandererhaus in Bremen: Fast spielerisch probierten beide alles aus – ihre Begegnung 2011 zählt zu den Sternstunden der Reihe. Zur documenta 13 und 14 produzierte "Museums-Check" zwei längere Sondersendungen: Engagiert und streitbar mischten sich Markus Brock und der BAP-Sänger und Künstler Wolfgang Niedecken in die Diskussion um zeitgenössische Kunst als Seismograf gesellschaftlicher und politischer Befindlichkeiten ein und führten durch dieses "Museum der 100 Tage".

Museen befinden sich im Wandel: Der Kunsthistoriker Aby Warburg bezeichnete das Museum zwar einmal als "Denkraum der Besonnenheit", doch während der letzten Dekade beschleunigte sich der Paradigmenwechsel. Überhaupt hat sich die Institution Museum in seiner rund 200-jährigen Geschichte stark verändert: vom Schatzhaus, wie es das Kunsthistorische Museum in Wien einst war, zu einem öffentlichen Marktplatz wie der neuen Kunsthalle Mannheim.

Auch die rasant voranschreitende Digitalisierung eröffnet den Museen neue Möglichkeiten. Welche Formen der Partizipation und Vermittlung tun sich dadurch auf? Wird das Museum dank neuer Medien demokratischer, werden andere Zielgruppen, jüngere Besucher erreicht? Gibt es erweiterte Formen der Interaktion mit Kunst? Das Frankfurter Städel, in dem "Museums-Check" 2012 anlässlich der Eröffnung des Erweiterungsbaus Station machte, spielte dabei eine Vorreiterrolle.

Doch auch hinter den Kulissen spielt die Digitalisierung eine wichtige Rolle – und zwar in der Erforschung und Archivierung der eigenen Sammlungsbestände. Themen wie Provenienz-Forschung und Raubkunst thematisierte "Museums-Check" etwa im Kunstmuseum Bern mit der Ausstellung der umstrittenen Sammlung Gurlitt.

Ein geschärftes Bewusstsein für das koloniale Erbe führte sogar zu neuen Museumskonzepten wie etwa im Weltmuseum Wien; "Museums-Check" stellte es gleich nach seiner Eröffnung 2018 vor. Um die Kultgegenstände der Kolonialzeit und Restitution ging es auch im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe, das mehrere Benin-Bronzen zeigte und ganz offensiv mit Raubkunst in seiner Sammlung umgeht.

Das Museum als Spiegel kollektiver Veränderungen: So rücken Künstlerinnen verstärkt in den Fokus, außereuropäische Kunst löst den Eurozentrismus ab. Fragen nach der moralischen Integrität von Künstlern werden gestellt. Nicht zuletzt die Nachhaltigkeit im Umgang mit Ressourcen wird angemahnt. Museen haben in ihrer gesellschaftlichen Funktion an Relevanz und Zulauf gewonnen. Die 3sat-Sendung "Museums-Check mit Markus Brock" führt immer wieder auch die Freiheit der Kunst vor Augen.

 

Dunja Saal ist Redaktionsleiterin beim SWR und verantwortet die 3sat-Sendung "Museums-Check mit Markus Brock". Realisiert wird die Sendung von den Autorinnen Ute Hoffarth und Martina Klug.

 

 

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3sat Presseteam

Marion Leibrecht
leibrecht.mwhatever@3sat.de
Mainz, 10. Juni 2020
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