Der MehrWERTpavillon in Heilbronn besteht aus Recyclingmaterial © ZDF/ORF/Langbein & Partner

Wenn die Rohstoffe knapp werden - Bauen mit Schutt

Ein Film von Andrea Ernst

Europas Bauwirtschaft boomt, sie ist der Motor des Wirtschaftswachstums und einer der größten Arbeitgeber. Doch dieser Trend hat Schattenseiten: Der ökologische Fußabdruck ist riesig. Etwa 40 Prozent der globalen Ressourcen werden auf dem Bau verbraucht. Jedes neue Gebäude verschlingt riesige Mengen an Rohstoffen und Natur. Höchste Zeit für ein Umdenken in der Branche. 3sat zeigt die Dokumentation "Wenn die Rohstoffe knapp werden - Bauen mit Schutt" am Mittwoch, 6. November, um 20.15 Uhr.

Dokumentation
Mi 06. Nov
20:15 Uhr
Erstausstrahlung

 

Experimente in Deutschland und Unternehmen aus Wien, Amsterdam und Kopenhagen zeigen, dass es alternative Lösungswege gibt. Klimafreundliches Bauen ist möglich, denn viele der Stoffe, die wir bereits einmal der Natur entnommen haben, können wiederverwendet werden: "Wir müssen lernen, so zu denken und zu planen, dass beim Abriss oder Rückbau kein Abfall mehr entsteht", fordert Professor Annette Hillebrandt, Architektin und Wissenschaftlerin von der Bergischen Universität in Wuppertal. Am liebsten wäre der Vordenkerin des Recyclingbauens, dass alle Hersteller zur Rücknahme ihrer Produkte gesetzlich verpflichtet würden. Dann wären sortenreinere Stoffe auf dem Markt, die immer wieder verbaut werden könnten. Auf den Gesetzgeber will der dänische Architekt Anders Lendager nicht mehr warten. Der Zukunftsdenker und Unternehmer hat am Kopenhagener Hafen das firmeneigene Recyclinglager aufgebaut. Hier finden er und sein Team die Planungsgrundlage für spektakuläre Neubauten. Ausgebaute Fenster aus renovierten Schulen, Ausschusshölzer, Recyclingbeton und alte Ziegelmodule werden in die Entwürfe ganzer Straßenzüge eingearbeitet. Lendager ist überzeugt: "Wir sind der nächsten Generation verpflichtet. Wir müssen Vorbilder sein, in der Art, wie wir bauen, leben und unsere Ressourcen schonen." Das weiß auch Brigitte Kranner. Zusammen mit ihrem Mann leitet sie die Geschäfte eines großen Altmetallhandels in Wien. Kranner gilt als Recyclingexpertin und "Urban Minerin" der ersten Stunde. Wenn es um alte Kabel, aussortierte Heizungen oder Aluminiumfenster geht, sieht sie hinter den oft verklebten und verschmutzen Metallen den wahren Wert. Und Tom van Soest in den Niederlanden holt Ziegelbrüche, Dachpfannen, Mörtelreste und Fliesen aus Abbruchhäusern und zerkleinert, mischt und mixt den Abfall mit neuem Lehm. Inzwischen verarbeitet seine Amsterdamer Firma 1000 Tonnen Abfall pro Jahr zu neuen, bunten Klinker-, Fassaden- und Bausteinen. Bevor das alte Dortmunder Kohlekraftwerk Knepper in einer spektakulären Sprengung zu Schutt und Asche verfällt, holen engagierte Architekturstudentinnen und -studenten intakte Stahlrohre heraus. Sie starten ein Experiment: Es soll ein Pavillon für die Bundesgartenschau in Heilbronn entstehen, ausschließlich mit Materialien, die bereits einen Lebenszyklus hinter sich haben. Die Stahlrohre verwandeln sich zu Stahlträgern, die wie die Äste eines Baumes einen offenen Kubus halten. Das Recyclingglas der Fassade kommt aus Brauch- und Bruchglas, der Boden wird von weißem Porzellanbruch bedeckt. Und: Der Pavillon ist sortenrein, alle Stoffe lassen sich einfach wieder trennen.

 

Siehe auch die "plan b"-Sendung "Schätze im Schutt - Alte Rohstoffe neu genutzt" von derselben Autorin im ZDF von Samstag, 2. November 2019, 17.40 Uhr.

 

Fotos zur Dokumentation finden Sie hier.

ZDF
HA Kommunikation/
3sat Presseteam

Claudia Hustedt
hustedt.cwhatever@3sat.de
Mainz, 29. Oktober 2019
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