Agnete Kirkeby (l.) von der Universität Kopenhagen kann bald ersten Parkinson-Patienten in einem Heilversuch Dopamin-erzeugende Neuronen implantieren. (c) ZDF und Chris Caliman

"WissenHoch2" über neue Therapien gegen Parkinson

Mit einer Wissenschaftsdoku und einer Ausgabe von "scobel"

Die Parkinson-Krankheit betrifft Millionen Menschen weltweit. Einige Symptome lassen sich mit Medikamenten lindern. Eine Heilung ist bislang nicht möglich, doch Stammzelltherapien bringen Hoffnung. "WissenHoch2" stellt am Donnerstag, 22. September 2022, 20.15 Uhr in 3sat, in der Wissenschaftsdokumentation "Neue Therapien gegen Parkinson" von John A. Kantara den aktuellen Stand der Wissenschaft vor. Im Anschluss, um 21.00 Uhr, diskutiert Gert Scobel mit seinen Gästen in "Das Alzheimer-Rätsel" unter anderen über neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson, Alzheimer und MS. Erstausstrahlungen.

WissenHoch2
ab
Do 22. Sep
20:15 Uhr
Erstausstrahlungen

Parkinson ist die zweithäufigste Erkrankung des Gehirns. Treten untrügliche Symptome auf – stockende Bewegungen, Tremor, schleppender Gang –, ist bereits die Hälfte der Zellen zerstört. Bewegungs- und Dopamintherapien können das Fortschreiten der Erkrankung nur verzögern. Parkinson betrifft vor allem die Hirnregion, die den flüssigen Ablauf von autonomen Bewegungen steuert. Die neurodegenerative Erkrankung geht mit einem Dopaminmangel im Gehirn einher, zu dem es kommt, weil die dopaminproduzierenden Nervenzellen absterben. Warum genau dies geschieht, ist noch nicht ganz klar. Denn nur wenige Menschen haben eine genetische Prädisposition dafür, an Parkinson zu erkranken. Studien hatten einen Zusammenhang zwischen Pestiziden und Parkinson erkannt. In Frankreich ist Parkinson deshalb als Berufskrankheit von Bauern, Winzern und Gärtnern anerkannt. Prof. Daniela Berg vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein und ihr Team haben nun einen Durchbruch bei der Früherkennung von Parkinson geschafft: Sie sind die weltweit Ersten, die über einen Bluttest das für die Krankheit verantwortliche fehlgefaltete Protein "Alpha-Synuklein" aus Nervenzellen nachweisen können. Die Hoffnung ist, dass ein frühzeitiges Erkennen der Erkrankung und eine entsprechende Dopamin-Substitution den degenerativen Verlauf abschwächen kann. Mit fokussiertem Ultraschall veröden die Neurologinnen und Neurologen an der Uniklinik in Kiel den Bereich im Hirn, der den starken Tremor in der Hand verursacht. Nur Heilung gibt es bislang nicht. Deshalb arbeitet die Forschung daran, Stammzellen so umzuprogrammieren, dass sie Dopamin produzieren und die abgestorbenen Nervenzellen ersetzen können. Dr. Agnete Kirkeby von der Universität Kopenhagen ist nun so weit, dass sie bald den ersten Betroffenen in einem Heilversuch Dopamin-erzeugende Neuronen implantieren kann.

Gert Scobel diskutiert im Anschluss, um 21.00 Uhr, mit seinen Gästen über die "Das Alzheimer-Rätsel". Alle drei Sekunden erkrankt irgendwo auf der Welt ein Menschn Demenz. Trotzdem die Wissenschaft indes vieles über Alzheimer, Parkinson und andere neurodegenerative Erkrankungen weiß, gibt es noch keine wirksamen Therapien und damit keine Heilung. In Deutschland ist eine demenzielle Erkrankung wie zum Beispiel Alzheimer bereits die zweithäufigste Todesursache. Noch immer gibt die Krankheit Forschern zahlreiche Rätsel auf, aber neue Erkenntnisse, besonders in Bezug auf Ursachen und Prävention, machen Hoffnung. Bluttests sollen die Krankheit frühzeitig erkennen. Besonders interessant ist aber ein ganz neuer Forschungsansatz: Während man lange glaubte, dass bestimmte Eiweißablagerungen im Gehirn die alleinige Ursache von Alzheimer sind, ist man davon heute nicht mehr überzeugt. Ins Zentrum wissenschaftlicher Forschung rücken nun das Immunsystem und die Blut-Hirn-Schranke, jene Barriere, die unser Gehirn vor Schädigungen schützt. Was das alles für den Kampf gegen diese Erkrankungen bedeutet und wie man Menschen zukünftig helfen oder vielleicht sogar vor Demenz schützen kann, darüber diskutiert Gert Scobel mit seinen Gästen: 

Michael Heneka ist Neurologe und forscht seit 25 Jahren zu neurodegenerativen Erkrankungen und Immunsystem, Schwerpunkt Demenz, insbesondere Alzheimer und Parkinson. Fünf Jahre lang war er Direktor der Abteilung für Neurodegenerative Erkrankungen und Gerontopsychiatrie am DZNE und Professor für Klinische Neurologie an der Universität Bonn. Seit Januar ist er Direktor Zentrums für System -Biomedizin an der Universität Luxemburg.

Claus Pietrzik ist Professor für Biochemie und Leiter der Arbeitsgruppe "Molekulare Neurodegeneration" an der Universitätsmedizin Mainz. Sein Forschungsschwerpunkt sind die molekularen und biochemischen Grundlagen der Neurodegeneration, insbesondere in Bezug auf Alzheimer.

Stephan Schilling ist Biochemiker mit Schwerpunkt Wirkstoffforschung. Er leitet die Außenstelle Molekulare Wirkstoffbiochemie und Therapieentwicklung am Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie in Halle. Er befasst sich schwerpunktmäßig mit der präklinischen Entwicklung von Wirkstoffen mit besonderem Fokus auf neurodegenerative und entzündliche Erkrankungen. Seit 2021 hat er zudem eine Professur für Angewandte Biowissenschaften und Prozesstechnik an der Hochschule Anhalt.

 

"WissenHoch2" – ein Thema, zwei Formate: Um 20.15 Uhr beleuchtet eine Dokumentation relevante wissenschaftliche Fragen; um 21.00 Uhr diskutiert Gert Scobel das Thema mit seinen Gästen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen.

 

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Hauptabteilung Kommunikation
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Marion Leibrecht
leibrecht.mwhatever@zdf.de
Mainz, 14. Juni 2022
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