Yoga und Atemübungen auf dem „Pachamama-Festival“ in der Schweiz © ZDF/Giovanni Baroni

"WissenHoch2" über Spiritualität und Wissenschaft und die Krise der Kirchen

Mit einer neuen Wissenschaftsdokumentation und einer neuen Ausgabe von "scobel"

Die christlichen Kirchen in Deutschland verzeichnen Rekordaustritte. Gleichzeitig halten viele Menschen an Ritualen fest oder suchen nach neuen Glaubensansätzen, die Halt und Lebenshilfe geben. Neben Horoskopen und Sternzeichen gewinnen Stars aus der Lifecoaching-Szene und Ritualdesigner immer mehr Anhänger. "WissenHoch2" befasst sich am Donnerstag, 15. Dezember 2022, um 20.15 Uhr in der Dokumentation "Rituale, Esoterik, Aberglaube: Sinnsuche zwischen Spiritualität und Wissenschaft" von Dagmar Gallenmüller mit dem Thema. Im Anschluss, um 21.00 Uhr, diskutiert Gert Scobel mit seinen Gästen in "Kirchen: Hirten ohne Herde" über Krise der traditionellen Kirchen. Erstausstrahlungen.

WissenHoch2
ab
Do 15. Dez
20:15 Uhr
Erstausstrahlungen

Die klassische Seelsorge muss heute der religiösen Pluralität gerecht werden und neue Angebote machen. Die Erkenntnis, dass schwerkranke Menschen auch auf spiritueller Ebene Unterstützung brauchen, sogenannte Spritual Care, ist im Gesundheitswesen inzwischen weithin anerkannt. Im Social-Media-Zeitalter gewinnen die Stars der Lifecoaching-Szene immer mehr Anhänger. Oft geht es um Lebenshilfe, darum, das eigene Leben glücklicher gestalten zu können. Mit neuen Angeboten wie Online-Meditation befriedigen sie das Bedürfnis nach Spiritualität. Was gelingt ihnen, was den etablierten Religionen und ihren Vertreterinnen und Vertretern nicht gelingt? Rituale enthalten Elemente, die nicht nur kognitiv erfassbar, sondern auch biologisch fühlbar sind. Dabei wirken rhythmische Wiederholungen, Düfte und Musik verstärkend auf das vegetative Nervensystem und das Gehirn ein. Die Neurowissenschaft erklärt, was bei religiösen Erfahrungen im Gehirn passiert - "Neurotheologie" nennt sich dieses junge wissenschaftliche Forschungsgebiet. Die Dokumentation stellt die Sinnsuche zwischen Spiritualität und Wissenschaft vor, untersucht am Beispiel der Astrologie, was Aberglaube und was Wissenschaft ist, und klärt mithilfe der Kognitionspsychologie die Frage, warum manche Menschen in zufälligen Begebenheiten eine Bedeutung zu erkennen glauben.

Im Anschluss, um 21.00 Uhr, folgt die Sendung "scobel: Kirchen: Hirten ohne Herde". Mit 360.000 Austritten kehrten nie zuvor so viele Katholiken ihrer Kirche den Rücken wie im Jahr 2021. Viel besser sah es auch für die Evangelische Kirche nicht aus: 280.000 Mitglieder erklärten 2021 ihren Austritt. Die dramatische Zahl sexueller Straftaten, das Schweigen und Vertuschen haben unbestritten einen großen Anteil an dieser möglicherweise existenziellen Krise. Doch es spielen viele weitere Faktoren eine Rolle. Ein großes Problem für viele Gläubige ist die anhaltende Reformunwilligkeit, besonders in der katholischen Kirche: Beispielsweise bleiben Frauen noch immer von Weiheämtern ausgeschlossen, Wiederverheiratete dürfen die Kommunion nicht empfangen, Homosexuelle fühlen sich weiterhin diskriminiert, werden weder getraut noch gesegnet. Das sind nur einige der Themen, bei denen der Vatikan bis heute keine Reformbereitschaft zeigt. Daneben hat sich unsere Gesellschaft massiv verändert. Sie ist offener, moderner und heterogener geworden. Verschiedene Religionen und Philosophien haben sich mittlerweile vermischt, und neue Ideen entstehen. Für immer mehr Menschen besteht zwischen Glauben und Kirche kein zwingender Zusammenhang mehr. Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Seelsorge waren lange Kernkompetenzen der Kirchen. Geht dies alles nun mit ihrer zunehmenden Bedeutungslosigkeit verloren? 

 

"WissenHoch2" – ein Thema, zwei Formate: Um 20.15 Uhr beleuchtet eine Dokumentation relevante wissenschaftliche Fragen; um 21.00 Uhr diskutiert Gert Scobel das Thema mit seinen Gästen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen.

 

Bilder finden Sie hier.

Hauptabteilung Kommunikation
Dokumentation und Reportage

Marion Leibrecht
leibrecht.mwhatever@zdf.de
Mainz, 24. Oktober 2022
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