Jimmy Wales, Mitbegründer der Wikipedia, äußert sich über das große Potential seines Projekts und das, was verbessert werden müsste.
© ZDF/Susanna Salonen

WissenHoch2: "Wikipedia - Die Schwarmoffensive" von Maria Teresa Curzio

Dokumentarfilm, Deutschland 2021

Wikipedia, 2001 gegründet, soll Wissen von allen für alle bereitstellen und wird als Online-Nachschlagewerk Nr. 1 genutzt. Zeit für eine kritische Bestandsaufnahme. Der Dokumentarfilm "Wikipedia - Die Schwarmoffensive" von Maria Teresa Curzio greift zentrale Fragen rund um das Phänomen Wikipedia  auf, und spricht mit denen, die sich aus unterschiedlichen Motiven im Wikipedia-Kosmos engagieren oder ihm kritisch gegenüberstehen. 3sat zeigt den Film am Donnerstag, 9. September, um 20.15 Uhr im Rahmen von "WissenHoch2" in Erstausstrahlung. Im Anschluss um 21.45 Uhr folgt die Sendung "scobel – Aufklärung neu denken!".

Dokumentarfilm
Do 09. Sep
20:15 Uhr
Erstausstrahlung

2001 von dem Amerikaner Jimmy Wales zusammen mit Freunden gestartet, hat Wikipedia das Prinzip der Autorenschaft revolutioniert. Jeder Artikel in Wikipedia wird von einem Autor (m/w/d) angelegt und von Hunderten anderer aus der ganzen Welt weiterentwickelt und fortgesetzt, korrigiert, kritisiert, teilweise gelöscht, komplett gelöscht und wieder neu geschrieben. Niemand wird vorher auf seine Qualifikation "geprüft". Allerdings gibt es Standards, die eingehalten werden müssen. Und es gibt von der Wikimedia Foundation eingesetzte Administrator*innen und Stewards mit Eingriffsmöglichkeiten, falls diese Standards verletzt werden.

 

Die Regisseurin Maria Teresa Curzio erklärt in ihrem Dokumentarfilm "Wikipedia - Die Schwarmoffensive" durch Gespräche mit Autor*innen und Wikipedia-Aktivist*innen wie Elke Koepping, Georg Hilt, Martin Rulsch und Peter Wuttke die Möglichkeiten und Grenzen von Wikipedia-Autor*innen und geht beispielhaft auf "Editierkriege" ein. Außerdem beleuchtet sie mit dem Philosophen Thomas Metzinger und dem Wikipedia-Insider Pavel Richter auch kritisch, wie relevant die in Wikipedia eingestellten Inhalte in Bezug auf gesellschaftliche und menschliche Themen tatsächlich sind. Es ist bekannt, dass nur ein geringer Anteil der Wikipedia-Nutzer*innen auch Autor*innen sind und dass davon 85 Prozent weiß und männlich sind und in Ländern der westlichen Welt leben. Florence Devouard, seit Langem in der Wikipedia Foundation aktiv, hat mehrere Projekte initiiert, um Frauen zu unterstützen, selbst für die Wikipedia zu schreiben. Darunter auch eines in Afrika. Einen weiteren blinden Fleck der Wikipedia beleuchtet Curzio, indem sie den Peruaner Elwin Huaman begleitet, der eine Wikipedia-Version für seine indigene Gemeinschaft der Quechua bereitstellen will und auf Grenzen des Modells der Enzyklopädie stößt, dem die Wikipedia verpflichtet ist, aber einer Kultur oraler Wissensvermittlung nicht entspricht. Er will sich daher eines Bots bedienen, den der schwedische Programmierer Sverker Johansson für eine indigene Sprache auf den Philippinen entwickelt hat. Aber werden Bot-generierte Artikel von der Wikipedia-Gemeinschaft akzeptiert, und erfüllen sie die Standards? Diese Frage führt zu einer noch weitreichenderen: Wie wird Wissen in Zukunft überhaupt bereitgestellt? So gibt der Film auch Ausblicke auf die Themen des Zusammenspiels von Suchmaschinen und Wikidata - einer angestrebten abstrakten, das heißt, von natürlichen Sprachen unabhängigen Wikipedia - sowie von Chancen und Risiken einer personalisierten Wikipedia.

Die Dokumentarfilmerin und Drehbuchautorin Maria Teresa Curzio stammt aus Uruguay und lebt seit vielen Jahren in Deutschland. Zu ihrem Film "Wikipedia - Die Schwarmoffensive" schreibt sie: "Themen wie Wissen und authentische Information werden oft unterschätzt und manchmal erst wahrgenommen, wenn sie fehlen. Sie sind aber für eine funktionierende Demokratie ungeheuer wichtig. Ich bin in Uruguay während der Militärdiktatur aufgewachsen – unser Wissen wurde zensiert, kontrolliert und abweichende Meinungen unterdrückt. Freies Wissen war buchstäblich gefährlich. Das Nicht-wissen-können, aber auch das Nicht-wissen-wollen waren wichtige Säulen für den Machterhalt der Diktatur. Trotz aller problematischen Facetten steht Wikipedia für eine Idee, die mich bewegt: Wissen soll für alle verfügbar sein, und es soll sich ändern dürfen. In unserem Zusammenhang heißt das: Wie hat sich die Welt des Wissens von einem exklusiven Reservoir für nur wenige Herrschende zu einem wachsenden demokratischen Instrument für alle verändert? Wie kann sich die Gesellschaft mittels technologischer Fortschritte in Umgang mit Wissen weiterentwickeln? Und welche Gefahren stehen dahinter?"

 

"WissenHoch2" – ein Thema, zwei Formate: Um 20.15 Uhr beleuchtet eine Dokumentation relevante wissenschaftliche Fragen; um 21.00 Uhr diskutiert Gert Scobel das Thema mit einem interdisziplinären Team von Experten. 

 

Der Dokumentarfilm "Wikipedia – Die Schwarmoffensive" ist ab 8. September 60 Tage lang in der 3satMediathek verfügbar, die Sendung "scobel – Aufklärung neu denken!" ab Sendedatum fünf Jahre.

 

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Claudia Hustedt
hustedt.cwhatever@zdf.de
Mainz, 21. Juli 2021
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