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scobel - Die neue Weltordnung

Do 27. Jan
21:00 Uhr
Erstausstrahlung
Eroberungen und Plünderungen auf fremden Territorien sind so alt wie die Menschheitsgeschichte. Werden solche Invasionen heute geächtet? Brauchen wir zukünftig neue geopolitische Modelle?

Gert Scobel diskutiert mit seinen Gästen: der Professorin für Politikwissenschaft Hanna Pfeifer, dem Mitglied des Europäischen Parlaments Reinhard Bütikofer und dem Leiter der Abteilung Research & Policy der Münchner Sicherheitskonferenz.

Immer wieder führt die Hegemonie einzelner Staaten zu internationalen Spannungen und Konflikten. Militärischen Drohgebärden setzt die EU meistens Diplomatie und Sanktionen entgegen. Kann sie mit dieser geopolitischen Strategie die neue Weltordnung mitgestalten? Geopolitik, die das vielschichtige Verhältnis von Raum und Macht bedenkt, betrifft alle Menschen weltweit. Sie schließt die herkömmliche Geografie – Land, Meer, Atmosphäre oder klimatische Bedingungen – ebenso mit ein, wie die wirtschaftliche Nutzung von Rohstoffen oder Transportwegen.

Die Globalisierung führt einerseits zu stärkeren wirtschaftlichen Verflechtungen und Interdependenzen wie beispielsweise Chinas Projekt der "Neuen Seidenstraße", andererseits aber auch zu neuen Formen der Konkurrenz und Ausübung von Macht über unterlegene Länder. Nach Meinung des Politikwissenschaftlers Parag Khanna ist Globalisierung heute vor allem ein wichtiges Mittel der geopolitischen Steuerung.

Aber nur die Supermächte, einige weltweit agierende Unternehmen, terroristische Gruppen und internationale Kartelle nutzen die Möglichkeiten der Globalisierung für ihre Machtinteressen und Zwecke. Ihre Operationen wirken sich auf viele Länder aus, nicht nur auf die "Großen Drei" - USA, China und Europa. Deshalb versuchen auch Russland, Indien und Brasilien, ihre Einflüsse weltweit zu vergrößern.

In dem 3sat-Wissenschaftstalk mit Gert Scobel wird der gegenwärtige Stand der geopolitischen Kontroversen diskutiert. Festzustellen ist, dass sich in den vergangenen Jahren die politische und wirtschaftliche Macht in Richtung Asien verlagert hat: zunächst nach Japan, dann nach China. Betrachtet man das internationale Kräftemessen der Imperien unter dem Gesichtspunkt der Rezessionen, Pandemien oder Katastrophen, so fällt auf, dass sich die Verhältnisse erneut zu ändern beginnen. Welche Rolle spielen geopolitische Interessen bei der Bewältigung von weltweiten Krisen?

Hanna Pfeifer ist Professorin für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Radikalisierungs- und Gewaltforschung an der Goethe-Universität Frankfurt und der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind unter anderem Außen- und Sicherheitspolitik sowie Herausforderungen und Transformation der liberalen Weltordnung.

Reinhard Bütikofer ist seit 2009 Mitglied des Europäischen Parlaments und Mitglied des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten, in dem er Sprecher der Grünen/EFA Fraktion ist. Außerdem ist er Vorsitzender der Delegation für die Beziehungen zur Volksrepublik China und ist Mitglied der Delegation für die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten.

Tobias Bunde ist Leiter der Abteilung Research & Policy der Münchner Sicherheitskonferenz und forscht am Centre for International Security der Hertie School in Berlin. Seine Schwerpunkte sind unter anderem Außen- und Sicherheitspolitik westlicher Demokratien, Integration und Desintegration internationaler Gemeinschaften sowie Völkerrecht.

3sat
Gespräch/Diskussion
Kultur: Politik allgemein

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