Eine Reise durchs Memelland

Litauens Süden
Film von Wolfgang Wegner
Mi 10. Mär
10:15 Uhr
(Erstsendung: 05.11.2011)
"Nemunas" heißt die Memel auf Litauisch. Die Menschen, die hier leben, nennen ihre Heimat auch "Kleinlitauen". Es sind Menschen, die unterschiedlicher nicht sein können.

Die filmische Reise durchs Memelland beginnt in Smalininkai (Schmalliningken), führt an der Memel entlang nach Rusne (Ruß) am Memeldelta. Weitere Stationen sind Šilutė (Heydekrug), die Kurische Nehrung und Klaipeda, das früher einmal "Memel" hieß.

Der Oberlauf der Memel bildet die Grenze zwischen dem Königsberger Gebiet, dem heute zu Russland gehörenden Teil des ehemaligen Ostpreußens, und Litauen. Im Memeldelta an der Ostsee mündet der Fluss ins Kurische Haff. Am Horizont schimmert die Silhouette der Kurischen Nehrung. Über viele Jahrhunderte war das Memelland eine multikulturelle Grenzlandschaft, in der deutsche Litauer, Juden, Russen, Polen und viele andere friedlich zusammenlebten.

Die Memel hat die Menschen in der Grenzregion zu allen Zeiten geprägt. Die Menschen dort hatten schon immer ein ganz besonders enges Verhältnis zu diesem Fluss, zur Landschaft, durch die er fließt, zur Natur überhaupt.

Eine alte Frau, deren Familie seit Jahrhunderten im Memelland lebt, erzählt von ihrer Kindheit. Der Hof in Bitėnai, auf dem ihr Sohn Mindaugas 200 Milchkühe hält, ist schon 200 Jahre alt. Der junge Bauer mit deutschen Vorfahren ist im Nebenberuf Hundeführer bei der litauischen Grenzpolizei.

Junge Leute aus der Abschlussklasse des Gymnasiums von Šilutė sind begeisterte Mitglieder des Theaterensembles ihrer Schule und wollen einmal Journalisten werden. Und so berichten sie über Kleines und Großes, Bemerkenswertes und Typisches in ihrer Heimat. Über eine neue litauische Folkloregruppe in Rusnė zum Beispiel. Oder über das Schicksal einer Frau in Klaipeda, eines sogenannten Wolfskindes.

Auf der Kurischen Nehrung, die zu den europäischen Sehnsuchtslandschaften gehört, lernt das Filmteam einen deutschen Rechtsanwalt kennen, der beschlossen hat, hier zusammen mit seiner litauischen Frau Wurzeln zu schlagen. In der evangelischen Kirche von Nida (Nidden) läutet er an jedem Sonntag die Kirchenglocken. In Klaipėda, heute Litauens Tor zur Welt, endet die Reise durch das Memelland. Sein prosperierender Hafen ist Teil einer Sonderwirtschaftszone, deren Boom eng mit der Mitgliedschaft in der Europäischen Union verbunden ist.

ARD/RBB/NDR
Dokumentation
Gesellschaft: Alltagskultur

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