Starke Stücke

Maria Stuart

Von Friedrich Schiller, Deutsches Theater Berlin
Sa 15. Mai
20:15 Uhr
Kostüme: Sibylle Wallum
Dramaturgie: David Heiligers
Bühnenbild: Judith Oswald
Inszenierung: Anne Lenk
Regie: Anne Lenk
Fernsehregie: Andreas Morell
Erstausstrahlung
Die eine Königin im Kerker, die andere gefangen in ihrer Position der Macht. Wer frei und wer unfrei ist, bleibt in "Maria Stuart" weit weniger klar, als es auf den ersten Blick scheint.

Die schottische Königin muss nach dem Auftragsmord an ihrem Ehemann fliehen und denkt bei ihrer Halbschwester Schutz zu finden, der sie aber zugleich auch den Thron streitig machen will. - Erstes von drei "Starken Stücken" vom Berliner Theatertreffen 2021.

Die eine katholisch, die andere protestantisch und von einem tiefen Minderwertigkeitskomplex geplagt, da sie sich als uneheliche Tochter des gemeinsamen Vaters immer wieder dem Vorwurf der Illegitimität gegenübersieht: Elisabeth, die Bastardkönigin. Maria ist die schönere, die strahlendere, von Verehrern umworbene, die selbst aus dem Kerker heraus den Männern noch den Kopf verdreht und sie zu Befreiungsaktionen oder Mordanschlägen auf die englische Königin animiert. Beides scheitert mehrmals.

Maria merkt bald, dass ihr die bedingungslose Treue ihrer Anhänger nicht immer zum Vorteil gereicht und schließlich ihr tödliches Schicksal zementiert. Elisabeth zaudert, findet in den widersprüchlichen Meinungen ihrer Berater keine Hilfe und steht mit der Entscheidung, was mit der verhassten Rivalin passieren soll, vollkommen allein da.

Marias Fürsprecher erhoffen sich von einem Aufeinandertreffen der beiden Königinnen Rettung für die Inhaftierte. Doch Marias Stolz wird ihr zum Verhängnis, und die Begegnung endet in einem Wortgefecht, einem Sprachduell, das Elisabeth zutiefst erniedrigt. Schließlich unterzeichnet sie das Todesurteil, steht jedoch nicht zu ihrer Entscheidung. Sie will den Tod Marias, aber nicht die Verantwortung dafür tragen. Berater, engste Vertraute, alle wenden sich von ihr ab. Es ist einsam an der Spitze.

Die Inszenierung am Deutschen Theater zeigt Schillers Figuren alle als Gefangene in einem riesigen Setzkasten. Jeder für sich allein, wirkliche Nähe und damit auch Verständnis für das Gegenüber sind unmöglich. In formaler Strenge schreitet eine Geschichte voran, die von Beginn an ausweglos erscheint. Im Konflikt von Staatsräson und Individuum, Recht und Gerechtigkeit kann es am Ende nur Verliererinnen und Verlierer geben.

Franziska Machens als Maria und Julia Windischbauer als Elisabeth liefern sich einen eindrucksvollen und verzweifelt-einsamen Kampf der Königinnen. Jede in ihrem Abteil des Setzkastens, Herrscherin über das eigene Reich, getrennt durch physische Barrieren, die eigentlich ideologische sind und nicht überwunden werden können.

Redaktionshinweis: 3sat zeigt mit "Maria Stuart" vom Deutschen Theater Berlin eines der insgesamt drei "Starken Stücke" aus der Auswahl der zehn bemerkenswerten Inszenierungen, die von einer Jury ausgewählt und zum diesjährigen Berliner Theatertreffen eingeladen wurden.

Am Samstag, 22. Mai, um 20.15 Uhr folgt "Graf Öderland", eine Koproduktion des Theaters Basel/Residenztheater München. Schauspieler Thiemo Strutzenberger erhält für seine Hauptrolle in "Graf Öderland" den mit 10 000 Euro dotierten 3sat-Preis.

Am Samstag, 29. Mai, um 20.15 Uhr, folgt Anna Gmeyners Stück "Automatenbüffet" vom Burgtheater Wien.

Alle drei "Starken Stücke" sind ab 15. Mai für 120 Tage in der 3sat-Mediathek verfügbar.

Darsteller:
Elisabeth, Königin von England Julia Windischbauer
Maria Stuart,
Königin von Schottland Franziska Machens
Baron von Burleigh Enno Trebs
Graf von Leicester Alexander Khuon
Graf von Shrewsbury Jörg Pose
Graf Aubespine,
französischer Gesandter Caner Sunar
Wilhelm Davison Caner Sunar
Amias Paulet, Hüter der Maria Paul Grill
Mortimer, Paulets Neffe Jeremy Mockridge
Melvil, Freund Marias
aus früheren Tagen Jeremy Mockridge
3sat
Schauspiel

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