Legendäre Badehäuser - Takara-yu, Tokio

Film von Lisa Marie Schnell
So 16. Mai
12:33 Uhr
(Erstsendung: 22.11.2020)
Eines der bekanntesten Badehäuser in Tokio heißt "Takara-yu". 1927 eröffnet, wurde es nach einem Erdbeben 1938 am gleichen Ort im dörflichen Tokioter Viertel Adachi wiederaufgebaut.

Das "Takara-yu" brachte es vor allem durch seinen beeindruckenden Garten zu landesweitem Ruhm. Für diesen Film öffnet das traditionelle japanische Sentō in Tokio seine Pforten und gewährt Einblicke in die Nasszelle und hinter die Kulissen.

In der japanischen Hauptstadt erinnern die Sentōs von außen an Tempel, nicht zuletzt das Ziegeldach ist an die Architektur eines Shintō-Schreins angelehnt. Im Umkleidebereich dominiert Holz als Material, in der Nasszelle sind es vor allem Fliesen in zarten Pastelltönen. Große Becken runden die Badeanlage ab. Die Decken sind hoch, damit die Luft zirkulieren kann.

Ein weiteres Charakteristikum im Sentō ist seit fast 100 Jahren das Landschaftsgemälde: Wasser muss auf diesen Bildern ebenso enthalten sein wie der Vulkan Fuji und eine Abbildung von Kiefern, die in der japanischen Kultur für Glück und Feierlichkeit stehen.

Im Gegensatz zu den spirituell konnotierten Onsen, die auf der ganzen Welt bekannt sind, werden die Sentōs nicht mit heißem Quellwasser gespeist. Sentōs haben alltäglichen Reinigungscharakter und dienen der Hygiene. Darüber hinaus übernehmen sie auch die wichtige Funktion eines sozialen Treffpunkts in ihrem jeweiligen Viertel - vor allem für Tokios ältere Bevölkerung. Bis heute gehen die Bewohnerinnen und Bewohner täglich ins Badehaus, um sich zu waschen und soziale Kontakte zu pflegen.

Die japanische Badekultur spielt sich seit Jahrhunderten in Sentōs ab - in Badehäusern im öffentlich-urbanen Raum. Private Badezimmer gab es in Tokio früher kaum, weil man Angst hatte, dass das Erhitzen von Badewasser zu Wohnungsbränden führen könnte.

ARD/RB
Dokumentation
Kultur: Geschichte allgemein

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