Gute Hoffnung, jähes Ende

Film von Eva Münstermann
(aus der Reihe "NZZ Format")
So 22. Mai
19:12 Uhr
(Erstsendung: 16.12.2021)
Mindestens jede sechste Schwangerschaft endet mit einer Fehlgeburt. Aber viele Frauen trauen sich nicht, offen darüber zu sprechen.

Oft erkennt das Umfeld nicht die Tragweite des Verlusts, begegnet den betroffenen Frauen und Männern nicht als trauernde Eltern, die ihr Kind verloren haben. Ein "NZZ Format" über den Mut, offen über das Tabuthema zu sprechen und so den Umgang damit zu verändern.

Für Mediziner sind Fehlgeburten an der Tagesordnung. Die Natur ist verschwenderisch, nicht alle Embryos wachsen zu lebensfähigen Kindern heran. Grund dafür sind oft Entwicklungsstörungen. Kommt es dann zu einer Fehlgeburt, greift in Praxen und Kliniken oft ein Automatismus: schnell behandeln, schnell operativ entfernen. Angemessen auf den Schock der betroffenen Frau zu reagieren, den Kindsverlust anzuerkennen und in Ruhe zu informieren – dafür fehlen oft das Wissen und auch die Zeit.

Die trauernden Eltern behalten ihre Gefühle für sich, viele empfinden Scham und fühlen sich alleingelassen. Dabei kommen Paare, die sich gut betreut und behandelt fühlen, deutlich besser mit einer Fehlgeburt zurecht. Aber solche Angebote gibt es viel zu selten.

Rahel und Adrian haben vier Fehlgeburten erlebt. Zuletzt Xavier: Sein Herz hörte in der 22. Schwangerschaftswoche auf zu schlagen. Von einer Hebamme unterstützt, die sich auf Fehlgeburten spezialisiert hat, entschied das Paar, die natürliche Geburt abzuwarten, um in Ruhe Abschied zu nehmen. Sie haben den Mut nicht verloren. Im April kam Rahel und Adrians Tochter Salome gesund auf die Welt.

Auch Julia war guter Hoffnung – sie verlor ihren Sohn in der 17. Schwangerschaftswoche. In einem speziellen Rückbildungskurs mit anderen betroffenen Frauen fand sie eine Schicksalsgemeinschaft, die dabei half, das Erlebte zu verarbeiten.

SRF
Magazin
Gesellschaft: Gesundheit, Medizin

Erweiterte Bildfunktionen im ZDF Programmdienst