Rassismus in der Schweiz – Der Sommer, in dem ich
"Schwarz" wurde

Reportage von Kathrin Winzenried
(aus der SRF-Reihe „Reporter“)
Fr 02. Jul
11:00 Uhr
(Erstsendung: 21.10.2020)
Angélique Beldner ist die erste Schwarze News-Moderatorin des Schweizer Fernsehens. Ihre Hautfarbe und den Rassismus, den sie erlebt hat, wollte sie allerdings nie zum Thema machen.

Bis zum Sommer 2020, der alles verändert hat. "Reporter" begleitet Angélique Beldner auf Spurensuche ihrer eigenen Vergangenheit in der Schweiz. Warum hat Beldner Rassismus stets beschönigt und nicht sehen wollen? Warum fällt es ihr so schwer, darüber zu reden?

In Frutigen verbrachte sie ihre ersten Jahre, im Ballungsgebiet von Bern wuchs sie auf: Angélique Beldner, 44 Jahre alt, verheiratet, Mutter zweier Kinder. In einer weitgehend behüteten Umgebung wurde sie groß. Die weiße Mutter alleinerziehend, unterstützt von der Schweizer Großfamilie, der schwarze Vater weit weg.

"Ich bin voll und ganz Schweizerin, realisierte aber schon früh, dass ich anders war. Ich habe diese Erinnerung, wie sich Menschen in den Kinderwagen beugen und meine Haare berühren. Das begleitet mich bis heute und ist mir sehr unangenehm. Leute, die mir ungefragt ins Haar langen, das gibt es immer noch", sagt Angélique Beldner.

Trotzdem: Solche Erlebnisse behält sie für sich. Wenn, spricht sie nur mit ihrer Mutter darüber. Beldners Strategie war stets: Rassismus überhören oder ihn kleinreden. "Bis zu diesem Sommer hat das bestens funktioniert." Doch "Black Lives Matter" hat ihre heile Welt aus den Fugen gebracht: "Auf einmal fragten mich alle nach meiner Meinung zum Thema Rassismus, und ich realisierte: Wenn alle schweigen, so wie ich, wird sich nie etwas verändern", sagt Beldner.

Angélique Beldner spricht mit engen Familienangehörigen erstmals über ihre Hautfarbe und macht dabei auch schmerzhafte Erfahrungen.

SRF
Reportage
Gesellschaft: Gesellschaftliche Problematik /Soziale Brennpunkte

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