Sommer in Schwaz

Film von Anita Lackenberger
Sa 04. Jul
12:16 Uhr
Erstausstrahlung
Schwaz funkelt und glänzt in der Sommersonne. Der Sommer wird in der Tiroler Silberstadt mit vielen Festen gefeiert, die oft aus kirchlichen Traditionen entspringen.

Das erste große Fest im Schwazer Sommer ist die Fronleichnamsprozession. In der Schwazer Stadtkirche versammeln sich die Zünfte, die noch heute aktiven Handwerker der Stadt. Sie tragen die Zunftstangen, von denen manche aus dem 16. sind.

Andere sind für neuere Handwerke erst in den letzten Jahren dazu gekommen. Die Stangen sind mehrere Meter hoch, und an der Spitze ist der Zunftheilige zu sehen. Die Handwerker, die "Tinzl", repräsentieren die Wirtschaft der Stadt und auch die Wirtschaftsgeschichte von alten Handwerken. Die Prozession zieht an viele historische Plätze, die bis heute wichtig sind in der Stadtgeschichte.

Prozessionen sind beliebte Tiroler Sommertraditionen. Die vielen Vereine der Stadt Schwaz - ob Schützen, Kasettlfrauen oder die Musik - präsentieren sich gern und geben den Sommerprozessionen immer ein besonderes Lokalkolorit.

Nur zwei Wochen nach Fronleichnam ist es die Herz-Jesu-Prozession, die durch die Stadt zieht. Das Herz Jesu hat in Tirol eine besondere Bedeutung: ist es doch ein Teil der Tiroler Identität. Am Samstagabend vor dem Herz-Jesu-Sonntag werden die Bergspitzen rund um Schwaz beleuchtet - traditionell mit Herz und Kreuz.

All diese Tage und Feste werden auch mit traditioneller Küche gefeiert: Da gibt es Speckknödelsuppe und Pfundsgröstl, wie das Tiroler Gröstl in Schwaz auch heißt, und nicht zu vergessen die Zillertaler Krapfen - hausgemacht, versteht sich. Ob Sommerfest oder spektakuläres Theater wie das Schwazer Knappenspiel, es lässt sich immer etwas unternehmen in Schwaz.

Im Mittelpunkt des Hohen Frauentages, der am 15. August gefeiert wird, stehen die "Kasettlfrauen" von Schwaz. "Kasettl" wird die Unterinntaler Festtagstracht genannt, die nur gemeinsam mit einem Kasettlhut, einem Kasettlbeutel, einer kostbare Seidenschürze und einer Kropfkette, meist mit Granatstein, perfekt ist. Früher konnten sich diese kostspielige Tracht nur die reichen Bäuerinnen leisten, heute gehört sie für viele junge Frauen oft einfach dazu - auch wenn es nicht weniger kostspieliger ist, sich eine Tracht zu leisten.

Der Sommer soll lange dauern, damit die Kraft der Sonne auch in die Pflanzen findet. Mitte August werden die Kräuter gesammelt. Die Schwazer Kasettlfrauen bereiten Kräutersträuße für den Hohen Frauentag vor. Die Kräutersträuße sollen die Kraft des Sommers nach der Segnung in der Kirche in die Haushalte bringen.

Ein Sommer in Schwaz ist aber auch ein "wilder Sommer". Im Silberwald werden Pilze und Schwarzbeeren gepflückt. Wer genau schaut, entdeckt schöne Stein- oder Herrenpilze, und mit viel Geduld werden auch die Schwarzbeeren, die in Schwaz auch "Moosbeeren" heißen, gepflückt. Und nichts schmeckt besser als ein frisches Steinpilzgröstl und als Nachspeise die "Moosbeerenboscha", die ganz sicher eine blaue Zunge hinterlassen.

Der Abschied vom Sommer wird mit einem spektakulären Almabtrieb gefeiert. Aus dem Karwendel wird das Vieh in einem Tagesmarsch nach Schwaz gebracht. Beim Einzug sind die Tiere mit Blumenkronen, Latschengipfel und Tannenbuschen geschmückt.

Die letzten Sommerfrüchte werden im Garten des Franziskanerklosters gepflückt. Dann verabschiedet sich der Sommer aus Schwaz.

ORF/3sat
Dokumentation
Kultur: Brauchtum und Sitten

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