mare TV: Irlands schönste Klippen

Die Cliffs of Moher
Film von Henning Rütten
Di 07. Jul
18:17 Uhr
(Erstsendung: 16.04.2015)
Über 200 Meter ragen sie senkrecht aus dem Atlantik: die Cliffs of Moher. Die spektakulären Klippen ganz im Westen Irlands haben eine magische Anziehungskraft.

Wagemutige aus der ganzen Welt werfen an der Felskante einen Blick in die Tiefe. Ein raues irisches Leben am Abgrund: Zwischen Doolin und Liscannor und auf den Aran-Inseln wird geklettert, gerettet, geackert, geräuchert, getauscht, gesungen und geflirtet.

Mattie Shannon, Chef einer Einheit der "Irish Coast Guard", hat viel zu tun. Seine Truppe ist in ständiger Alarmbereitschaft. Es kommt vor, dass Wanderer auf den Felsen mit dem Fuß umknicken oder einen Schwächeanfall erleiden. Das sind die harmlosen Fälle. Jedes Jahr gibt es aber auch Todesopfer an den Klippen. Dann sucht die Küstenwache manchmal zwei Wochen lang nach den Leichen.

Trotz aller Gefahren liebt Mattie Shannon die steilen Cliffs. Nur er und ein paar Eingeweihte kennen den Zugang zur großen Grotte, die an wenigen Tagen im Jahr in ein geheimnisvolles Licht getaucht ist - immer dann, wenn die Sonne im perfekten Winkel steht.

Ein paar Kilometer vor den sagenumwobenen Klippen liegen die kargen Aran-Inseln im Atlantik: Inishmore, Inishmaan und Inisheer. Stiofan Joyce ist ein typischer Insulaner. Er hat gleich vier Jobs, damit er sich auf Inisheer über Wasser halten kann. Er verdient sein Geld mit Kartoffeln, mit Kühen, als Kutscher und als Gepäckmann. Von wegen beschauliches Insel-Leben: Alle paar Tage müssen die Kühe auf eine andere Weide. Für den Multijobber bedeutet das, er muss ein Stück der jahrhundertealten Steinmauer abbauen, die Tiere weitertreiben und hinter der Herde die schweren Steine wieder stapeln.

Stiofans Leben ist durchgetaktet, viermal am Tag landet der Flieger aus Galway. Dann geht es schnell ab für ihn zum Koffer schleppen. Das Fährgeschäft zwischen Doolin und den Aran-Inseln ist fest in der Hand von vier Brüdern. Einen von ihnen hört man schon, bevor man ihn sieht: Donny Garrihy schmettert seine Lieder lautstark über den Kai. Donny und seine Brüder sind bestens gelaunt, denn ihr Betrieb läuft. Die Schiffe bringen den Inseln, was sie am nötigsten brauchen: Besucher mit Geld in der Tasche, aber auch Torf für den Kamin. Noch im Hafen tauscht Stiofan, der Bauer, den wertvollen Brennstoff bei Donny gegen Kartoffeln.

Seit über 30 Jahren lebt Birgitta Curtin an den Cliffs of Moher. Ihre Heimat Schweden hat sie mit dem Ziel verlassen, den besten Räucherlachs Irlands herzustellen. Dafür experimentiert sie bis heute mit allen möglichen Zutaten. Seegras und Algen haben es ihr besonders angetan. Entscheidend aber ist der Rauch. Für die besondere Würze holt Birgitta Sägespäne in der Sargmacherei von Dave Talty. Mehr bio geht nicht, denn Daves Eichenholz ist von bester Qualität und gänzlich unbehandelt.

Lisdoonvarna ist das wohl berühmteste Dorf an der irischen Westküste, denn hier werden seit über 150 Jahren Paare verkuppelt. Für ein paar Wochen im Jahr wird der beschauliche Ort zu einem lebhaften Heiratsmarkt. Auf dem "Lisdoonvarna Matchmaking Festival" flirten alle, was das Zeug hält. Bauer und Fischer haben viel Arbeit und wenig Zeit. Wie sollen sie da die Frau fürs Leben finden? Also muss nachgeholfen werden. Das übernimmt der Matchmaker. Er bringt Singles zu einem Tanz zusammen. Der berühmteste Kuppler ist Willie Daly. In seinem dicken Buch hat er Hunderte von Anfragen gesammelt. Zum Beispiel diese: "Suche eine Frau für meinen Sohn. Er ist 72 und braucht Hilfe auf dem Hof und bei den Kühen. Mein Junge ist nicht wählerisch."

ARD/NDR
Reportage
Gesellschaft: Natur/Umwelt/Ökologie

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