Das Rauschen der Isar

Von Wildnis und verborgenen Welten

Film von Sibylle Bassler
Do 22. Jul
21:46 Uhr
(Erstsendung: 24.05.2021)
Die Isar ist kein Fluss – sie ist ein Lebensgefühl: wild, reißend – und manchmal auch gefährlich. Glaubt man zumindest denen, die es wissen müssen. Den Menschen entlang des Wasserlaufs.

Die Isar ist der letzte Wildfluss in Deutschland. Sie entspringt im Karwendelgebirge auf Tiroler Seite. Auf den fast 300 Kilometern, die sie vom Quellgebiet bis zu ihrer Mündung in die Donau zurücklegt, wird sie vom Gebirgsfluss zum Strom.

Auf ihrer Reise entlang der Isar - von der Quelle bis zur Mündung - begegnet ZDF-Reporterin Sibylle Bassler Menschen, die vor allem eins verbindet: Die Isar gilt ihnen als Lebensader. Im Quellgebiet lebt und arbeitet die Sennerin Christine Ackermann. Ihre Alm, so die Tirolerin, sei die einzige, die direkt an der Isar liege. Das Rauschen des Gewässers ist somit ihr ständiger Begleiter und fast schon Musik: unbändig und wild, voller Drang, sich auszutoben, sei der junge Fluss hier oben auf knapp 1000 Metern. Wenn sich das Schmelzwasser aus den Bergen seinen Weg ins Tal bahnt, dann spüre man seine zunehmende Kraft. Seit 15 Jahren betreibt Christine die Alm zusammen mit ihrem Lebenspartner, dem Hirten Roland. Im Sommer kümmern sie sich um Rinder, Ziegen, Schweine, Hühner, Katzen und Hunde. Wenn der Schnee in die Berge zieht, dann kehren die Tiere ins Tal zurück. Ruhe kehrt ein, Zeit, Kraft zu tanken. Bis zum Frühjahr, das je nach Schneelage auch erst mal im Mai beginnt.

Auch für Calla ist die Isar der "Lebensmittelpunkt", wie die 18-jährige Münchnerin sagt. Ein Platz zum Feiern, zum Erholen, zum Steine suchen – und zum Surfen. Auf dem Seitenarm der Isar, dem Eisbach, treffen sich Surfer aus der ganzen Welt. Bei Wind und Wetter – ob es stürmt, schneit, warm oder eiskalt ist – surft die Abiturientin mit ihrer Clique um die Wette. Mit ihren dicken Neoprenanzügen erinnern sie an Pinguine, mitten in der Großstadt. Das Wasser, so Calla, sei einfach ihr Element. Manchmal radelt sie schon morgens um 5.00 Uhr mit ihrem Brett unterm Arm durch die Stadt. Die schönste Art, den Tag zu beginnen, sei für sie, auf der etwa halbmeterhohen Welle zu reiten. Surfen, ins Wasser fallen, aufstehen, und das stundenlang – was daran so faszinierend ist? Es sei ein Stück Freiheit, ein Lebensgefühl, das nur ihr gehört. Bayerisch-Hawaii. Wer braucht da schon Ozeane?

Es gibt sie, diese besonderen Orte, an denen der Mensch mit sich und der Welt im Reinen ist. Die sich gut anfühlen und dem Menschen das geben, was er braucht. Ruhe, Energie, Inspiration oder Entspannung. Hermann Waas lebt an so einem Ort. Die Isar könne man nicht erklären, so der Wasserbauer, man müsse sie sehen und spüren. Denn der Fluss ist im Mündungsgebiet, den letzten 20 Kilometern, bevor er in die Donau mündet, von großer Schönheit. Von seinem alpinen Charakter ist hier nicht mehr viel übriggeblieben. Die Isar breitet sich aus, wird langsamer. Nirgendwo in Europa gebe es ein Mündungsgebiet, das völlig unbewohnt ist, so Hermann Waas. Außer hier, in der Gegend von Donau und Isar.

Das Zusammentreffen mit der Donau – ein Naturereignis. Jede freie Minute fährt Hermann Waas mit dem Boot durch die kilometerlange Auenlandschaft. Der passionierte Fischer engagiert sich für den Artenschutz und den Erhalt der zahlreichen Fischarten, auch, indem er jedes Frühjahr unzählige Fische in die Isar setzt. "Man muss dem Fluss viel mehr zurückgeben als das, was man ihm nimmt", so seine Überzeugung, nur so bleibe der Mensch im Einklang mit der Natur.

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