kinokino

Shortcuts
Do 05. Aug
04:13 Uhr
(Erstsendung: 03.08.2021)
Die "kinokino-Shortcuts" liefern eine Schnellkritik zu den Kinostarts der Wochen 31 bis 33.

"kinokino" stellt die Tops und Flops der Startwoche vor: Kurze, prägnante und auf den Punkt gebrachte Kritiken von der "kinokino"-Redaktion.

Kinoneustarts KW 31

"Fabian oder der Gang vor die Hunde": Basierend auf Erich Kästners Roman "Fabian oder der Gang vor die Hunde" lässt sich Werbetexter Jakob Fabian in Berlin mit seinem besten Freund Labude, einem Revolutionär aus gutem Haus, 1931 durchs Leben treiben. Das sorglose Leben der beiden jungen Männer wird durch eine durch Kommunisten und Nationalsozialisten geteilte Gesellschaft zunehmend bedroht. In "kinokino" erzählt Regisseur Dominik Graf über das auch heute aktuelle Drama in Zeiten des gesellschaftlichen Umbruchs.

"Kaiserschmarrndrama": Zum siebten Mal ermittelt Dorfpolizist Franz Eberhofer in einer Verfilmung der Bestseller-Heimatkrimis von Rita Falk. Dieses Mal wird es pikant: Eine junge Frau, die als "Mona" Stripshows im Internet angeboten hat, wurde ermordet im Wald gefunden. Verdächtig sind vor allem Monas Kunden – darunter einige Freunde von Eberhofer. Ausgerechnet jetzt sitzt sein aufdringlicher, aber stets hilfreicher Co-Ermittler Rudi nach einem Unfall im Rollstuhl und gibt Eberhofer die Schuld. In "kinokino" verrät Sebastian Bezzel was die Eberhofer-Welt mit dem gallischen Dorf aus den Asterix-Comics gemeinsam hat.

"Quo Vadis, Aida?": Bosnien, Juli 1995. Aida ist Übersetzerin für die UN in der Kleinstadt Srebrenica. Als die serbische Armee die Stadt einnimmt, gehört ihre Familie zu den Tausenden von Menschen, die im UN-Lager Schutz suchen. Als Dolmetscherin in den Verhandlungen hat Aida Zugang zu entscheidenden Informationen. Sie versucht dabei, Lügen und Wahrheiten auseinanderzuhalten, um herauszufinden, wie sie ihre Familie und ihre Landsleute retten könnte. Regisseurin und Drehbuchautorin Jasmila Žbanić berichtet in "kinokino" über ihre filmische Verarbeitung des Bosnienkrieges.

"Look Me Over – Liberace": Er war die erste Las-Vegas-Ikone, Prunk-Pianist, Showgigant und Idol für Millionen: Liberace! "I'm a one-man-Disneyland!" So legendär Liberaces Auftritte waren, so paradox war sein Privatleben: Kein anderer Künstler kultivierte schwule Selbstinszenierung derart glitzernd auf den größten Bühnen, doch öffentlich stritt Liberace seine Homosexualität stets vehement ab. 1987 starb er an den Folgen von Aids. In "Look Me Over – Liberace" begibt sich Regisseur Jeremy J.P. Fekete auf die Suche nach dem Menschen hinter der schillernden Maskerade des "Mr. Showmanship".

Kinoneustarts KW 32

"Die Welt wird eine andere sein": Mitte der 90er verlieben sich die beiden Studierenden Saeed und Asli ineinander und heiraten gegen den Willen der Eltern heimlich in einer Hamburger Moschee. Asli versucht zwischen Selbstbestimmung, ihrem traditionellen Elternhaus und ihrer aufopfernden Liebe ihren Weg zu finden. Dann verschwindet Saeed. Seine Entscheidung verändert Aslis Leben, bevor er die ganze Welt erschüttert.

"Albträumer": Die 17-jährige Rebekka versucht vergeblich, den Suizid ihres Bruders zu verarbeiten. Ihre Eltern sind vor allem mit dem Aufrechterhalten ihrer bürgerlichen Fassade beschäftigt und haben, wie auch die Dorfgemeinschaft, längst einen "Schuldigen" an Dennis' Tod ausgemacht: Vincent, seinen besten Freund, der damals gemeinsam mit ihm von der Brücke gesprungen ist und den Sturz wie durch ein Wunder überlebt hat. Als dieser nach langer Abwesenheit in den kleinen Ort im Schwarzwald zurückkehrt, reißen die alten Wunden wieder auf. Regisseur Phillip Klinger und Hauptdarstellerin Sarah Mahita erzählen in "kinokino" von diesem emotionalen Coming-of-Age-Drama.

"Nahschuss": Franz Walter (Lars Eidinger) erhält ein attraktives Angebot vom Auslandsnachrichtendienst der DDR. Geblendet von den vielen Vorzügen, die der neue Job mit sich bringt, nimmt er das Angebot an. Zunächst scheinen Franz' Missionen lediglich dem Informationsbedarf der DDR zu dienen, doch als er plötzlich zu Mitteln greifen muss, die er nicht länger mit seinem Gewissen vereinbaren kann, entschließt er sich auszusteigen – doch der Geheimdienst will ihn nicht gehen lassen. Bald ist Franz bereit alle Grenzen zu überschreiten, alles zu riskieren. Eidinger erklärt im "kinokino"-Interview, warum diese Biografie, angelehnt an Werner Teske, der am Unrechtssystem der DDR zerbricht und zum Tode verurteilt wird, heute noch relevant ist.

"New Order - Die neue Weltordnung": In diesem dystopischen Drama gerät eine verschwenderische Hochzeit der Oberschicht in einem unerwarteten Aufstand des Klassenkampfes aus den Fugen, der in einen gewaltsamen Staatsstreich mündet. Aus der Sicht der empathischen jungen Braut und der Bediensteten, die für - und gegen - ihre reiche Familie arbeiten, zeichnet der Film den Zusammenbruch eines politischen Systems nach, das durch ein noch erschreckenderes System ersetzt wird. Der preisgekrönte mexikanische Filmemacher Michel Franco berichtet in "kinokino" von einer gespaltene Gesellschaft, die von sozialen und wirtschaftlichen Unterschieden geprägt ist.

Kinoneustarts KW 33

"Doch das Böse gibt es nicht": Dieser Episoden-Film erzählt in loser Verbundenheit vier Geschichten über Menschen, deren Leben vor existenziellen Herausforderungen stehen. Regisseur Mohammad Rasoulof bricht hier eine Art stillschweigendes Bildverbot zum Thema Todesstrafe im Iran. Sein Film wirft die Fragen auf, wie integer ein Mensch in einem absoluten Regime bleiben kann, welche moralische Schuld er ertragen kann, ohne zu zerbrechen, und zu welchem Preis es gelingt, die individuelle Freiheit zu bewahren. Dafür wurde er im vergangen Jahr mit dem Goldenen Bären bei der Berlinale ausgezeichnet.

"König der Raben": Darko ist ein Überlebenskünstler. Seit Jahren schlägt sich der 22-jährige Mazedonier mit seinen besten Freunden irgendwie durch, ohne Aufenthaltserlaubnis, geht immer in Deckung vor der Polizei. Um sich und seine kranke Mutter über Wasser zu halten, verkauft er alte Autoteile und züchtet Tauben, die er auf Hochzeiten fliegen lässt. Als er bei einer Feier die geheimnisvolle Künstlerin Alina kennenlernt, wirft er sich voller Leidenschaft in eine Affäre mit ihr. Doch die Liebe zu Alina entfernt Darko immer weiter von dem, was ihm bis dahin Halt gegeben hat. Plötzlich steht sein großer Traum von einer besseren Zukunft auf dem Spiel.

"Der Masseur": In einer osteuropäischen Hauptstadt taucht eine mysteriöse Gestalt auf – ein Mann, der eine Liege mit sich herumträgt und sich mithilfe magischer Hypnosetechniken eine Aufenthaltsgenehmigung verschafft und in einer reichen Vorstadtsiedlung seine Dienste als Masseur anbietet. In "kinokino" geben das Regie-Duo Małgorzata Szumowska und Michał Englert sowie Hauptdarsteller Alec Utgoff Einblick in diese vom BR koproduzierte satirische Zuspitzung einer Welt, die geprägt ist von Widersprüchen und Absurditäten, von Abschottung und der sich vergrößernden Kluft in der Gesellschaft.

"Promising young woman": Die ehemalige Medizinstudentin Cassie (Carey Mulligan) gilt als "vielversprechende, junge Frau". Bis der Selbstmord ihrer besten Freundin sie aus der Bahn wirft. Ihre Nächte schlägt sich die junge Frau fortan in Bars um die Ohren. Dort vermuten die Männer hinter Cassies vermeintlich äußerst betrunkener Fassade leichte Beute. Ein fataler Irrtum. Diesen Männern erteilt Cassie eine Lehre, die sie nicht so schnell vergessen werden. Ein vielschichtiger und brandaktueller #MeToo-Rache-Thriller, der mit dem Oscar für das Beste Drehbuch prämiert wurde.

ARD/BR
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