Albtraum Südafrika - Weiße Farmer fliehen

Reportage von Simon Christen
(aus der SRF-Reihe "Reporter")
Do 05. Aug
03:10 Uhr
(Erstsendung: 26.08.2020)
1990 wurde Nelson Mandela aus der Haft entlassen. Er träumte von einer "Regenbogennation, im Frieden mit sich selbst und der Welt". Heute sind Überfälle und Morde Alltag in Südafrika.

Weiße Farmer fühlen sich besonders bedroht. Wer kann, verlässt das Land. Reporter Simon Christen besuchte Rolf Bill auf seiner Farm nahe Johannesburg, die er vielleicht schon bald verlassen muss.

Der inzwischen 73-jährige Rolf Bill hatte schon als Kind von einem eigenen Bauernhof geträumt. 1970 wanderte er von der Ostschweiz nach Südafrika aus und wurde schließlich Farmer. Heute leben er und seine Frau Bessie in ständiger Angst, denn die Gewalt hat das Land fest im Griff. Aus dem Traum wurde ein Albtraum. Wer kann, flieht – oder versucht, sich zu schützen. Rolf Bill zeigt seine geladene Pistole, die er in seinem Nachttisch aufbewahrt. Die gebe ihm eine gewisse Sicherheit.

Südafrika ist eine Projektionsfläche für viele Schweizer mit Fernweh: Kapstadt und der Tafelberg, gigantische Wildreservate wie der berühmte Krügerpark, die traditionelle Lebensweise in der Kalahari-Wüste, Wale und Haie aus nächster Nähe. Trotzdem antwortet Rolf Bill auf die Frage, ob er heute noch jemandem empfehlen würde, nach Südafrika auszuwandern und Farmer zu werden, mit einem klaren "Nein!" Neben der Sicherheit beschäftigt ihn derzeit vor allem auch eine geplante Landreform. Schon bald sollen Enteignungen ohne Entschädigung möglich sein.

Nelson Mandela suchte nach der Apartheid die Versöhnung. Eines der zentralen Anliegen war die gerechtere Verteilung des Landes. Mandela hoffte, dieses Problem werde sich von allein lösen. Dem war allerdings nicht so. Weiße kontrollieren immer noch 70 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen. Das soll sich mit besagter Landreform ändern.

SRF
Reportage
Gesellschaft: Gesellschaftliche Problematik /Soziale Brennpunkte

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