WissenHoch2

scobel - Jugend nach Corona

Do 12. Aug
21:00 Uhr
Erstausstrahlung
Wie geht es Kindern und Jugendlichen nach Corona? Studien zeigen: Sie sind während der Pandemie zu kurz gekommen. Sie fühlen sich vernachlässigt und vergessen. Das muss sich dringend ändern.

Was belastet Jugendliche, was hat sich positiv verändert – und wie sehen sie ihre Zukunft? Gert Scobel diskutiert mit seinen Gästen: Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge, Professorin für Sozialpädagogik Sabine Andresen sowie Bildungsforscherin Cordula Artelt.

Kinder und Jugendliche mussten während der Coronapandemie auf vieles verzichten: Schulunterricht in Präsenz, Klassenfahrten, Schüleraustausch, Feiern, Tanzschule, Sport treiben, Reisen oder auch schlichtweg Freunde treffen. Das alles war nicht mehr möglich.

Doch nicht nur die Pandemie machte der Jugend einen Strich durch die Rechnung: Erneut scheiterte der Versuch, Kinderrechte explizit im Grundgesetz zu verankern. Die Kinderarmut steigt – und die Schulkonzepte, deren Schwachstellen wie das gemeinsame Lernen im internationalen Vergleich klar und empirisch belegbar seit Jahren existieren, werden auf absehbare Zeit nicht behoben werden. Jugendliche und Kinder monieren zu Recht, dass seit Jahren ihre Interessen von der Politik kaum oder gar nicht gesehen werden. Jugendliche sind eine schwache Lobbygruppe in einer alternden Gesellschaft.

Auch im Gesundheitssystem kommen sie zuletzt. Kinder und Jugendliche gehören zu denen, die als letzte geimpft werden. Sie werden immer wieder ermahnt, Rücksicht auf ältere Menschen zu nehmen. Gleichzeitig fühlen sie sich pauschal verdächtigt, nicht solidarisch zu sein, sondern mit riskanten Treffen und Partys zur Ausbreitung der Pandemie beizutragen. Jugendliche fühlen sich verurteilt und vor allem von der Politik nicht ernstgenommen. Zwei Drittel von ihnen sagen, dass wie während des zweiten Shutdowns nicht gehört wurden. Viel Frustration also.

Das belegt eine aktuelle Befragung, die in Kooperation mit der Bertelsmann Stiftung durchgeführt wurde. 7000 junge Menschen zwischen 15 und 30 Jahren wurden zu ihren Erfahrungen während der Pandemie befragt. 69 Prozent haben Zukunftsängste entwickelt, zwei Drittel von ihnen gaben an, psychisch belastet zu sein. Dafür gibt es gute Gründe: Die Zahl der Ausbildungsplätze geht stetig zurück, Praktika werden abgesagt. Der Übergang von Schule ins Studium verläuft digital und ohne echte Kontakte. Die Chancen, neue Erfahrungen zu machen, Freundinnen und Freunde zu finden, sich zu verlieben, aber auch in Beruf und Studium durch persönlichen Kontakt zu lernen, sind so reduziert wie nie. All das, was das Jungsein interessant und schön macht, ist weggefallen. Nicht nur aus diesem Grund fühlen sich 61 Prozent der jungen Bevölkerungsgruppe einsam.

Weitere Pandemie-Wellen werden kommen. Wie also denken Jugendliche über ihre eigene Position in der Gesellschaft nach? Was sind ihre Hauptprobleme – und welche Forderungen hat die Jugend an die Politik, die ja weitgehend von älteren Menschen gemacht wird? Was müsste getan werden? Gute Konzepte für digitale Schule und moderne Bildung fehlen außerdem immer noch - nach fast eineinhalb Jahren Pandemie.

Zu Gast bei Gert Scobel sind:

Christoph Butterwegge ist ein renommierter Politikwissenschaftler, dessen Schwerpunkt seit Jahrzehnten die Erforschung der Gründe für die steigende Armut in Deutschland sind.

Sabine Andresen lehrt als Professorin für Sozialpädagogik an der Goethe Universität in Frankfurt am Main. Ihre Schwerpunkte liegen im Bereich der Kindheits- und Jugendforschung.

Cordula Artelt ist Inhaberin des Lehrstuhls für Bildungsforschung im Längsschnitt an der Universität Bamberg und Direktorin des Leibniz-Instituts für Bildungsverläufe.

3sat
Gespräch/Diskussion
Gesellschaft: Schule, Erziehung, Ausbildung

Erweiterte Bildfunktionen im ZDF Programmdienst