Simon & Jan: "Halleluja!"

3sat-Zelt Mainz, September 2017
Fr 06. Sep
05:49 Uhr
Regie: Volker Weicker
Simon & Jan kombinieren filigrane Gitarren, Harmoniegesang und bitterbös-komische Texte derart meisterhaft, dass sie in kürzester Zeit zur festen Größe der Kleinkunstszene geworden sind.

Intelligente Texte aus popkulturellen Versatzstücken, schräge Reime, deren hintergründiger Sinn sich manchmal genüsslich langsam im Gehirn entfaltet, und überraschende Wendungen, Ecken und Kanten: Das zeichnet das Liedermacher-Duo aus.

Und musikalisch bieten die zwei Gitarristen eine Ohrenweide. Feiner Harmoniegesang wechselt sich mit a-cappella-artigen Rhythmusfiguren ab, souveräne Stilwechsel jagen durch die Songs, und wunderschöne Gitarrenarrangements hüllen die oft bitterbösen und skurrilen Textzeilen in einen Harmoniemantel, der dann schlagartig fallen gelassen wird und das Publikum lachend aus der Genusswolke reißt.

Auch in ihrem Programm "Halleluja!" wird der Erwartungshaltung des klassischen Kabarettpublikums von den beiden Mittdreißigern mit diabolischem Spaß ein Bein nach dem anderen gestellt. Hier wird dem Bürger aufs Maul, in den Kopf und in den Facebook-Account geschaut. Man fühlt sich angesprochen und gemeint, genauso wie zuweilen ertappt und entlarvt. Sie singen sich in den Kopf ihres Zuhörers, um ihn sogleich vor selbigen zu stoßen. Und wenn sie ihr Publikum doch einmal bei der Hand nehmen, dann nur, um es sanft in den nächsten Abgrund zu reißen. Dabei sind ihre Texte saukomisch, teils ins Absurde überdreht und die zeitgeistigen Grenzen der politischen Korrektheit gern mal übertretend. Sie stehen mit Riesenmagneten vor Piercing-Shops, begeben sich auf die Suche nach der Eierleckenden Wollmilchsau, und das moralische Dilemma der Wohlstandsgesellschaft klingt bei ihnen in etwa so: "Mein Leben ist ein Ponyhof, doch leider find' ich Ponys doof."

Ein Halleluja auf das musikalischste Himmelfahrtskommando, seit es Liedermacher gibt.

3sat
Kleinkunst/Kabarett

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