Stolperstein

Mit jedem Schritt mehr Freiheit
Ganzheitliche Förderung mit der Petö-Therapie
Fr 25. Sep
11:31 Uhr
Film von Beatrice Sonhüter
(Erstsendung: 15.08.2017)
Nach der Geburt von Simon diagnostizierten die Ärzte eine spastische Lähmung und stellten die Prognose, dass er nie würde gehen können. Damit wollten sich die Eltern nicht abfinden.

Durch Zufall stießen sie auf "Konduktive Methode", die der ungarische Arzt András Petö (1893 - 1967) entwickelt hat. Der nun 30-jährige Simon von Quadt führt heute ein selbstbestimmtes, nur wenig eingeschränktes Leben.

Die Konduktive Förderung ist ein ganzheitliches Förderprogramm für Menschen mit spastischen Lähmungen. Dabei werden die verschiedensten Fähigkeiten trainiert und zusammengeführt. Angestrebt wird eine Verbesserung der Grob- und Feinmotorik, der Sprach- und Denkentwicklung, der Bewältigung von Alltagssituationen. Im Zentrum steht die Arbeit der Therapeuten, der "Konduktoren". Sie führen ein intensives und sehr anstrengendes Trainingsprogramm mit den Patienten durch. Sie sind quasi Physio-, Sprach- und Beschäftigungstherapeuten in einer Person.

Peter von Quadt fährt 1989 nach Budapest ans Petö-Institut und ist beeindruckt von den augenscheinlichen Erfolgen dieser Therapie. Doch die Konduktive Förderung wurde damals nur in Ungarn angeboten. Die Quadts krempeln ihr Leben komplett um: Hanni kündigt ihren Job als Erzieherin und fährt mit Simon jeweils für viele Wochen im Jahr nach Budapest, um ihn dort behandeln zu lassen. Nach mehreren Aufenthalten hat Simon tatsächlich selbstständig stehen und gehen gelernt.

Die Quadts wissen, dass sie privilegiert sind - allein schon durch ihre Möglichkeit, immer wieder nach Ungarn zu reisen. Sie möchten deshalb, dass auch andere Kinder gefördert werden können. Beflügelt vom Erfolg ihres Sohnes gründen Hanni und Peter von Quadt 1994 den Verein "FortSchritt e.V.", der sich die Etablierung der Petö-Methode in Deutschland zur Aufgabe macht. Trotz vieler bürokratischer Hürden haben sie schließlich Erfolg.

Die Autorin hat Simons Entwicklung und die Arbeit der Familie von Quadt seit den 1990er-Jahren mehrfach mit der Kamera begleitet. Auf diese Weise wurde die Dokumentation zu einer eindrucksvollen Langzeitbeobachtung.

ARD/BR
Dokumentation
Gesellschaft: Seelsorge/Lebenshilfe

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