Schätze der Welt - Erbe der Menschheit

Île Saint-Louis, Senegal Stadt der Frauen

Film von Eva Witte
So 27. Sep
19:42 Uhr
(Erstsendung: 05.11.2006)
Keine Bäume, keine Kräuter, kein Gemüse. Was mag die Franzosen nur bewogen haben, 1659 einen Sandhaufen zu besiedeln, den die Stämme am Kap Vert in Westafrika immer gemieden haben?

92 000 Taler und wahrscheinlich ein paar Fässer Branntwein zahlten die Franzosen für das 300 mal 2500 Meter schmale Handtuch in der Mündung des Senegal Flusses. Île Saint-Louis wurde ihr Ankerplatz, ihre Bastion auf der Handelsroute Indien - Südamerika.

Ein Handelskontor und ein Fort - als Verteidigung ein Witz und als Wohnstatt bar jeglichen Komforts. Eine rein strategische Entscheidung der Franzosen im Kampf der europäischen Mächte um die Reichtümer des afrikanischen Hinterlands - Gold, Elfenbein, Gummiarabikum.

Drei Wochen und 4500 Kilometer von der Heimat entfernt litten die Franzosen unter dem Klima - feuchte Kühle vom Atlantik im rauen Wechsel mit heißen Sandstürmen von der Wüste, dazu Gelbfieber-Epidemien, Darmkrankheiten, Malaria. "Le tombeau des Européens", "Grab der Europäer", wurde Saint Louis auch bezeichnet. Trost gab es nur für diejenigen, die zu schnellem Reichtum gelangten, oder für jene, welche die Stationierung in den Häusern und Armen einheimischer Frauen überlebten.

"Marriage à la mode du pays": Mit der Hochzeit nach Landessitte erlangten schwarze Frauen gesellschaftliche Anerkennung und die französischen Besatzer eine vorübergehende Annehmlichkeit ihres Aufenthalts. Die gemeinsamen Kinder bildeten im 18. Jahrhundert eine aufstrebende Mischlingsaristokratie. Mit ihr entwickelte sich Saint-Louis zu einer Stadt mit ganz eigener Architektur und bis ins 19. Jahrhundert zur Hauptstadt des französischen Kolonialreichs in Westafrika. Mit dem Ende dieser Ära und der Verlegung der senegalesischen Hauptstadt nach Dakar 1958 endet ein Abenteuerroman. Saint-Louis wird nach und nach wieder zurückerobert von Afrika und dem Wüstensand.

ARD/SWR
Dokumentation
Kultur:

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