Fiction for Future – Von der Apokalypse lernen

Film von Viola Löffler
Sa 06. Nov
21:46 Uhr
Erstausstrahlung
Weltuntergangsvisionen in Film oder Literatur haben Zukunftsszenarien entworfen, die nur allzu oft Wirklichkeit zu werden scheinen. Hätten wir auf Katastrophen vorbereitet sein können?

Wenn wir Kino oder Literatur ernster genommen hätten, wüssten wir dann souveräner mit den Folgen der Pandemie umzugehen? Katastrophengeschichten haben uns oft gezeigt, dass wir dem "mad scientist" mehr vertrauen sollten, statt ihn als wahnhaft einzuordnen.

Endzeitserien wie "Fear the Walking Dead" haben nur allzu beklemmend gezeigt, dass im Angesicht der Apokalypse Vorratshaltung - im echten Leben Hamsterkäufe und das Horten von Toilettenpapier - zwar kurzfristig die eigene Versorgung sichert, aber keinesfalls Schutz vor der eigentlichen Bedrohung bietet.

Und ein Endzeitklassiker wie "Contagion" predigte schon vor 2011, dass Handhygiene und Atemschutzmasken unerlässlich sind, wenn eine globale Pandemie eingedämmt werden soll. Können wir also von fiktionalen Apokalypsen lernen?

Der Film "Fiction for Future – Von der Apokalypse" fragt Altmeister des Genres wie Roland Emmerich, Terry Gilliam und Frank Schätzing, was uns die alptraumhaften Erzählungen vom Untergang über die Schrecken unserer Zukunft verraten. Wie werden globale Herausforderungen wie der Klimawandel und Pandemien unser Leben verändern? Können wir die großen Herausforderungen unserer Zukunft meistern? Und wenn ja, wie?

Fristen wir demnächst unser Dasein auf einem unwirtlichen Dürreplaneten, wie es der Film "Hell" suggeriert? (Er)frieren wir in ewigen Eiswüsten, wie es uns Filme wie "Snowpiercer" und "The Day After Tomorrow" ausmalen? Oder dümpeln wir in schwimmenden Verschlägen auf einer unwirtlichen Wasserlandschaft dahin wie in "Waterworld"? Wie wird unser Zusammenleben aussehen, was wird bleiben von Werten und Moral im Überlebenskampf?

Bis vor Kurzem dachten wir noch, die Emanzipation sei eine unumkehrbare Errungenschaft der Neuzeit. Doch der Lockdown hat uns blitzschnell eines Besseren belehrt: Es scheint, als fielen wir in der Krise nur allzu schnell in antiquierte Geschlechterrollen zurück. Wo wird sich angesichts einer epochalen Bedrohung die Rolle der Frau einpendeln im Spannungsfeld zwischen wandelndem Brutkasten wie in "The Handmaid's Tale" und androgyner Kampfmaschine wie in "The Matrix"?

Was erzählt uns das Genre über die Gefahren von Zukunftstechnologien? Werden wir angesichts immer ausgefeilterer Algorithmen und omnipräsenter Überwachungstechnik zu gläsernen Menschen, wie es Theresa Hannig und Zoë Beck in ihren dystopischen Romanen entwerfen? Oder müssen wir angesichts immer intelligenter werdender Maschinen unser Menschsein komplett neu definieren, wie es der Manga "Ghost in the Shell" und das Game "Cyberpunk 2077" suggerieren?

Während der Coronapandemie erlebt das Endzeit-Genre einen regelrechten Boom. "Contagion", obwohl zehn Jahre alt, hat es in die Top Ten der iTunes-Charts geschafft, TV-Sender und VoD-Anbieter senden höchst erfolgreich Katastrophenszenarien. Woher kommt das gesteigerte Interesse an dem Genre? Auf welche soziopsychologischen Bedürfnisse reagiert es? Bannt die Anschauung der fiktionalen Katastrophe unsere Ängste vor den realen Gefahren? Es scheint, als sollten uns in diesen unsicheren Zeiten die Endzeit-Stories etwas über unsere ungewisse Zukunft erzählen. Sind sie eine Art virtuelle Generalprobe für die Krise? Erhoffen wir uns von den apokalyptischen Geschichten einen Verhaltenskodex für die Pandemie, eine Gebrauchsanweisung für die globale Erderwärmung, ein Überlebenshandbuch für die Apokalypse?

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