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Milo Rau © IIPM/Thomas Müller

3sat-Preis 2017 an Milo Rau

"In vielerlei Hinsicht, eine komplizierte Produktion", so der Theaterregisseur bei der Verleihung

Am Samstagabend (13. Mai 2017), überreichte die 3sat-Koordinatorin Dinesh Kumari Chenchanna beim 54. Theatertreffen den mit 10.000 Euro dotierten 3sat-Preis an den Schweizer Theaterregisseur und -autor Milo Rau für seine Inszenierung "Five Easy Pieces". Das mutige, die Zuschauer herausfordernde Stück handelt vom Leben und den Verbrechen des Belgiers Marc Dutroux, nachgestellt von Kindern zwischen 8 und 13 Jahren. Die Verleihung fand in den Berliner Sophiensaelen im Anschluss an die Berliner Premiere von "Five Easy Pieces" statt.

"Den Fall Dutroux mit dem Stück 'Five Easy Pieces' auf die Bühne zu bringen scheint unerhört, ist aber in der Umsetzung durch Regisseur Milo Rau eine Arbeit, die erschüttert und dennoch Hoffnung macht. 3sat unterstützt mit seinem Preis eine einzigartige Theaterarbeit, die sich sowohl auf künstlerischer wie auch auf historischen und soziologischen Ebenen mit dem Thema Kindesmissbrauch auseinandersetzt", so die 3sat Koordinatorin Dinesh Chenchanna bei der Preisverleihung.

Milo Rau nahm den 3sat-Preis auf der Bühne zusammen mit seinem Ensemble entgegen und bedankte sich für die Auszeichnung: "'Five Easy Pieces' war, in vielerlei Hinsicht, eine komplizierte Produktion. Allein die Castings dauerten mehrere Monate, die Proben ein halbes Jahr. Und immer wieder kam es auf unserer Tour durch bisher 13 Länder zu Problemen: In Singapur gab es eine Altersbeschränkung ab 18 Jahren, in München wurde eine Szene zensiert, in Paris versuchte die christdemokratische Partei das Stück per Petition zu verhindern, in Frankfurt und Manchester wurde uns die Aufführung ganz untersagt. Dabei ist der einzige "Skandal", wie unglaublich fein und souverän die jungen Darsteller ihre Rollen spielen. Wir alle freuen uns sehr über diesen mutigen Preis!"

Seit 1997 vergibt 3sat als Medienpartner des Berliner Theatertreffens jährlich den 3sat-Preis für eine künstlerisch innovative Leistung an eine/n oder mehrere Künstlerinnen und Künstler aus dem Kreis der eingeladenen Ensembles. Bisherige Preisträger waren unter anderen Herbert Fritsch, Sandra Hüller und Christoph Schlingensief.

Die Jury begründete ihre Entscheidung damit, in welcher Weise Milo Rau die Umsetzung dieses schwierigen Themas gelungen ist: "Den belgischen Mädchenmörder und Sadisten Marc Dutroux zum Gegenstand eines Theaterstücks zu machen und dafür überwiegend Kinder auf die Bühne zu stellen, ist in der Tat eine Kühnheit. Herz und Verstand erwarten in so einem Fall schweres dokumentarisches Geschütz. Aber der Schweizer Milo Rau verarbeitet den Stoff mit einer Leichtigkeit, die jedes Publikum in ihren Bann zieht. Rau macht das Ungeheuerliche zwar nicht erträglich, aber er macht es erzählbar, und er stellt dabei grundsätzliche Fragen nach der Gewaltstruktur zwischen Minderjährigen und Erwachsenen. So feiern Raus 'Five Easy Pieces', was die Dutrouxs dieser Welt vernichten wollen: kindliche Weisheit, kindlichen Willen, kindlichen Trotz."

Unter dem Motto "Starke Stücke" zeigt 3sat vier herausragende Inszenierungen vom diesjährigen Theatertreffen in seinem Programm. Nachdem "Drei Schwestern" und "Traurige Zauberer" bereits am 6. und 13. Mai ausgestrahlt wurden, zeigt 3sat am Samstag, 20. Mai, ab 20.15 Uhr, mit "89/90" vom Schauspiel Leipzig eine weitere Aufzeichnung vom Berliner Theatertreffen; im Herbst 2017 folgt "Die Räuber" vom Münchner Residenztheater.

Service

Bilder von Milo Rau finden Sie hier.

Presse und Öffentlichkeitsarbeit 3sat 
Ihre Ansprechpartnerin:
Jessica Zobel
(06131-701 6293)
zobel.j@3sat.de
Mainz, 13. Mai 2017

 

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