Der angehende Filmemacher Jazis (Kārlis Arnolds Avots) gerät mit seiner Kamera in die Unruhen im Januar 1991 in Riga (c)ZDF/Wojciech Staroń

Aufstand in Riga 1991: 3sat zeigt Spielfilm "Januar" anlässlich des Filmfestivals "goEast"

Litauen, Lettland, Polen, 2022

Jazis träumt vom Filmemachen und von der Liebe. Doch der Protest seiner Landsleute ändert alles. 3sat zeigt das kraftvolle Drama "Januar" vor dem Hintergrund des lettischen Unabhängigkeitskampfs im Januar 1991 als Erstausstrahlung im Rahmen seiner langjährigen Medienpartnerschaft mit dem Wiesbadener "goEast - Festival des mittel- und osteuropäischen Films" (24.-30.4.2024). Lettland reichte "Januar" von Regisseur Viesturs Kairišs 2023 als Beitrag für die Oscarverleihung 2023 in der Kategorie "Bester internationaler Film" ein. Bereits am Samstag, 20. April 2024, 22.50 Uhr, ist der Spielfilm "Márta sucht János" (Ungarn 2020) von Lili Horvát anlässlich des Filmfestivals "goEast" zu sehen. 

Film
Sa 27. Apr
23:05 Uhr
Erstausstrahlung

goEast

Samstag, 20. April 2024, 22.25 Uhr

"Márta sucht János"

Spielfilm (87 Min) · Ungarn 2020 · ZDF/3sat

Regie: Lili Horvát

Die 40-jährige Márta (Natasa Stork) ist Ungarin, hat ihr Heimatland aber vor vielen Jahren verlassen ‎und lebt nun in den USA, wo sie als Neurochirurgin arbeitet. Bei einem Kongress dort ‎macht sie die Bekanntschaft von János (Viktor Bodó). Auch er ist Neurochirurg und Ungar. Für ‎Márta ist klar: Das ist der Mann ihres Lebens! Noch nie hat sie so starke Gefühle für ‎jemanden empfunden. Einige Monate später lässt sie ihre Karriere sausen und kehrt ‎nach Ungarn zurück. Aber in Budapest taucht János am verabredeten Ort zur verabredeten Zeit nicht auf. Irritiert ‎und enttäuscht macht Márta sich auf die Suche nach ihm, doch als sie ihn findet und ‎anspricht, behauptet er, sie noch nie gesehen zu haben. Márta richtet sich in Budapest ein, um diesem Mann nahe zu sein. ‎Ihr ehemaliger Professor versteht Mártas Rückkehr nach Ungarn bei all ihren ‎beruflichen Fähigkeiten nicht, stellt sie aber im städtischen Krankenhaus ein, wo auch ‎János arbeitet. János bleibt weiter auf Distanz. Hat sie sich alles nur eingebildet? Oder ‎will er nichts mehr von ihr wissen? Ist sie vor Liebe wahnsinnig geworden? Márta ‎versucht, ihr Gefühlschaos zu ordnen.

Die ungarische Regisseurin Lili Horvát stellt ihrem Film einen Auszug aus Sylvia ‎Plaths Gedicht "Mad Girl's Love Song" voran: "I think I made you up inside my head." ‎Eine traditionelle, verlässliche Story erzählt sie wahrlich nicht. Horvát lässt in der ‎Schwebe, ob das alles real ist oder doch nur ein Wunschtraum einer Frau von 40 ‎Jahren. Spannung wird hier durch die vielschichtige Bildsprache aufgebaut, weniger ‎durch eine vorwärtstreibende Handlung. Immer wieder bremst die Regisseurin die ‎Entwicklung aus und dreht eine weitere Runde. "Márta sucht János" ist Lili Horváts zweiter ‎Spielfilm und entstand nach ihrem eigenen Drehbuch. Ein stiller, ‎preisgekrönter Psychothriller über ‎Besessenheit und die Abgründe des ‎Begehrens.‎

 

goEast

Samstag, 27. April 2024, 23.05 Uhr

"Januar"

Spielfilm (87 Min) · Litauen/Lettland/Polen 2022 · ZDF/3sat

Regie: Viesturs Kairišs

Erstausstrahlung

Die Welt des tagträumenden Filmstudenten Jazis gerät ins Chaos, als er mit seiner Super-8-Kamera mitten in den lettischen Unabhängigkeitskampfs im Januar 1991 gegen die versuchte Machtübernahme der Sowjetarmee gerät. Jazis muss Stellung beziehen, politisch wie privat. Der bis dahin unpolitische Jazis muss sich von nun an nicht nur mit seiner Haltung zur Heimat auseinandersetzen, sondern auch mit der Beziehung zu seiner integren Kommilitonin Anna. Während Jazis noch von seinen Helden Jim Jarmusch und Ingmar Bergman träumt, macht Anna Nägel mit Köpfen und tritt eine Stelle beim lettischen Regisseur Juris Podnieks an. Als dieser mit seinem Filmteam während des Sturms der sowjetischen Spezialkräfte in einen Kugelhagel gerät, stirbt ein Kameramann. Jazis und Anna müssen schneller erwachsen werden, als ihnen lieb ist.

"Januar" weitet sich von der Suche eines jungen Mannes nach seiner Bestimmung in seinen Beziehungen und künstlerischen Ambitionen zu einer kraftvollen Beschreibung des lettischen Kampfs für die Unabhängigkeit 1991. Privates Verhalten - zwischen Opportunismus und Protest -, moralische Integrität und politische Aktion werden in ihrer Verschränkung, aber auch in ihren Widersprüchen deutlich und beleuchten damit subtil ein Stück weit die Gegenwart. Formal spielt der Film geschickt mit verschiedenen analogen Bildformaten und Archivmaterial. Er spiegelt damit nicht nur das Gefühl der Unsicherheit und Unvorhersehbarkeit der Zeit, sondern erinnert auch an die Biografien von lettischen Filmemachern wie Juris Podnieks und Andris Slapinš und ihren Anteil im Kampf um Unabhängigkeit und Demokratie.

 

Fotos zu den Filmen anlässlich des Filmfestivals "goEast" finden Sie hier.

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Claudia Hustedt
hustedt.cwhatever@zdf.de
Mainz, 27. Februar 2024