Raffly bereitet sich auf den nächsten Behördengang vor. Copyright: ZDF/Kilian Helmbrecht

Geschichten vom Erwachsenwerden: Neue Dokumentarfilme in der 3sat-Reihe "Ab 18!"

Sechs mittellange Dokumentarfilme, die in die Erlebnis- und Gefühlswelt junger Erwachsener eintauchen

Sechs mittellange Dokumentarfilme, die in die Erlebnis- und Gefühlswelt junger Erwachsener eintauchen und Geschichten vom Erwachsenwerden heute erzählen. Sechs unkonventionelle Porträts, die durch einen persönlichen Stil den Nerv einer Generation treffen und mit filmischen Erzählformen abseits des medialen Mainstreams experimentieren. Am Montag, 18. März 2024, und Montag, 25. März 2024, jeweils ab 22.25 Uhr, gibt es in der 3sat-Dokumentarfilmreihe "Ab 18!" neue Geschichten vom Erwachsenwerden zu entdecken.

 

Alle Filme sind ab Montag, 11. März 2024, 6.00 Uhr, auch in der 3satMediathek unter www.3sat.de zu sehen.

Dokumentarfilm
im TV ab
Mo 18. Mär
22:25 Uhr
in der 3satMediathek ab
Mo 11. Mär
06:00 Uhr
Erstausstrahlungen

Montag, 18. März 2024 · 22.25 Uhr

"Ab 18! – In einem Jahr"

Dokumentarfilm von Anna Sarukhanova, Deutschland 2023

Erstausstrahlung

STAB

Buch Anna Sarukhanov
Kamera Sergei Amirdzhanov
Musik Sandro Chinchaladze
Regie Anna Sarukhanov    

INHALT

Mit dem Krieg gegen die Ukraine fühlt sich die erfolgreiche Casting-Direktorin Milena plötzlich wie im falschen Film. Sie flieht aus Moskau. Von Georgien aus gründet die junge Russin eine Hilfsorganisation, die ukrainische Krebspatienten ins europäische Ausland vermittelt. Mit 21 Jahren fühlt sie sich zunehmend erschöpft und unerwünscht, zumal Russen in Tiflis keine Sympathie entgegengebracht wird. Milenas nächste Station wird Bangkok sein, um eine weitere Stufe auf der Karriereleiter zu erklimmen. Wie so viele junge Menschen wird sie "from remote" am Computer arbeiten. Ob sie noch in einem Jahr dort sein wird, stellt sie sich selbst als Frage.

Regisseurin Anna Sarukhanova erzählt mit beiläufiger Empathie und starken Bildern von Rastlosigkeit, Heimatlosigkeit und Ungeduld. Sie beschreibt mit ungewöhnlicher Leichtigkeit das Lebensgefühl einer ganzen Generation in einer Welt im Umbruch. Als Regisseurin hatte die Georgierin, die zurzeit in London lebt, bereits 2016 auf dem Filmfestival in Locarno mit ihrem Kinofilm "Till the End of the Day" debütiert und 2018 am Talent-Campus der Berlinale teilgenommen. 2021 veröffentlichte sie ihren Spielfilm "Inconceivable Light".

 

Montag, 18. März 2024 · 22.55 Uhr

"Ab 18! – Die Selbstverständlichkeit des Seins"

Dokumentarfilm von Ira Tondowski, Deutschland 2023

Erstausstrahlung

STAB

Buch Ira Tondowski
Kamera Frank Schwaiger, Ira Tondowski und Birgit Möller
Musik Cassis B Staudt
Regie Ira Tondowski  

INHALT

Als bei Leonards Geburt Glasknochen festgestellt wurden, gab man ihm eine Lebenserwartung von einem Jahr. Heute ist er Mitte 20, Drehbuchautor, Regisseur und Schauspieler. Leonard ist kleinwüchsig, läuft im Rollstuhl, und sein Körper ist anders. Aber er lebt selbstständig und hat eine starke Ausstrahlung und Ziele, die manchmal über seine körperlichen Möglichkeiten hinauszugehen scheinen und die trotzdem erreichbar sind.

Regisseurin Ira Tondowski zeigt Leonards Energie, Ausstrahlung und Kommunikationstalent in alltäglichen, beruflichen und privaten Situationen und stellt diesen Beobachtungen stilisierte, nachdenkliche Szenen gegenüber, in denen sich Leonard zu Aufnahmen aus seinem Familienarchiv an Momente seiner Kindheit erinnert und über sein Körpergefühl spricht. Tondowski arbeitet seit 20 Jahren als Autorin und Regisseurin, als Produzentin teils preisgekrönter Filme sowie als Dozentin an der Internationalen Filmschule Köln (ifs). Zuletzt realisierte sie für die Reihe "Ab 18!" den Dokumentarfilm "Ich will Gerechtigkeit!" (zusammen mit Nuray Şahin, 2019). Ins Jahr 2024 startete sie mit den Vorbereitungen ihres Spielfilmdebüts.

Director's Statement: "In unserer Zusammenarbeit an diesem Film habe ich nicht nur Leonards spezifische Perspektive auf unsere Welt erleben dürfen, sondern auch die Vielfalt, der wir uns als normative Gesellschaft verschließen, wenn wir Menschen mit Behinderung nicht teilhaben lassen. Als eine Regisseurin Leonard als Hauptdarsteller in ihrem Kurzfilm besetzen will, heißt es von der Filmausfallversicherung der Produktion: 'Eine Person mit Glasknochen versichern wir nicht.' Auch die sich selbst als so progressiv empfindende Filmbranche ist zutiefst ableistisch. Ein Ableismus, der viel mit Unwissen zu tun hat, mit Schubladendenken. In Film und Medien sind Menschen mit Behinderung nach wie vor massiv unterrepräsentiert. Leonard lebt ein Leben gegen diese Unsichtbarkeit. Dieser Film will den Reichtum, die Schönheit und Sinnlichkeit, die Weisheit, gesellschaftliche Relevanz, kurz, die Selbstverständlichkeit dieses Lebens mit möglichst vielen Menschen teilen."

 

Montag, 18. März 2024 · 23.35 Uhr

"Ab 18! – A Body Like Mine"

Dokumentarfilm von Maja Classen, Deutschland 2023

Erstausstrahlung

STAB

Buch Maja Classen und Puck Ellington
Schnitt Thomas Krause und Maya Steinberg
Kamera Alina Albrecht
Musik Vanessa Chartrand-Rodrigue
Regie Maja Classen
Szenenbild Miren Oller

INHALT

Puck lebt und arbeitet als Künstlerin, Aktivistin und Sexarbeiterin in Berlin. Dort tritt sie in alternativen Pornoproduktionen und queeren, sex-positiven Perfomances auf.
Regisseurin Maja Classen gewährt Einblicke in Pucks Leben und Arbeiten, ihre Inspirationen, Erfahrungen und Ängste. Der Film ist inszeniert als dokumentarisches Märchen und entstanden als enge künstlerische Zusammenarbeit zwischen Puck und der Regisseurin. Die in Berlin lebende Filmemacherin Maja Classen ist Absolventin der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf. Ihr erster Dokumentarfilm war ein Porträt der Berliner Clubszene der frühen 2000er-Jahre, der erfolgreich auf zahlreichen Festivals lief und bis heute als wichtiges Porträt der damaligen elektronischen Musikszene gilt. Neben ihrer Arbeit als Regisseurin unterrichtet Maja Classen seit 2008 Dokumentarfilm an verschiedenen Film- und Kunsthochschulen. Filme (Auswahl): "Feiern" (2006), "Osdorf" (2007), "24h Berlin" (2009), "Plötzlich ist die Welt ganz klein" (2016), "Truth or Dare" (2023).

"A Body Like Mine" wurde 2023 als "Best German Documentary Film" beim "Doc.Berlin Documentary Film Festival" ausgezeichnet.

 

Montag, 25. März 2024 · 22.25 Uhr

"Ab 18! – Lillis Welt"

Dokumentarfilm von Rosa Hannah Ziegler, Deutschland 2024

Erstausstrahlung

STAB

Buch Rosa Hannah Ziegler
Schnitt Rosa Hannah Ziegler
Kamera Jonas Römmig und Pascal Schmit
Ton Benjamin Simon und Dirk Drazewski
Regie Rosa Hannah Ziegler

INHALT

Seit ihrem zweiten Lebensjahr ist Lilli durch ihre Behinderung auf die Unterstützung ihrer Mutter Yvonne angewiesen. Sie kann nur wenige Worte sprechen, versteht aber alles, was zu ihr gesagt wird. Sie ist ganz auf ihre Mutter und ihren Stiefvater Markus eingestellt, die mit ihr naturnah am Rand eines kleinen Dorfs in Niedersachsen leben. Nun, da Lilli 18 Jahre alt geworden ist, sehen Yvonne und Markus die Zeit gekommen, ihre Tochter loszulassen und ihr in einem anderen Umfeld neue Kontakte zu ermöglichen. Lilli zieht nach Seewalde in Mecklenburg-Vorpommern in eine Lebensgemeinschaft für Menschen mit Behinderungen. Für Lilli ist es ein Schritt in eine für sie unbekannte Welt ohne Eltern, mit neuen Anforderungen, aber auch Entfaltungsmöglichkeiten - ein neues Leben, das sie sich erobern muss.
Autorin Rosa Hannah Ziegler ("A Girl's Day", "Ab 18! - Du warst mein Leben", "Familienleben") kennt Lilli und ihre Familie schon längere Zeit, und so ist ihr eine behutsame Annährung an Lilli gelungen. Sie konnte sich auf ihre Art der Kommunikation einstellen und beobachten, welche Entwicklungsschritte sie in der neuen Umgebung machte.

Director's Statement: "Da Lilli auf ihre ganz eigene Art spricht, war die größte Herausforderung, eine filmische Form zu finden, die ihr gerecht wird, eine Ahnung von ihrer Welt vermittelt und davon was es heißt, sich mit einer eigenen Sprache durch das Leben zu bewegen. Ich habe selten eine Person getroffen, die so fröhlich, aufmerksam und liebevoll und sehr präsent im Hier und Jetzt ist. Mir ist dabei bewusst, dass das während der Drehzeit Gefundene immer eine Annäherung ist. Eine Interpretation dessen, wie Lilli sich in ihrer Welt bewegt. Ich entschied mich für lange beobachtende Einstellungen, um Lillis Welt näherzukommen. Lilli zeigte sich, führte uns in die Situationen, und wir folgten ihr. Eine Betreuerin aus Seewalde erzählte mir, dass sie bei der Arbeit mit den Bewohner*innen eines besonders gelernt habe: mit Verlangsamung umzugehen und sich auf den Rhythmus anderer einzulassen. Das war auch für uns eine wichtige Anregung. Es geht in diesem Film auch um Kommunikation. Wie kann man sich in unserer
durch Sprache geformten Welt ohne Worte verständigen und annähern? Ich versuche, durch genaues Hinsehen zu ermöglichen, dass man mit sich und eigenen Vorurteilen konfrontiert wird. Der normale Alltag, vieles, was für uns selbstverständlich scheint, ist für die Bewohner*innen herausfordernd. Mich hat die liebevolle, einfühlsame Arbeit der Betreuerinnen und Betreuer in Seewalde, die für Menschen wie Lilli eine Heimat schaffen, berührt. Genauso die bedingungslose Liebe und Hingabe der Eltern, die eine Grundlage für Lillis weiteren Weg sind."

 

Montag, 25. März 2024 · 23.10 Uhr

"Ab 18! – Vaterland"

Dokumentarfilm von Antje Schneider und Carsten Waldbauer, Deutschland 2023

Erstausstrahlung

STAB

Buch Antje Schneider
Kamera Carsten Waldbauer 
Schnitt Carsten Waldbauer 
Regie Antje Schneider

INHALT

Günther lebt mit seinem Vater in einer Art Bauernhof- und Reiteridylle im ländlichen Thüringen. Dort pflegen beide ihre Version des amerikanischen Traums. Beide sind Allrounder: Sie geben Unterricht im Lassowerfen, brutzeln selbst gemachte Hamburger, entbeinen Rinderkeulen und verkaufen im Industriegebiet der nächstgelegenen Stadt selbst gemachte thüringische Bratwürste. Denn die echten Roping-Rodeos wollen finanziert werden, und Las Vegas ist teuer.

Autorenpaar Antje Schneider und Carsten Waldbauer widmet sich in einer Langzeitbeobachtung mit Empathie und Verwunderung über die Marlboro-Werbung-Welten mitten in Thüringen ihren beiden Protagonisten, die wie aus der Zeit gefallen scheinen. Antje Schneider produzierte bereits lange Dokumentarfilme für "Das kleine Fernsehspiel" des ZDF: 2014 "Die schöne Krista" und 2021 "Vier Sterne Plus" mit Carsten Waldbauer als Kameramann und Stefan Kloos als Produzenten über ein Kreiskrankenhaus in Thüringen, das sich zu einem Patientenhotel wandeln sollte. Beide Filme liefen erfolgreich auf Festivals.

 

Montag, 25. März 2024 · 23.55 Uhr

"Ab 18! – Großstadt Odysseus" 

Dokumentarfilm von Kilian Helmbrecht, Deutschland 2023

Erstausstrahlung

STAB

Buch Kilian Helmbrecht
Kamera Alex Hasskerl und Kilian Helmbrecht
Musik Christian Pössnicker
Regie Kilian Helmbrecht

INHALT

Studium erfolgreich abgeschlossen - und nun? Bestens ausgebildet hat Raffly bereits ein lukratives Jobangebot einer großen deutschen Firma, aber weder Wohnung noch Arbeitserlaubnis. Raffly stammt aus Jakarta und hat in Berlin studiert. Mit Abschluss des Studiums muss er das Studentenwohnheim verlassen, seinen Aufenthaltsstatus und seine Arbeitserlaubnis neu klären. Eine Odyssee durch den Behördendschungel und Wohnungsmarkt beginnt.

Kilian Helmbrecht, Jahrgang 1993, und sein Kameramann und Produzent Alex Hasskerl begleiten Raffly zu Behördengängen, auf der Wohnungssuche und in den verschiedenen Sphären seines Alltags und zeigen dabei, wieviel Motivation und Durchhaltevermögen es für junge Fachkräfte aus dem Ausland braucht, um erfolgreich im deutschen Arbeitsmarkt anzukommen. Kilian Helmbrecht ist als Quereinsteiger zum Dokumentarfilm gekommen und arbeitet seit 2015 als Regisseur und Kameramann. 2016 erhielt er bei den Emmy Awards eine Nominierung "Beste Kamera" für "New Zealand: Earth's Mythical Islands". Für die 3sat-Reihe "Ab 18!" hat er 2017 den Film "Einmannland" realisiert, der für den Grimme-Preis nominiert wurde.

 

Fotos zur neuen Staffel "Ab 18!" finden Sie hier.

Hauptabteilung Kommunikation

Claudia Hustedt
hustedt.cwhatever@zdf.de
Mainz, 18. Januar 2024
DIE REIHE "AB 18!" IN DER ÜBERSICHT
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