Verleihung Deutscher Kleinkunstpreis 2022

Frankfurter Hof, Mainz, März 2022
Fr 30. Dez
12:26 Uhr
Moderation: Tobias Mann
Mit dem Deutschen Kleinkunstpreis wird 2022 einer der bedeutendsten deutschen Bühnenpreise zum 50. Mal verliehen. - 3sat zeigt die Aufzeichnung der Jubiläums-Preisverleihung.

Die Preisträger sind: Josef Hader (Kabarett), Katie Freudenschuss (Chanson/Lied/Musik), Carmela de Feo (Kleinkunst), Till Reiners (Stand-up-Comedy), Tino Bomelino (Förderpreis der Stadt Mainz) und Thomas Freitag (Ehrenpreis des Landes Rheinland-Pfalz).

Da die Kleinkunst ihren Namen nicht zuletzt intimer Atmosphäre und geringer Distanz zwischen Publikum und Künstler*innen verdankt, steht die Branche schon im dritten Jahr vor besonderen Herausforderungen. Umso größer muss man die Leistung aller Künstler*innen würdigen, die trotz widriger Umstände auch im letzten Jahr wieder inhaltlich Herausragendes auf der Bühne geleistet und ihrer Kreativität keinen Lockdown verpasst haben.

Die Preisträgerinnen und Preisträger des Jahres 2022 sind:

Josef Hader in der Sparte Kabarett. Einen ganz Großen des deutschsprachigen Kabaretts, so die Jury, der in seinem neuen Programm "Hader on Ice" auf faszinierende und fesselnde Art die Kunstfigur des reichen, alten, weißen Mannes auf der Bühne zum Leben erweckt. Auf kongeniale Weise gelingt es Hader, einen zynischen Charakter darzustellen, der Weltverbesserer sein möchte, aber eigentlich das verkörpert, woran es krankt - und somit auch Symbol einer bigotten Gesellschaft ist.

Katie Freudenschuss in der Sparte Chanson/Lied/Musik. Die Jury würdigt, dass die studierte Popmusikerin feine Beobachtungsgabe, Schlagfertigkeit und Humor mit großer Stimme und musikalischer Vielfalt vereint. "Ihre Improvisationen sind blitzschnell und urkomisch; ihre poetisch-absurden Musikgeschichten sind Glücksbringer in einer ungeheuer komplizierten Welt, die mit Compli-Katie nicht einfacher wird – aber viel schöner."

In der Sparte Kleinkunst wird mit Carmela de Feo eine Künstlerin ausgezeichnet, die laut Fachjury "in ihrer Bühnenfigur La Signora große Komik, Tempo und Musikalität mit höchster Professionalität verbindet und damit ihr Publikum nicht bloß begeistert, sondern sich vielmehr im Auge eines Orkans wähnen lässt. Die studierte Akkordeonistin spielt, singt, tanzt und improvisiert mit einer Energie, die keinen Zweifel daran lässt, wer die ungekrönte 'Ruhrgebieterin' ist."

In der Kategorie Stand-up-Comedy wird Till Reiners ausgezeichnet. Die Jury sieht in ihm "einen Künstler, der in herausragender Weise modernen Humor einer jungen, großstädtischen Bevölkerung verkörpert, der die kleinen Unzulänglichkeiten ihres chaotischen Lebens gleichsam wichtig sind, wie die großen gesellschaftlichen Themen." Till Reiners deckt den skurrilen Sinn hinter dem Alltäglichen auf und erklärt gleichzeitig komplexe gesellschaftliche Zusammenhänge einfach und pointenreich – moderne Stand-up-Comedy auf höchstem Niveau.

Den Förderpreis der Stadt Mainz erhält Tino Bomelino, der mit seinen wunderbar absurden Texten und Wortspielen, seinen pointierten Zeichnungen und Musikeinlagen immer überraschend, tiefsinnig und vor allem sehr komisch sei. "In seinem aktuellen Programm 'Die Kraft der Power' beweist er einmal mehr die überbordende Vielfalt seines Humoruniversums und ist damit ein seltener Glücksfall in der deutschen Comedyszene."

Der Ehrenpreis des Landes Rheinland-Pfalz schließlich geht an Thomas Freitag, der laut Jury "seit 45 Jahren deutsche Kabarettgeschichte schreibt und mit seinen mittlerweile 18 Programmen vier Regierungen satirisch in die Knie gezwungen hat. Früher schaute sich das ehemalige Ensemblemitglied des Düsseldorfer Kom(m)ödchens - als einer der genialsten Politikerparodisten - die Republik im Spiegel der Satire an. Dann wechselte der gelernte Schauspieler ebenso erfolgreich in die Rolle des Darstellers höchst intelligenter Ein-Personen-Theaterstücke. Hierbei brach er diverse Lanzen für die Kultur und bewies zuletzt, wie laut sein Herz für ein auch innerlich geeintes Europa schlägt."

3sat begleitet wie in den Jahren zuvor auch die große Jubiläums-Preisverleihung, dieses Jahr wieder aus dem "Frankfurter Hof" in Mainz. Tobias Mann ist als Moderator für Urban Priol eingesprungen, der kurzfristig krankheitsbedingt absagen musste.

Angefangen mit dem ersten Preisträger Hanns Dieter Hüsch haben seit 1972 über 200 Künstlerinnen und Künstler diese Auszeichnung in Empfang nehmen können, die jedes Jahr von einer Fachjury des Mainzer Forum-Theaters "unterhaus" vergeben wird.

3sat
Kleinkunst/Kabarett

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