3satDokumentarfilmzeit

In den Uffizien

Dokumentarfilm von Corinna Belz und
Enrique Sanchez Lansch, Deutschland 2020
Mo 19. Dez
22:20 Uhr
Länge: 95 Minuten
Erstausstrahlung
Die "Schatzkammer der Medici" geht in die Moderne: Der deutsche Museumsdirektor Eike Schmidt brachte Neues wie Branding und Sponsoring nach Florenz - ohne die hohe Kunst zu verraten.

Im Gegenteil: In den wohl schönsten ehemaligen Büros der Welt eröffnen sich sogar neue Räume. Tizians "Venus von Urbino" wird auf tiefgrünem Grund neu gehängt. Auch der Vasarikorridor, der Geheimgang der Medici, wurde restauriert.

Eike Schmidt, der erste Ausländer in der Chefetage des Museums, gelang es mit diplomatischem Geschick, dem konservativen Florentiner Bürgertum über die Jahre Neuerung um Neuerung abzuringen. Der Freiburger sieht sich ohnehin nicht nur als Kunsthistoriker, sondern vor allem auch als Manager und Pragmatiker, der zum Beispiel das Fotografie- und Selfie-Verbot aufhob: Erstens habe es nichts genützt, und zweitens sind auch im Museum andere Zeiten angebrochen - auch wenn gerade die Uffizien einst bekannt dafür waren, besonders stark an jahrhundertalten Traditionen festzuhalten. Ein Spannungsfeld zwischen Kulturerbe und postmoderner Gesellschaft, das der Dokumentarfilm "In den Uffizien" von Corinna Belz und Enrique Sánchez Lansch mit seinen Protagonisten beleuchtet.

Corinna Belz, die sich unter anderem mit Filmen über Gerhard Richter und Peter Handke einen Namen gemacht hat, und Enrique Sanchez Lansch ("Rhythm is it") erkunden in einem Drehzeitraum von sechs Monaten die Uffizien als den magischen Ort, der sie aller Besuchermassen zum Trotz immer noch sind. Denn spätestens seit Dan Browns Bestseller "Inferno" zieht es nicht mehr nur Kunstliebhaber in eine der ältesten Galeriehallen der Welt.

Der Film zeigt die ungebrochene Anziehungskraft des Museums, in dem die Medici bereits 1581 ihre legendäre Kunstsammlung ausstellten - noch heute die bedeutendste Sammlung der Renaissance. Er begleitet die Arbeit hinter den Kulissen als gewaltige kollektive Anstrengung. Als eine nie endende, passionierte Sorge um die Erhaltung jahrhundertealter Meisterwerke bei gleichzeitiger Offenheit gegenüber Neuerungen.

Alles atmet in diesen Sälen und Fluren Geschichte, jede Handlung wird zum Ritual. Während des Aufbaus einer Ausstellung mit zeitgenössischen Skulpturen des britischen Künstlers Antony Gormley erleben die Zuschauer, wie sensibel und konfliktgeladen solche Versuche sind. Es geht um jeden Zentimeter – europäische Zusammenarbeit "en miniature".

Und immer wieder löst sich die Kamera aus dem Alltagsgeschehen und taucht in die Bildwelten an den Wänden ein: Leonardo da Vincis "Anbetung der Könige", Botticellis "Frühling", Tizians "Venus von Urbino", Artemisia Gentileschis "Judith und Holofernes", der "Engelssturz" von Andrea Commodi - Bilder, die den Betrachter auch heute noch in ihrer malerischen Wucht sprachlos machen.

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