Spuren der Folter: Luna Watfas Erinnerungen an die Haftzeit in einem Gefängnis des syrischen Geheimdienstes werden mit Animationen in Szene gesetzt. Copyright: ZDF/SWR/Tondowski Films/Audrey Fletcher

Die 3satDokumentarfilmzeit im März

Mit dem Film "Luna und die Gerechtigkeit" und neuen Filmen aus der 3sat-Reihe "Ab 18!"

Die 3satDokumentarfilmzeit im März mit den Filmen "Luna und die Gerechtigkeit", "The Other Side of the River" und sechs neuen Filmen aus der 3sat-Reihe "Ab 18!" mit  mittellangen Dokumentarfilme, die in die Erlebnis- und Gefühlswelt junger Erwachsener eintauchen und Geschichten vom Erwachsenwerden heute erzählen. 

3satDokumentarfilmzeit
ab
Mo 04. Mär
22:25 Uhr
Mit Erstausstrahlungen

Montag, 4. März 2024, 22.25 Uhr

"Luna und die Gerechtigkeit"

Dokumentarfilm (82 Min) · Deutschland 2022 · ARD/SWR

Regie: Luna Watfa und Adithya Sambamurthy

Sie wurden von syrischen Folterknechten in einer Haftanstalt misshandelt. Jahre später schildern die Opfer, was ihnen angetan wurde. Sie sind Zeugen im weltweit ersten Prozess gegen zwei ehemalige syrische Geheimdienstmitarbeiter wegen "Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Die syrische Reporterin Luna Watfa, die selbst Haft und Folter erlitt, berichtet über den weltweit ersten Prozess gegen zwei Syrer, die in Deutschland angeklagt wurden. Seit ihrer Flucht lebt sie in Koblenz. Den beiden Angeklagten wird vorgeworfen, in einem Gefängnis gearbeitet zu haben, in dem Tausende Regimekritiker gefoltert und hingerichtet wurden. Das Gericht will klären, wie viel Verantwortung sie für die Taten haben. Luna Watfa war selbst in dem berüchtigten Gefängnis des syrischen Geheimdienstes inhaftiert, in dem die Taten begangen wurden, und wurde dort misshandelt. Der Film folgt dem Prozess mit ausgezeichneten Zugängen zu den Beteiligten und erzählt aus der einzigartigen Perspektive Luna Watfas als Reporterin, die gleichzeitig betroffen ist. Luna Watfa sucht über den Prozess hinaus Antworten darauf, was Gerechtigkeit im Zusammenhang mit dem Verfahren überhaupt bedeuten kann. Für sie und die anderen Opfer weltweit. 

 

Montag, 11. März 2024, 22.25 Uhr

"The Other Side of the River"

Dokumentarfilm (92 Min) · Deutschland/Finnland 2021 · ARD/NDR

Regie: Antonia Kilian

Die 19-jährige Hala entkommt einer arrangierten Ehe, indem sie den Euphrat überquert, um bei einer kurdischen Frauenverteidigungseinheit ein neues Zuhause zu finden - eine Unit, die bald darauf ihre Heimatstadt Minbij vom Islamischen Staat befreit. Für viele Frauen ist der Feind nicht nur der IS, sondern das Patriarchat, mit der Ehe als ultimativer Unterdrückungsinstitution. Hala will nicht nur mehr Frauen, sondern auch ihre Schwestern um jeden Preis befreien. Doch gibt es in Halas Leben noch Platz für Freiheit und sogar Liebe, wenn ihre Mission alles vereinnahmt? Der Dokumentarfilm schildert den entschlossenen, revolutionären Weg von Hala und beleuchtet gleichzeitig eine andere, parallele Lebenserfahrung: die eigenen Reflexionen der deutschen Regisseurin Antonia Kilian über das Dasein als Feministin und kulturelle Außenseiterin in einer Situation, in der der Begriff "militanter Feminismus" durchaus wörtlich verstanden werden könnte. Antonia Kilians kritischer Insider-Blick stellt aber die realen Verhältnisse dar und geht der Frage nach, inwiefern die Ideale einer feministischen Revolution am Ende den Menschen (mit Waffengewalt) korrumpieren können und die Opfer zu Tätern werden.

 

Montag, 18. März 2024 · 22.25 Uhr

"Ab 18! – In einem Jahr"

Dokumentarfilm von Anna Sarukhanova, Deutschland 2023 · ZDF/3sat

Erstausstrahlung

Mit dem Krieg gegen die Ukraine fühlt sich die erfolgreiche Casting-Direktorin Milena plötzlich wie im falschen Film. Sie flieht aus Moskau. Von Georgien aus gründet die junge Russin eine Hilfsorganisation, die ukrainische Krebspatienten ins europäische Ausland vermittelt. Mit 21 Jahren fühlt sie sich zunehmend erschöpft und unerwünscht, zumal Russen in Tiflis keine Sympathie entgegengebracht wird. Milenas nächste Station wird Bangkok sein, um eine weitere Stufe auf der Karriereleiter zu erklimmen. Wie so viele junge Menschen wird sie "from remote" am Computer arbeiten. Ob sie noch in einem Jahr dort sein wird, stellt sie sich selbst als Frage.

Regisseurin Anna Sarukhanova erzählt mit beiläufiger Empathie und starken Bildern von Rastlosigkeit, Heimatlosigkeit und Ungeduld. Sie beschreibt mit ungewöhnlicher Leichtigkeit das Lebensgefühl einer ganzen Generation in einer Welt im Umbruch. Als Regisseurin hatte die Georgierin, die zurzeit in London lebt, bereits 2016 auf dem Filmfestival in Locarno mit ihrem Kinofilm "Till the End of the Day" debütiert und 2018 am Talent-Campus der Berlinale teilgenommen. 2021 veröffentlichte sie ihren Spielfilm "Inconceivable Light".

 

Montag, 18. März 2024 · 22.55 Uhr

"Ab 18! – Die Selbstverständlichkeit des Seins"

Dokumentarfilm von Ira Tondowski, Deutschland 2023 · ZDF/3sat

Erstausstrahlung

Als bei Leonards Geburt Glasknochen festgestellt wurden, gab man ihm eine Lebenserwartung von einem Jahr. Heute ist er Mitte 20, Drehbuchautor, Regisseur und Schauspieler. Leonard ist kleinwüchsig, läuft im Rollstuhl, und sein Körper ist anders. Aber er lebt selbstständig und hat eine starke Ausstrahlung und Ziele, die manchmal über seine körperlichen Möglichkeiten hinauszugehen scheinen und die trotzdem erreichbar sind.

Regisseurin Ira Tondowski zeigt Leonards Energie, Ausstrahlung und Kommunikationstalent in alltäglichen, beruflichen und privaten Situationen und stellt diesen Beobachtungen stilisierte, nachdenkliche Szenen gegenüber, in denen sich Leonard zu Aufnahmen aus seinem Familienarchiv an Momente seiner Kindheit erinnert und über sein Körpergefühl spricht. Tondowski arbeitet seit 20 Jahren als Autorin und Regisseurin, als Produzentin teils preisgekrönter Filme sowie als Dozentin an der Internationalen Filmschule Köln (ifs). Zuletzt realisierte sie für die Reihe "Ab 18!" den Dokumentarfilm "Ich will Gerechtigkeit!" (zusammen mit Nuray Şahin, 2019). Ins Jahr 2024 startete sie mit den Vorbereitungen ihres Spielfilmdebüts.

Director's Statement: "In unserer Zusammenarbeit an diesem Film habe ich nicht nur Leonards spezifische Perspektive auf unsere Welt erleben dürfen, sondern auch die Vielfalt, der wir uns als normative Gesellschaft verschließen, wenn wir Menschen mit Behinderung nicht teilhaben lassen. Als eine Regisseurin Leonard als Hauptdarsteller in ihrem Kurzfilm besetzen will, heißt es von der Filmausfallversicherung der Produktion: 'Eine Person mit Glasknochen versichern wir nicht.' Auch die sich selbst als so progressiv empfindende Filmbranche ist zutiefst ableistisch. Ein Ableismus, der viel mit Unwissen zu tun hat, mit Schubladendenken. In Film und Medien sind Menschen mit Behinderung nach wie vor massiv unterrepräsentiert. Leonard lebt ein Leben gegen diese Unsichtbarkeit. Dieser Film will den Reichtum, die Schönheit und Sinnlichkeit, die Weisheit, gesellschaftliche Relevanz, kurz, die Selbstverständlichkeit dieses Lebens mit möglichst vielen Menschen teilen."

 

Montag, 18. März 2024 · 23.35 Uhr

"Ab 18! – A Body Like Mine"

Dokumentarfilm von Maja Classen, Deutschland 2023 · ZDF/3sat

Erstausstrahlung

Puck lebt und arbeitet als Künstlerin, Aktivistin und Sexarbeiterin in Berlin. Dort tritt sie in alternativen Pornoproduktionen und queeren, sex-positiven Perfomances auf.
Regisseurin Maja Classen gewährt Einblicke in Pucks Leben und Arbeiten, ihre Inspirationen, Erfahrungen und Ängste. Der Film ist inszeniert als dokumentarisches Märchen und entstanden als enge künstlerische Zusammenarbeit zwischen Puck und der Regisseurin. Die in Berlin lebende Filmemacherin Maja Classen ist Absolventin der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf. Ihr erster Dokumentarfilm war ein Porträt der Berliner Clubszene der frühen 2000er-Jahre, der erfolgreich auf zahlreichen Festivals lief und bis heute als wichtiges Porträt der damaligen elektronischen Musikszene gilt. Neben ihrer Arbeit als Regisseurin unterrichtet Maja Classen seit 2008 Dokumentarfilm an verschiedenen Film- und Kunsthochschulen. Filme (Auswahl): "Feiern" (2006), "Osdorf" (2007), "24h Berlin" (2009), "Plötzlich ist die Welt ganz klein" (2016), "Truth or Dare" (2023).

"A Body Like Mine" wurde 2023 als "Best German Documentary Film" beim "Doc.Berlin Documentary Film Festival" ausgezeichnet.

 

Montag, 25. März 2024 · 22.25 Uhr

"Ab 18! – Lillis Welt"

Dokumentarfilm von Rosa Hannah Ziegler, Deutschland 2024 · ZDF/3sat

Erstausstrahlung

Seit ihrem zweiten Lebensjahr ist Lilli durch ihre Behinderung auf die Unterstützung ihrer Mutter Yvonne angewiesen. Sie kann nur wenige Worte sprechen, versteht aber alles, was zu ihr gesagt wird. Sie ist ganz auf ihre Mutter und ihren Stiefvater Markus eingestellt, die mit ihr naturnah am Rand eines kleinen Dorfs in Niedersachsen leben. Nun, da Lilli 18 Jahre alt geworden ist, sehen Yvonne und Markus die Zeit gekommen, ihre Tochter loszulassen und ihr in einem anderen Umfeld neue Kontakte zu ermöglichen. Lilli zieht nach Seewalde in Mecklenburg-Vorpommern in eine Lebensgemeinschaft für Menschen mit Behinderungen. Für Lilli ist es ein Schritt in eine für sie unbekannte Welt ohne Eltern, mit neuen Anforderungen, aber auch Entfaltungsmöglichkeiten - ein neues Leben, das sie sich erobern muss.
Autorin Rosa Hannah Ziegler ("A Girl's Day", "Ab 18! - Du warst mein Leben", "Familienleben") kennt Lilli und ihre Familie schon längere Zeit, und so ist ihr eine behutsame Annährung an Lilli gelungen. Sie konnte sich auf ihre Art der Kommunikation einstellen und beobachten, welche Entwicklungsschritte sie in der neuen Umgebung machte.

Director's Statement: "Da Lilli auf ihre ganz eigene Art spricht, war die größte Herausforderung, eine filmische Form zu finden, die ihr gerecht wird, eine Ahnung von ihrer Welt vermittelt und davon was es heißt, sich mit einer eigenen Sprache durch das Leben zu bewegen. Ich habe selten eine Person getroffen, die so fröhlich, aufmerksam und liebevoll und sehr präsent im Hier und Jetzt ist. Mir ist dabei bewusst, dass das während der Drehzeit Gefundene immer eine Annäherung ist. Eine Interpretation dessen, wie Lilli sich in ihrer Welt bewegt. Ich entschied mich für lange beobachtende Einstellungen, um Lillis Welt näherzukommen. Lilli zeigte sich, führte uns in die Situationen, und wir folgten ihr. Eine Betreuerin aus Seewalde erzählte mir, dass sie bei der Arbeit mit den Bewohner*innen eines besonders gelernt habe: mit Verlangsamung umzugehen und sich auf den Rhythmus anderer einzulassen. Das war auch für uns eine wichtige Anregung. Es geht in diesem Film auch um Kommunikation. Wie kann man sich in unserer
durch Sprache geformten Welt ohne Worte verständigen und annähern? Ich versuche, durch genaues Hinsehen zu ermöglichen, dass man mit sich und eigenen Vorurteilen konfrontiert wird. Der normale Alltag, vieles, was für uns selbstverständlich scheint, ist für die Bewohner*innen herausfordernd. Mich hat die liebevolle, einfühlsame Arbeit der Betreuerinnen und Betreuer in Seewalde, die für Menschen wie Lilli eine Heimat schaffen, berührt. Genauso die bedingungslose Liebe und Hingabe der Eltern, die eine Grundlage für Lillis weiteren Weg sind."

 

Montag, 25. März 2024 · 23.10 Uhr

"Ab 18! – Vaterland"

Dokumentarfilm von Antje Schneider, Deutschland 2023 · ZDF/3sat

Erstausstrahlung

Günther lebt mit seinem Vater in einer Art Bauernhof- und Reiteridylle im ländlichen Thüringen. Dort pflegen beide ihre Version des amerikanischen Traums. Beide sind Allrounder: Sie geben Unterricht im Lassowerfen, brutzeln selbst gemachte Hamburger, entbeinen Rinderkeulen und verkaufen im Industriegebiet der nächstgelegenen Stadt selbst gemachte thüringische Bratwürste. Denn die echten Roping-Rodeos wollen finanziert werden, und Las Vegas ist teuer.

Autorenpaar Antje Schneider und Carsten Waldbauer widmet sich in einer Langzeitbeobachtung mit Empathie und Verwunderung über die Marlboro-Werbung-Welten mitten in Thüringen ihren beiden Protagonisten, die wie aus der Zeit gefallen scheinen. Antje Schneider produzierte bereits lange Dokumentarfilme für "Das kleine Fernsehspiel" des ZDF: 2014 "Die schöne Krista" und 2021 "Vier Sterne Plus" mit Carsten Waldbauer als Kameramann und Stefan Kloos als Produzenten über ein Kreiskrankenhaus in Thüringen, das sich zu einem Patientenhotel wandeln sollte. Beide Filme liefen erfolgreich auf Festivals.

 

Montag, 25. März 2024 · 23.55 Uhr

"Ab 18! – Großstadt Odysseus" 

Dokumentarfilm von Kilian Helmbrecht, Deutschland 2023 · ZDF/3sat

Erstausstrahlung

Studium erfolgreich abgeschlossen - und nun? Bestens ausgebildet hat Raffly bereits ein lukratives Jobangebot einer großen deutschen Firma, aber weder Wohnung noch Arbeitserlaubnis. Raffly stammt aus Jakarta und hat in Berlin studiert. Mit Abschluss des Studiums muss er das Studentenwohnheim verlassen, seinen Aufenthaltsstatus und seine Arbeitserlaubnis neu klären. Eine Odyssee durch den Behördendschungel und Wohnungsmarkt beginnt.

Kilian Helmbrecht, Jahrgang 1993, begleitet Raffly zu Behördengängen, auf der Wohnungssuche und in den verschiedenen Sphären seines Alltags und zeigt dabei, wieviel Motivation und Durchhaltevermögen es für junge Fachkräfte aus dem Ausland braucht, um erfolgreich im deutschen Arbeitsmarkt anzukommen. Kilian Helmbrecht ist als Quereinsteiger zum Dokumentarfilm gekommen und arbeitet seit 2015 als Regisseur und Kameramann. 2016 erhielt er bei den Emmy Awards eine Nominierung "Beste Kamera" für "New Zealand: Earth's Mythical Islands". Für die 3sat-Reihe "Ab 18!" hat er 2017 den Film "Einmannland" realisiert, der für den Grimme-Preis nominiert wurde

 

Fotos zu den Filmen der 3satDokumentarfilmzeit finden Sie hier. 

Fotos zur neuen Staffel "Ab 18!" finden Sie hier.

Hauptabteilung Kommunikation

Claudia Hustedt
hustedt.cwhatever@zdf.de
Mainz, 09. Februar 2024
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