Hits, Herz, Heimat - Kitsch und Kult
Dokumentation über das Lebensgefühl des Schlagers
Der Schlager boomt. Er füllt Stadien, dominiert die Algorithmen von TikTok und Instagram und liefert den Soundtrack für eine gute Zeit. Woher kommt diese Sehnsucht nach der heilen Welt? Die Dokumentation von Constanze Grießler "Hits, Herz, Heimat – Kitsch und Kult" nimmt das Phänomen Schlager jenseits von Verkaufszahlen unter die Lupe und zeigt, wie tief seine Wurzeln in die Operette der 1920er-Jahre reichen. Insider wie Guildo Horn und die Geschwister Pfister erkunden das Lebensgefühl des Schlagers. Im Queer Museum Wien wird eine besondere Seite der Schlagergeschichte beleuchtet: das Genre als "Safe Space" für die LGBTQ+-Community. Eine kulturhistorische Spurensuche, die beweist, dass im Schlager eine Musikrichtung steckt, die sich immer wieder neu erfindet.
Die Dokumentaiton steht vom 25.04.2026 bis 24.07.2026 in der 3satMediathek zur Verfügung.
Einen Bilderlink finden Sie hier.
21:15 Uhr
Ein prominenter Schlagerkenner und ESC-Insider, der das Großevent 1998 "befreien" wollte und dafür sogar demonstrierte, ist Guildo Horn. Im Interview blickt er zurück auf seinen legendären Auftritt beim Eurovision Song Contest in Birmingham – eine "Rock-'n'-Roll-Befreiung", wie er es nennt. Der diplomierte Pädagoge dekonstruiert im Interview sein Schlagersänger-Image und spannt den Bogen von anarchischen Anfängen in Kölner Clubs bis hin zu Rollen in Musical und Operette. Der Schlager, so betont auch er, ist kein modernes Industrieprodukt, sondern wurzele in der lauten, bunten Welt der Operette der 1920er-Jahre. Diesen Faden nehmen auch die Geschwister Pfister auf: Auf der Bühne feiern sie die Übersteigerung des Schlagers und zeigen, dass man Kitsch zugleich parodieren und verehren kann. Ihre Sicht macht die "neue Offenheit" des Genres deutlich – eine Rückkehr zu jener Frivolität und Doppeldeutigkeit, die den Schlager vor seiner "Säuberung" in der Nachkriegszeit auszeichnete. Ihre Revue "Servus Peter – Oh là là Mireille" ist längst Kult. Im Queer Museum Wien trifft das Filmteam auf Alkis Vlassakakis und Marco Schreuder, Hosts von "Merci, Chéri - Der Eurovision Podcast" und Kuratoren der Ausstellung "United by Queerness". Sie beleuchten das Genre Schlager als "Safe Space" für die LGBTQ+-Community und erklären seine besondere Anziehungskraft. Entstanden ist eine bunte Geschichtsstunde in Sachen ESC, der sich seit seiner ersten Ausgabe 1956 zum internationalen Unterhaltungsevent entwickelt hat, das den gesellschaftlichen Wandel spiegelt.
Hauptabteilung Kommunikation
Programmkommunikation
Annette Reichertreichert.awhatever@zdf.de
Mainz, 10. März 2026