Franzobel, Barbara Kadletz, Brigitte Schwens-Harrant, Peter Fässlacher, Natascha Gangl, Heinz Sichrovsky

© ZDF und ORF/Buch Wien/Daniela Nickmann

"Ich kenne das dumme Publikum nicht"

Eine Talkrunde zum Bachmannpreis

Der Ingeborg-Bachmann-Preis ist einer der renommiertesten Literaturpreise des deutschen Sprachraums. 2026 gibt es zwei Jubiläen: Am 25. Juni jährt sich zum 100. Mal der Geburtstag der Namensgeberin Ingeborg Bachmann und am 28. Juni wird bei den "Tagen der deutschsprachigen Literatur" in Klagenfurt zum 50. Mal der Ingeborg-Bachmann-Preis vergeben. Welche Bedeutung hat der Bachmannpreis für den Literaturbetrieb? In der Talkrunde, aufgezeichnet auf der Buch Wien 2025, geben Autor Franzobel, Buchhändlerin Barbara Kadletz, Jurorin Brigitte Schwens-Harrant, Moderator Peter Fässlacher, Autorin und Bachmann-Preisträgerin 2025 Natascha Gangl sowie Kritiker Heinz Sichrovsky Einblicke in Mechanismen und Wirkung des Preises. 

Kultur
Dokumentation
Literatur
So 01. Mär
11:30 Uhr
Erstausstrahlung

"Da tritt jemand mit seinem unveröffentlichten Werk direkt vors Publikum und eine Jury und stellt sich einer Diskussion darüber, die auch noch online und im Fernsehen live übertragen wird. Das gibt es doch in keinem Kunst-Genre", fasst Jurorin Brigitte Schwens-Harrant die Faszination "Bachmannpreis" zusammen. In Zeiten, da der Diskurs gern schwarzweiß geführt werde, sei diese Veranstaltung eine Wahrnehmungsschule, ergänzt Autorin Natascha Gangl, die 2025 mit ihrem Text "Da Sta" gewonnen hat. Was bedeutet so ein Gewinn für die Kariere von Schreibenden? Autor Franzobel gewann 1995 den Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis. Danach gab es 100 Anrufe in der Woche, ein Preisgeld, mit dem er sich als "reich" empfand und eine Aufmerksamkeit, "die schon süchtig machen kann". Buchhändlerin Barbara Kadletz wundert das nicht, ein Bachmannpreis treibt das Interesse an einem noch nicht verfügbaren Text in schwindelerregende Höhen, Verlage und der gesamte Literaturbetrieb feiern. Wie hochkarätig diese Veranstaltung schon immer war, kann Kritiker Heinz Sichrovsky bestätigen. Als junger Journalist traf er beim Bachmann-Wettbewerb Größen wie Schriftsteller Walter Jens oder Kritikerpapst Reich-Ranicki in der Jury.

Die Veranstaltung hat sich verjüngt, ist diverser geworden, wird auf verschiedenen Plattformen verfolgt, bis hin zu den jungen Buchbloggerinnen. In ihrer Kompromisslosigkeit hat sie hingegen an nichts verloren. Autorin Natascha Gangl befürwortet das. Manchmal sagten ihr "Verlagsmenschen", sie solle auch die weniger Intelligenten bei ihren Texten berücksichtigen, Zugeständnisse machen. "Ich kenne das dumme Publikum nicht", ist ihre Antwort darauf. 

 

Bilder zur Sendung finden Sie hier.

Die Dokumentation steht nach Ausstrahlung in der 3satMediathek zur Verfügung.

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Annette Reichert
reichert.awhatever@zdf.de
Mainz, 15. Januar 2026
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