Julia Riedler als Fräulein Else im gleichnamigen Stück am Volkstheater Wien © ZDF und Marcel Urlaub

Vier "Starke Stücke" vom 63. Theatertreffen

Unter dem Titel "Starke Stücke" präsentiert 3sat vier aktuelle Inszenierungen vom 63. Theatertreffen in seinem Programm

"Fräulein Else" 

Zum Auftakt am Samstag, 2. Mai 2026, um 20.15 Uhr "Fräulein Else" nach Arthur Schnitzlers gleichnamiger Novelle von 1924, in einer Bearbeitung von Leonie Böhm und Julia Riedler, die auch in der Rolle als Fräulein Else zu sehen ist. Fräulein Else vom Wiener Volkstheater erzählt von seelischem Druck und gesellschaftlichen Erwartungen. Arthur Schnitzlers innerer Monolog wird zum intensiven Theatererlebnis. Im Zentrum steht die junge Else, die sich in einer existenziellen Ausnahmesituation wiederfindet. Zwischen familiären Verpflichtungen, moralischen Zumutungen und eigenen Sehnsüchten entfaltet sich das Porträt einer Frau am Rand des Erträglichen.

Die Inszenierung am Wiener Volkstheater konzentriert sich ganz auf die innere Bewegung der Figur. Mit reduzierter, präziser Bildsprache entsteht ein Raum, in dem Gedanken, Zweifel und Affekte unmittelbar erfahrbar werden. Sprache, Körper und Rhythmus verdichten sich zu einem psychologischen Kammerspiel von großer Nähe. Julia Riedler gestaltet die Figur der Else mit eindringlicher Präsenz und feiner Genauigkeit. Für ihre Darstellung wurde sie von "Theater heute" 2025 zur Schauspielerin des Jahres gewählt. "Fräulein Else" nach Arthur Schnitzlers gleichnamiger Novelle von 1924 zeigt, wie gesellschaftlicher Druck und persönliche Abhängigkeiten ineinandergreifen – und stellt Fragen nach Autonomie und Grenzüberschreitung, die bis heute nachwirken.

 "Mephisto" 

Am Samstag, 9. Mai 2026, 20.15 Uhr, folgt Jette Steckels Inszenierung von Klaus Manns Roman "Mephisto" an den Münchner Kammerspielen. "Mephisto" erzählt von Verführung und Anpassung, von künstlerischem Ehrgeiz und moralischem Verrat. Klaus Manns Roman wird an den Münchner Kammerspielen zum Stück über Macht und Verantwortung. Im Mittelpunkt steht der Schauspieler Hendrik Höfgen, dessen Karriere im politischen Umbruch der 1930er-Jahre rasant voranschreitet. Zwischen öffentlichem Ruhm und innerer Leere entsteht das Porträt eines Menschen, der sich den Verhältnissen anpasst.

Die Inszenierung setzt auf eine konzentrierte, präzise Bildsprache. Bühnenraum, Licht und Kostüme zeichnen eine Welt zwischen Glanz und Bedrohung, in der Theater und Politik unauflöslich miteinander verwoben sind. Für seine Darstellung des Hendrik Höfgen wurde Thomas Schmauser von "Theater heute" zum Schauspieler des Jahres 2025 gewählt und mit dem Deutschen Theaterpreis DER FAUST 2025 ausgezeichnet; 2026 erhält er den Gertrud-Eysoldt-Ring.

"Mephisto" blickt mit großer Klarheit auf die Verstrickungen von Kunst und Macht. Die Inszenierung legt offen, wie schnell Anpassung zur Haltung werden kann – und wie verführerisch der Applaus ist. Ein Theaterabend, dessen Fragen nach Verantwortung und Integrität bis in die Gegenwart reichen.

"II Gattopardo"

Regisseurin Pınar Karabulut inszenierte Giuseppe Tomasi di Lampedusas Roman "II Gattopardo" als vielschichtiges Erzähltheater am Schauspielhaus Zürich. Zu sehen ist das Stück am Samstag, 16. Mai 2026, 20.15 Uhr in 3sat.

Ein Theaterereignis von epischer Wucht: "Il Gattopardo" erzählt vom Untergang der alten Ordnung und der leisen Gewalt des Wandels: sinnlich, bildstark, hochaktuell. Regisseurin Pınar Karabulut inszeniert Giuseppe Tomasi di Lampedusas berühmten Roman als vielschichtiges Erzähltheater. Persönliche Verluste, politische Verschiebungen und historische Brüche verbinden sich zu einem Abend zwischen Eleganz, Melancholie und Gegenwart.

In der monumentalen Weite der Zürcher Schiffbauhalle entfaltet die Inszenierung ihre besondere sinnliche Kraft. Das eindrucksvolle Bühnenbild öffnet Räume voller aristokratischer Pracht und brüchiger Eleganz. Die detailreichen Kostüme lassen die untergehende Gesellschaft des späten 19. Jahrhunderts noch einmal aufleuchten – Bilder zwischen Schönheit und Verfall. "Il Gattopardo" - "Der Leopard" - erzählt von historischen Umbrüchen, deren Nachhall bis in unsere Gegenwart reicht, und stellt Fragen nach Macht, Anpassung und Veränderung. Ein ruhiger, konzentrierter Theaterabend, der visuell beeindruckt und nachwirkt: Was bleibt, wenn sich alles verändert? Und wie viel Vergangenheit steckt in unserer Gegenwart?

"Wallenstein. Ein Schlachtfest in sieben Gängen" live zeitversetzt in der 3satMediathek

Im Stream live zeitversetzt überträgt 3sat am Sonntag, 10. Mai 2026, "Wallenstein. Ein Schlachtfest in sieben Gängen" vom Theatertreffen aus dem Haus der Berliner Festspiele – abrufbar um 17.00 Uhr in der 3satMediathek. Das Stück nach Friedrich Schiller inszenierte Regisseur Jan-Christoph Gockel an den Münchner Kammerspielen.

Alle vier "Starken Stücke" sind ab Freitag, 1. Mai 2026, für mindestens ein Jahr lang in der 3satMediathek sowie in der Berliner-Festspiele-Mediathek abrufbar.

Theater
ab
Sa 02. Mai
20:15 Uhr
Erstausstrahlungen

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Jessica Zobel
zobel.jwhatever@zdf.de
Mainz, 26. März 2026